The Menu (2022)

Der Trailer war nicht besonders aussagekräftig. Er machte zwar Lust auf den Film, hat aber nicht so richtig viel verraten, wohin die Reise geht. Mein Fazit: THE MENU ist einer dieser Filme, die Spaß machen. Wo man mit einem Grinsen das Kino verlässt und einfach nur glücklich ist diesen Film gesehen zu haben. Dreh- und Angelpunkt der Handlung ist ein sehr teures Abendessen. Tyler (Nicholas Hoult) und seine Begleitung Margot (Anya Taylor-Joy) reisen zusammen mit anderen, die sich das erstklassige Mehrgängemenü leisten können, auf eine einsame Insel. Dort befindet sich ein Edelrestaurant. Unter der Leitung des Küchenchefs Slowik (Ralph Fiennes) erschafft die Küchencrew neuartige Kreationen für die anspruchsvolle Kundschaft. Was als launiger Abend beginnt, endet in kulinarischen Überraschungen und anderen Wendepunkten.

Szenenbild aus THE MENU (2022) - © 2022 20th Century Studios All Rights Reserved.
© 2022 20th Century Studios All Rights Reserved.

Vom Häuten der Zwiebel

Nichts ist Zufall an diesem Abend. Das zeigt sich auch direkt bei den Gästen, die im Luxusrestaurant Platz nehmen. Die Rollen sind dabei klar verteilt: die Neureichen, das alte Geld, der Kritiker, der Filmstar, der unkritische Fan. Und obwohl man sich durchaus vorstellen kann, dass es solche Abende auch tatsächlich gibt, wirkt alles sehr konstruiert. Manche Figuren, insbesondere die von Nicholas Hoult, sind fast schon Karikaturen ihrer selbst. Karikaturen, die sich mit jedem weiteren Gang selbst entlarven. Der Film zeigt auch wirklich großartig wie es sich mit Gruppendynamiken verhält. Gegen Ende erwähnt der Chefkoch ganz beiläufig, dass keiner der anwesenden Gäste so richtig versucht hätte, sich der Situation zu entziehen. Und das ist wahr. Die Gäste versichern sich lieber gegenseitig, dass schon alles in Ordnung sei, obwohl jedem im Raum klar ist, dass etwas nicht stimmen kann.

Szenenbild aus THE MENU - Julian Slowik (Ralph Fiennes) und Margot (Anya Taylor-Joy) -  Photo by Eric Zachanowich. Courtesy of Searchlight Pictures. © 2022 20th Century Studios All Rights Reserved
Julian Slowik (Ralph Fiennes) und Margot (Anya Taylor-Joy) – Photo by Eric Zachanowich. Courtesy of Searchlight Pictures. © 2022 20th Century Studios All Rights Reserved

Eine Fundgrube für Interpretationen

THE MENU ist voller Anspielungen und eine wahre Fundgrube für Interpretationen. Er kann als kritischer Kommentar auf eine Zwei-Klassengesellschaft gelesen werden. Es gibt auf der einen Seite diejenigen, die arbeiten, und auf der anderen Seite, diejenigen, die das Endergebnis dieser Arbeit genießen. Die Frage, die der Film stellen will, ist, ob die Gäste das Essen überhaupt wirklich genießen oder überhaupt verdient haben. Ob das Essen vor imposanter Kulisse mit Starkoch nicht einfach nur ein Zeichen von Prestige und eine Machtdemonstration und weniger von tatsächlichem Genuss ist. Interessant fand ich auch → die Interpretation von Wolfgang M. Schmitt von der Filmanalyse, der analysierte, dass die einzelnen Gänge einzelnen Stationen in der Theater- und Performancegeschichte darstellen und hier Fragen zu dem Verhältnis zwischen Künstler und Rezipient aufwerfen.

Szenenbild aus THE MENU - Julian Slowik (Ralph Fiennes) - Photo by Eric Zachanowich. Courtesy of Searchlight Pictures. © 2022 20th Century Studios All Rights Reserved.
Julian Slowik (Ralph Fiennes) – Photo by Eric Zachanowich. Courtesy of Searchlight Pictures. © 2022 20th Century Studios All Rights Reserved.

Überragendes Schauspiel und leckeres Essen

Zu der inhaltlichen Tiefe kommt auch noch ein fantastisches Schauspielensemble, das von Ralph Fiennes und Anya Taylor-Joy zusammengehalten werden. Fiennes, der einfach nur kurz in die Hände klatscht, kann mit dieser kleinen Geste schon dafür sorgen, dass die Zimmertemperatur gefühlt um 10 Grad sinkt. Aber auch Taylor-Joy ist eine würdige Gegenspielerin voller Geheimnisse und immer für eine Überraschung gut. Jede Requisite, jeder Teller mit Lebensmitteln scheint sorgsam ausgewählt zu sein. Alles ist mit Bedeutung aufgeladen und wirkt dadurch keinesfalls beliebig. Die Spannung bleibt einfach von Anfang bis Ende aufrecht. Mir persönlich waren die wenigen brutalen Momente des Films etwas zu viel und ich habe mich für die Taktik „Augen zu“ entschieden. Das sollte aber niemanden davon abhalten, diesen wirklich fantastischen Film anzuschauen. Es steckt einfach sehr viel drin.

9.5/10

Bewertung: 9.5 von 10.

Aktuell ist THE MENU noch in den deutschsprachigen Kinos zu sehen. Im Frühjahr 2023 wird der Film über den Streamingservice Disney+ abrufbar sein.

Trailer: © Searchlight Pictures

Ein Kommentar zu „The Menu (2022)“

Kommentar verfassen