A bloody good time?!

Wenn Schauspieler anfangen Filme zu drehen, gibt es nur zwei Möglichkeiten: entweder sie überzeugen oder sie enttäuschen. Letzteres war der Fall als Ryan Gosling  seinen Debütfilm LOST RIVER 2014 in Cannes vorstellte. Ab 28. Mai 2015 kommt der Film in einer acht Minuten kürzeren Version in die deutschen Kinos. Das macht ihn aber nicht zwangsläufig besser. Doch man muss zugeben, die Handlung beginnt spannend. Irgendwo im Nirgendwo liegt das Städtchen Lost River. Wer kann, verschwindet, denn Arbeit gibt es keine und die, die eine haben, machen die Regeln. In Lost River lebt auch die alleinerziehende Mutter Billy (Christina Hendricks) mit ihren beiden Söhnen Bones (Iain de Caestecker) und Franky. Bones, der Ältere, klaut aus verlassenen Gebäuden alles zusammen, was sich noch zu Geld machen lässt, denn die Familie hat Schulden. Zwangsversteigerung kommt nicht in Frage, denn wer sollte das Haus kaufen? Da ist es billiger die Häuser abzureißen. Um ihr Haus nicht verlassen zu müssen, bittet Billy den Bankangestellten und Clubbesitzer Dave (Ben Mendelsohn) um Hilfe, der ihr einen Job als Kellnerin in seinem Nachtclub anbietet. Bones beklaut in der Zwischenzeit den selbsternannten Herrscher der Stadt Bully (Matt Smith), der alles andere als begeistert ist, und kurz darauf Bones‘ Freundin, das Nachbarsmädchen Rat (Saoirse Ronan), belästigt und einschüchtert.

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LOST RIVER ist inhaltlich wie optisch eine abgedrehte Mischung aus REQUIEM FOR A DREAM und DRIVE. Auch musikalisch lehnt sich der Soundtrack von Johnny Jewel an beide Filme an. Einige Stücke wurden auch von den Schauspielern selbst eingesungen, wie Saoirse Ronans Ohrwurm → „Tell me„. Über den Inhalt lässt sich sicherlich trefflich streiten. Wo die einen eine sinnlose Aneinanderreihung stark inszenierter Bilder sehen, entdecken die anderen in dem spannenden Fantasy-Noir-Streifen Details über die man stundenlang philosophieren kann. Die Wahrheit liegt wohl in der Mitte. LOST RIVER portraitiert die ausweglose Situation, die gottverlassene Gegend und die Menschen, die trotz aller Widrigkeiten dort noch leben. Die einzige Branche, die neben den Banken noch überlebt, ist die Entertainmentbranche, welche die perversen Gelüste der Übergebliebenen befriedigt. Nur noch Blut und Tränen ergötzen die Massen. Es ist ein Abgesang auf den amerikanischen Traum.

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Der starke Anfang geht dann aber in einer Blutlache aus Horror-Entertainment, Kriminalität und Neonbeleuchtung unter. Bones beginnt nach einer unterirdischen Stadt zu tauchen, die den Fluch, der auf Lost River, liegt, aufheben soll. Dazwischen verzweifelte Blicke und heruntergebrannte Häuser in Slow-Motion. All das kulminiert in einem unerklärlichen Nichts, wenn plötzlich die Straßenlaternen im See zu leuchten beginnen. Fassungslos sieht man sich den Abspann an und fragt sich, was das denn jetzt sollte. Schauspielerisch tut sich niemand besonders hervor. Die „Bösen“ bleiben allerdings eher im Gedächtnis als die „Guten“, was nicht sonderlich für den Film spricht, da die ja eigentlich die Hauptrollen spielen.  Matt Smith unterstreicht die Boshaftigkeit seiner Rolle durch lautes Rumgeschreie und eine übertrieben häufige Benutzung des Wortes „Motherfucker“. Das allein macht noch keinen guten Gegenspieler. Spannender ist hier sicherlich Ben Mendelsohn, der als Bankangestellter die Hilflosigkeit seiner Kunden schamlos ausnutzt. Goslings Erstlingswerk wird nicht jedem gefallen. Ein Totalausfall ist es nicht, ein Meisterwerk aber auch nicht.

Postmoderne Geschichte ohne klare Linie (3.5/6)

Titelbild und Trailer: © Tiberius Film