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Kritiken zu Filmen, Serien und Theater

Theater und Lesungen

Letters Live am 7. März 2019

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Der Wind peitschte aus allen Richtungen. Es regnete auch ein bißchen und trotz dieser kleinen Nische am Eingang der Union Chaple gab es keinen guten Platz zum Unterstellen. Trotzdem waren wir da. Eineinhalb Stunden vor dem eigentlichen Beginn. → SingendeLehrerin und ich hatten uns dieses Mal keine Nachmittagsvorstellung auf diesen verregneten 7. März gelegt. Nein, lieber standen wir im Regen und versuchten den Regenschirm festzuhalten um nicht versehentlich eine spontane Mary-Poppins-Darbietung hinzulegen. Nachdem es relativ einsam am Eingang war, kamen wir unweigerlich mit den zwei Leuten, die vor uns standen ins Gespräch. Woher wir denn kommen, wen wir uns gerne als Leser wünschen würden – Olivia Colman und Benedict Cumberbatch standen relativ hoch im Kurs -, ob wir schonmal bei „Letters Live“ waren… So ziemlich alle Fragen wurden beantwortet und die Zeit verging dadurch relativ schnell. Nur die letzten zehn Minuten waren aufgrund der Kälte dann doch etwas ungemütlich.

Endlich ins Warme…

Mit Freuden stellten wir fest, dass der Mann, der sich zwischenzeitlich unrechtmäßig vor uns gedrängelt hatte, vom Personal am Einlass wieder nach draußen geschickt wurde. Das Ende der Schlange konnten wir aufgrund der vielen Regenschirme gar nicht mehr erkennen. Der Platz war relativ günstig, also mittig gelegen. Bester Blick auf die Bühne. Das Anstehen hatte sich wirklich gelohnt. Die Kirchenbänke boten genügend Platz für uns alle. Ich hatte ein gutes Gefühl. Auch im Bezug auf einen bestimmten britischen Schauspieler, den ich seit neun Jahren – oh mein Gott, schon neun Jahre? – großartig finde. Ihr wisst schon, der aus dieser britischen BBC-Krimi-Serie, die seine Karriere ordentlich befeuert hat. Der mit der tollen Stimme. Einmal diese Stimme hören, das wäre so toll.

„…please welcome: Benedict Cumberbatch“

Mein Wunsch wurde erhört. Ganze drei Mal. Ich war ja schon beim ersten Mal glücklich – auch wenn ich den Inhalt des Briefes nicht verstanden habe. Es war viel durch die Blume Gesprochenes und ich saß die ganze Zeit nur da und habe mich gefragt, worum es geht. Ben trug den Brief nicht sonderlich langsam vor, sondern eher im Sherlock’schen Gesprächstempo. Und ehe ich mich versah, war der Brief dann auch zu Ende. In der Pause habe ich dann mal bei den Sitznachbarn nachgefragt und offenbar ging es um Geschlechtskrankheiten. Glücklicherweise hörte ich im Lauf des Abends noch zweimal die Formulierung „please welcome back: Benedict Cumberbatch“ und somit war die Welt in Ordnung. Zugegen waren auch SHERLOCK-Gegenspieler Toby Jones sowie – ebenfalls „Team Sherlock“ – Louise Brealey. Sie las zusammen mit Helen McCrory den wohl lustigsten Leserbrief, den ich je gehört habe. Die meisten Briefe hatten einen eher heiteren Charakter. Wie zum Beispiel der Brief an den englischen Politiker Jacob Rees-Mogg, der offenbar im Publikum nicht so beliebt ist. Bei der Erwähnung seines Namens ging ein tiefes Raunen durch den Raum. Muss wohl daran liegen, dass er einen „harten Brexit“ befürwortet.

Photo-Credit: Twitter-Seite von Beano Studios
Überraschungen auf und neben der Bühne

Noch vor Beginn der Veranstaltung fiel mir ein Mann auf, der aus dem Backstage-Bereich kam und sich mit Anhang ins Publikum setzte. Ich lehnte mich dezent zu SingendeLehrerin rüber und flüsterte nur: „Damien Lewis.“ Die Angesprochene entdeckte den Schauspieler dank dem auffälligen → „Choose Love“-T-Shirt auch sofort und stellte mit Entzücken fest, dass sich Lewis zwei Reihen hinter uns setzte. Freudiges Grinsen machte sich breit. Ein noch viel breiteres Grinsen verursachte allerdings Andy Serkis. Den hatte irgendwie niemand so richtig auf dem Zettel und daher war sein Auftritt eine große Überraschung. Andy las u.a. einen Brief von „einem Affen aus dem Londoner Zoo“ vor. Dazu sprang er sogar grazil auf die Kanzel und machte während des Vortrags Affengeräusche. Es war ein Träumchen. Der Abend war großartig. Von Briefen → über Theresa May, Abtreibung und Liebesbriefe war thematisch alles dabei.

Sanjeev who made our day

Ich rechne ja eigentlich nicht damit, dass irgendwer auf meine Tweets antwortet, aber aus irgendeinem Grund hat Sanjeev Bhaskar auf meinen geantwortet. Sogar auf Deutsch. Bhaskar, ebenfalls Vorleser bei „Letters Live“ hatte vom großen Schlussapplaus ein Video gemacht. Leider waren wir nicht drauf zu sehen, weil das Licht zu sehr geblendet hat. Am Tag unserer Rückreise, am 08.03. kam plötzlich eine Antwort. Auf Deutsch.

  1. Ach, das hast du ganz wunderbar zusammengefasst! 🙂 Da brauche ich ja gar kein Review mehr zu verfassen…

    Es war sehr schön, das mit dir gemeinsam zu erleben! 🙂

    • Fand ich auch… Es war der gelungene Abschluss einer tollen Woche in London. Du darfst aber ruhig auch noch eine Zusammenfassung schreiben. Ich will dich da nicht abhalten. 🙂

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