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Abenteuerfilm, Fantasy

Alice Through the Looking Glass (3D, 2016)

Alice (Mia Wasikowska) - © Disney

Durch den Spiegel ins Abenteuer

Disney nimmt weiter Kurs auf Fortsetzungen. Sechs Jahre nachdem Tim Burton Alice wieder einmal ins Wunderland geschickt hat, übernimmt James Bobin das Ruder. Die Seefahrtsmetaphern sind auch angebracht, denn Alices zweites Abenteuer beginnt auf hoher See. Alice Kingsleigh (Mia Wasikowska) ist inzwischen die Fußstapfen ihres Vaters getreten und hat zusammen mit dem Schiff „Wonder“ die Weltmeere bereist. Als sie nach einer langen Reise wieder in London ankommt, haben sich viele Dinge geändert. Ihre Mutter Helen (Lindsay Duncan) hat inzwischen das Haus an den reichen Hamish Ascott (Leo Bill), Alices Beinahegatten, überschrieben. Alice soll nun die „Wonder“ an Ascott überschreiben um das Haus zurückzubekommen. Im Hause der Ascotts findet sie Absolem (Alan Rickman), der ihr den Weg durch einen magischen Spiegel zurück ins Unterland zeigt. Dort trifft sie auf alte Bekannte: das Weiße Kaninchen (Michael Sheen), die Grinsekatze (Stephen Fry), Diedeldum und Diedeldei (Matt Lucas) und die Weiße Königin Mirana (Anne Hathaway). Alle freuen sich sehr über die Rückkehr von Alice und bitten sie, sich um den Verrückten Hutmacher (Johnny Depp) zu kümmern. Der verhält sich neuerdings eigenartiger als sonst und vertraut Alice an, dass er davon ausgeht, das seine angeblich getötete Familie noch am Leben ist. Mirana glaubt, dass nur seine Familie ihn aus der Lethargie befreien kann. Hierfür muss Alice aber die Chronosphäre, eine Zeitmaschine, stehlen – von niemandem anderen als von der Zeit (Sacha Baron Cohen) selbst.

Alice (Mia Wasikowska) reist in der Zeit zurück ins Unterland, um den Verrückten Hutmacher (Johnny Depp) zu retten – © Disney

Ganz nett, aber…

Die Fortsetzung von Tim Burtons ALICE IM WUNDERLAND ist ein kalkulierter Crowd-Pleaser. Es gibt ein Wiedersehen mit den meisten Charakteren, die man bereits aus dem ersten Teil kennt. Dazu ein packendes Abenteuer, mehr braucht’s nicht um die Massen zu begeistern. Alice wird weiterhin von oben herab behandelt und muss sich mehrfach sagen lassen, eine Frau solle sich nicht ins Abenteuer stürzen, da sie an den Herd gehöre bzw.  in diesem Fall an den Schreibtisch in Ascotts Buchhaltung.  Kein Wunder, das sich Alice angesichts dieser sexistischen Kommentare zurück ins Wunderland träumt. Und die fantastischen Kostüme von Colleen Atwood sind ein weiterer guter Grund hierfür. Die Sprünge in der Zeit, die Rückblicke, sind interessant, weil nicht nur die Lebensgeschichte des Hutmachers nacherzählt wird, sondern auch der schwesterliche Zwist zwischen der roten und der weißen Königin erklärt wird. Wie für ALICE-Filme üblich, wird am Ende alles gut. Allerdings wird es schwierig werden, eine Fortsetzung zu drehen, denn das Ende ist derart positiv, dass ein weiterer Teil wohl eher störend wirkt.

Die Zeit (Sacha Baron Cohen) – © Disney

Wo die Story punktet, mangelt es an der Machart. Kleinere Gags wie die Helferlein der Zeit, die sich passend der Formulierung „wie ein Schweizer Uhrwerk funktionieren“ allesamt auf Schwitzerdütsch unterhalten, bleiben die Ausnahme. Der Film enthält metertiefe Logiklöcher. Alice-Darstellerin Mia Wasikowska wechselt von einer Szene auf die andere ihr Outfit ohne eine Umkleidekabine von innen gesehen haben. Begriffe werden nicht erklärt. Die Verbannung der roten Königin und ihr Verhältnis zur Zeit bleibt vage. Die Optik ist sehr special-effects-lastig (hier in einem negativen Sinne gemeint), wieder sehr opulent und farbenfroh. Schauspielerisch sticht keiner besonders hervor. Andrew Scott darf wieder fünf Minuten lang Moriarty spielen. Als hätte man das noch nie gesehen. Pfffff…  Eben alles sehr gefällig.

(3.5/6)

Trailer: © Disney Deutschland

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