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Kritiken zu Filmen, Serien und NT Live-Übertragungen

Biografie, Drama, Musikfilm

Bohemian Rhapsody (DA, OmU, 2018)

Szenenbild aus BOHEMIAN RHAPSODY (2018) - Freddie Mercury (Rami Malek) - © 20th Century Fox

Freddie Mercury (Rami Malek) - © 20th Century Fox

BOHEMIAN RHAPSODY habe ich wochenlang aufgeschoben. Das liegt vielleicht daran, dass ich dem Irrglauben erlag, dass der Film wahrscheinlich ausschließlich etwas für Queen-Fans sei. Ist er nicht. Die Biografie erzählt von Freddie Mercury (Rami Malek), der 1970 zusammen mit Brian May (Gwilym Lee), Roger Taylor (Ben Hardy) und John Deacon (Joseph Mazzello) die Band Queen gründet. Die vier Männer feiern rasch erste Erfolge, auch wenn nicht jeder Produzent im Vorfeld mit den künstlerischen Entscheidungen der Band einverstanden ist. Freddie Mercury, der mit bürgerlichem Namen Farrokh Bulsara heißt, versucht, sich mit seiner Bisexualität zu arrangieren. Er verlobt sich mit der Verkäuferin Mary Austin (Lucy Boynton) und hat doch auf Tour zahlreiche Affären mit Männern und Frauen. An einem Wendepunkt verlässt Mercury die Band um eine Solokarriere zu starten. Doch ohne seine Freunde gerät er in einen Strudel aus Alkohol, Drogen und Sex. Mittlerweile an AIDS erkrankt, gelingt es ihm Jahre später seine Bandmitglieder noch einmal zusammenzutrommeln und beim Live Aid-Konzert aufzutreten.

Szenenbild aus BOHEMIAN RHAPSODY (2018) - Queen - © 20th Century Fox
Queen – © 20th Century Fox
Mercury im Zentrum

BOHEMIAN RHAPSODY hat zwei unschlagbare Verkaufsargumente: fantastisches Schauspiel und grandiose Musik. Bevor ich zur Musik komme, ein paar Worte zum Making-of. Roger Taylor und Brian May versuchten schon seit Jahren einen Film über Queen in die Kinos zu bringen, doch lange Zeit sah es schlecht aus. Ein Porträt über Freddie Mercury – ja, klar. Ein Porträt über die ganze Band – hm, schwierig. Tatsächlich gelingt es Bryan Singer die anderen Bandmitglieder stärker einzubinden. Trotzdem fokussiert sich der Film immer noch stark an Mercurys Biografie. Das liegt nicht zuletzt auch an der grandiosen, inzwischen Oscar-prämierten, Leistung von Rami Malek. Dank Zahnprotese und Schnäuzer sieht der seiner Vorlage wahnsinnig ähnlich. Kommen wir zum zweiten Verkaufsargument: der Musik. Die ist natürlich wahnsinnig gut. Und ich möchte sogar soweit gehen, dass der Film nur im Kino richtig zur Geltung kommt. Selten hat sich der Aufpreis für Dolby Atmos mehr gelohnt. Die Musik hüllt den Zuschauer in einen wohligen Mantel und lädt zum Mitsingen ein.

Szenenbild aus BOHEMIAN RHAPSODY (2018) - Queen im Tonstudio - © 20th Century Fox
Queen im Tonstudio – © 20th Century Fox
Geht ins Kino!

Das packende Finale, das Live-Aid-Konzert, endet ein bißchen zu optimistisch. Es wird suggeriert, dass das Live-Aid-Konzert nur aufgrund des Queen-Auftritts ein finanzieller Erfolg war. Man sieht hier immer einen nervösen Bono auf eine Ziffernanzeige starren, die sich mit dem Auftritt der Band plötzlich merklich zum Positiven verändert. Auch die filmische Erzählung, wonach Mercury aufgrund seiner Aids-Erkrankung so starkes Interesse an einem letzten Auftritt mit seinen Bandkollegen hat, ist pure Erfindung. Die Diagnose Aids bekam Freddie erst nach dem Live-Aid-Konzert (weitere Infos wie immer bei den US-Kollegen von →History vs. Hollywood.) Doch klammert man die historische Geschichte einmal aus, macht BOHEMIAN RHAPSODY mehr als nur gute Laune. Die Songs, die sowieso schon im kollektiven Gedächtnis verankert sind, sorgen für allseits gute Stimmung. Die Schauspieler sind bis in die kleinsten Nebenrollen perfekt besetzt und liefern ein wahres Feuerwerk ab.

5.5/6 bzw. 9/10


Trailer: © 20th Century Fox Deutschland
  1. Kleine Korrektur: Der Typ, der nervös beim Live Aid auf den Zähler schaut ist nicht Bono sondern Bob Geldof, der das ganze Ding damals aufgezogen hat. Diese doch recht übertriebene Dramatik ist nebenbei auch einer meiner wenigen Kritikpunkte am Film. Zum Beispiel auch der „Split“ der Band, weil Freddie ein Solo-Album aufnehmen will, war mir zu simpel gestrickt. Dass man sich erzählerisch und vor allem chronologisch jede Menge Freiheiten genommen hat, stört mich hingegen wenig. Ich bin zwar sehr großer Queen-Fan, aber die wahre Geschichte kenne ich ohnehin schon. Da schaue ich mir lieber eine Version davon an, die eigene Aspekte einbringt. Ich hatte jede Menge Spaß im Kino.

    • Ups, das mit Bob Geldof ist natürlich richtig. Bei so viel Charity-Aktionen von den beiden kann man sie schonmal durcheinanderhauen. Ich habe extra nochmal gegoogelt und herausgefunden, dass Bono zusammen mit Bob Geldof 2005 die Wiederauflage von „Live Aid“ organisiert hat. So ganz falsch war ich also gar nicht. Nur ein paar Jahre zu spät. 😉

      Schön, dass dir der Film auch so große Freude bereitet hat.

  2. Malek hat den Oscar aber auch wahrlich verdient. Sehr gute Interpretation des exzentrischen Bandleaders einer exzentrischen Band…

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