Battle of the Sexes (OmU, 2017)

Von Billie Jean King habe ich noch nie etwas gehört. Von Bobby Riggs auch nicht. Der Film ging auch total an mir vorbei. Damit ist aber jetzt Schluss. Sport-Biopics wirken meistens zu sehr wie Anwärter auf einen Oscar, will sagen: zu gewollt und damit für mich uninteressant. Aber damit tut man BATTLE OF THE SEXES unrecht. Die Geschichte ist mit Blick auf die aktuelle #Metoo-Debatte und die Einführung der “Ehe für alle” hochaktuell. Im Jahr 1973 befindet sich die Profi-Tennisspielerin Billie Jean King (Emma Stone) auf Platz 1 der Weltrangliste.

Szenenbild aus BATTLE OF THE SEXES (2017) - Margaret Court (Jessica McNamee) gegen Bobby Riggs (Steve Carell) - © 20th Century Fox
Margaret Court (Jessica McNamee) gegen Bobby Riggs (Steve Carell) – © 20th Century Fox

Obwohl sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere ist, steckt sie fest. Die Turniere der Frauen sind genauso gut besucht wie die der Männer, trotzdem ist das Preisgeld der Frauen nur ein Achtel von dem ihrer männlichen Kollegen. King fordert die Gleichberechtigung der Frauen ein. Zusammen mit gleichgesinnten Tennisspielerinnen gründet sie gegen alle Widerstände die Women’s Tennis Association. Doch auch privat läuft es für King nicht gerade rund. Auf der einen Seite fühlt sie sich sehr zur Friseurin Marilyn Barnett (Andrea Riseborough) hingezogen, auf der anderen Seite ist sie mit Larry King (Austin Stowell) verheiratet. Und dann wäre da auch noch der 55-jährige Tennis-Spieler Bobby Riggs (Steve Carell). Der hat seine besten Jahre schon lange hinter sich, will es aber immer noch wissen. Das Match zwischen dem bekennenden Chauvinisten (→ “Women belong in the bedroom and kitchen, in that order.„) und der feministischen Aktivistin ging als “Battle of the Sexes” in die Sportgeschichte ein.

Szenenbild aus BATTLE OF THE SEXES (2017) - Die Tennisspielerinnnen werben im Radio für ihre Sache - © 20th Century Fox
Die Tennisspielerinnnen werben im Radio für ihre Sache – © 20th Century Fox
Nicht so ganz emanzipatorisch wertvoll

Der Film hat alles was ein oscartaugliches Biopic braucht: Eine Frau, die am Ende den Sieg davon trägt und auch noch eine, die sich für die LGTBQ-Rechte stark macht – das sind die Themen, die das liberale Hollywood schätzt. Auch wenn der Film natürlich den Sieg der Frau über den Mann als Zeichen der Emanzipation feiert, bekommt die Geschichte einen etwas faden Beigeschmack. Sophie von filmloewin.de hat das in ihrer Kritik wunderbar auf den Punkt gebracht:

“Mehrfach betont der Film, dass Bobby lieber Partys feiert als trainiert, sich mit fragwürdigen Nahrungsergänzungsmitteln dopet und zu Gunsten des Sponsorings auf funktionale Sportkleidung verzichtet. Die Frau* gewinnt das Battle of the Sexes nicht, weil sie besser ist. Sondern der Mann* verliert, weil er sich nicht genug Mühe gibt!”
Quelle:  → http://filmloewin.de/battle-of-the-sexes/

Die Filmemacher wollten mit dem Zeigen von Bobbys „alternativem Trainingsprogramm“ aus Partys, Vitaminen und Sponsoring offenbar zeigen, dass sich Bobby seiner Sache sehr sicher war. Allerdings untergräbt genau diese Erzählweise den eigentlichen Erfolg von King.

Szenenbild aus BATTLE OF THE SEXES (2017) - Gladys Heldman (Sarah Silverman) und Billie Jean King (Emma Stone) - © 20th Century Fox
Gladys Heldman (Sarah Silverman) und Billie Jean King (Emma Stone) – © 20th Century Fox
Grandiose Nebenrollen und fantastische Hauptrollen

Zum Erfolg des Films tragen auch die Nebenrollen bei. Meine Highlights waren neben dem „Nigel“ der 70er, Alan Cumming, insbesondere Sarah Silverman und Bill Pullman. Silverman ist ja berühmt-berüchtigt für ihre große Klappe und darf das als Gladys Heldman total ausspielen. Sie ist die Wortführerin, Managerin und Sponsorenbeschafferin. Man nimmt ihr sofort ab, dass sie einen Haufen Frauen, die doch alle ganz unterschiedliche Motivationen haben, unter Kontrolle bekommt. Auf der gegnerischen Seite ist dagegen der INDEPENDANCE-DAY-Präsi Bill Pullman zu finden, der mit chauvinistischem Aussagen und einer siegessicheren „Damit kommt ihr eh nicht durch“-Arroganz  hinter den Kulissen für Ärger sorgt.

Szenenbild aus BATTLE OF THE SEXES (2017) - Marilyn Barnett (Andrea Riseborough) und Larry King (Austin Stowell) im Aufzug- © 20th Century Fox
Marilyn Barnett (Andrea Riseborough) und Larry King (Austin Stowell) – © 20th Century Fox

Und dann streiten sich noch Austin Stowell und Andrea Riseborough um Emma Stone – das Casting ist einfach umwerfend gut.  Dazu der 70er-Jahre-Soundtrack, die furchtbaren Klamotten und Frisuren, bei denen man aber auch nicht wegschauen kann, und zwei grandiose Hauptdarsteller, die sich ein fantastisches Duell liefern. Schön ist zu sehen, dass sich King und Riggs nach dem alles entscheidenden Match in den Armen liegen. Das zeigt den Respekt und das Fairplay füreinander.  Bei all den „Du bist mein Feind, daher werden wir so lange gegeneinander kämpfen bis einer Recht bekommt und einer stirbt“-Filmen dieser Tage ist BATTLE OF THE SEXES eine gelungene Abwechslung.

5/6 bzw. 8/10

Der Film erscheint am 29.03.2018 auf DVD, Blu-Ray und VoD. Seit 22.03.2018 gibt es den Film bereits als Download zu kaufen. Zur Erstellung der Kritik wurde mir vom 20th Century Fox freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Dies hatte keinen Einfluss auf meine Wertung.

Trailer: © 20th Century Fox

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