Eine Stichwortkritik soll die ersten Eindrücke zum Film festhalten. Die Eindrücke sind absolut unfertig und bruchstückhaft. Die Bewertungen sind alle noch unter Vorbehalt. Bei Festivalkritiken muss man bedenken, dass man viel stärker vergleicht, weil man in kurzer Zeit viele Filme schaut. Soll heißen, eventuell fällt die ein oder andere Kritik kritischer aus als beim normalen Kinobesuch. Viel Spaß beim Lesen und Kommentieren. Diese Auflistung wurde bis zum Ende der Berlinale permanent aktualisiert und die dazugehörigen Langkritiken später verlinkt. Die Farben stehen für die verschiedenen Kategorien: rot=Wettbewerb, orange=Panorama, grün=Retrospektive, Berlinale Classics oder Hommage, grau=Berlinale Special Gala, braun=Berlinale Classics, schwarz=Sonstige Screenings.

CINDERELLA (2014) von Kenneth Branagh

Die Geschichte dürfte bekannt sein. Hält sich weniger an die Zeichentrickvorlage als z.B. MALEFICIENT: Herzog will Prinz mit spanischer Prinzessin verkuppeln und macht gemeinsame Sache mit Cinderellas Stiefmutter. Netter Sidekick: Vier kleine verfressene Mäuse. Hammermäßig tolle Kostüme, Locations und Setdesign, typisch Disney halt. Cate Blanchetts dreckige Lache. Transformationen der Kutsche und der Tiere gelungen. Immer wieder das „Have courage and be brave“-Thema, zu oft, nervt nach einer Weile. Als der Prinz Cinderella fragt, wie sie heißt, sagt sie „Cinderella“, obwohl vorher deutlich gemacht wird, dass der Name eine abfällige Kreation ihrer Stiefschwestern war: Warum sollte sie sich also mit einem Schimpfwort vorstellen? Voice-over durch Helena Bonham Carter aka die gute Fee. Zauberhafter Soundtrack. (5/6) → Langkritik

NADIE QUIERE LA NOCHE (2015) von Isabel Coixet

Grönland 1908. Josephine Peary (Juliette Binoche), die Frau des Polarforschers Robert Peary, will nicht mehr länger auf ihn warten und reist durch Schnee und Eis auf der Suche nach ihm. Film basiert auf wahren Figuren, Peary gab es wirklich. Viel Schneegestöber und Eis. Kamerafahrten über weiße Berge. Binoche nicht in ihrer besten Rolle, in der ersten Hälfte des Films sehr overdressed. Gegen Ende unglaublich melodramatisch und langatmig. Geschichte gegen Ende nicht mehr ganz glaubwürdig. (3/6)

NASTY BABY (2014) von Sebastián Silva

Schwules Paar Freddy und Mo wollen unbedingt ein Baby. Freundin Polly soll es austragen. Freddys Spermien passen aber nicht, Mo soll spenden. Doch dann kommt der durchgeknallte Nachbar „Bishop“ und macht sich an Polly ran, mit tödlichem Ausgang. Film entscheidet sich nicht für klare Linie: Im Prinzip ist der Film zwei einzelne Filme; erste Hälfte: dramatische Komödie, zweite Hälfte: Kriminalfilm; Abspann: Skaterfilm. Erste Hälfte unglaublich komisch, zweite Hälfte völlig an den Haaren herbeigezogen und schwächt den starken Einstieg. Bilder im Abspann ergeben nicht wirklich Sinn. (5/6)

ANGELICA (2015) von Mitchell Lichtenstein

London 1880. Angelica erfährt von ihrer kranken Mutter, die sich auf dem Sterbebett meint, die Wahrheit über den angeblich verschwundenen Vater. Opening mit Geisterfotografie. Titel irreführend, denn eigentlich ist es die Geschichte ihrer Mutter Constanze. Wer sich ein bißchen mit Freud auseinandergesetzt hat, sieht hier ein gutes Beispiel von unterdrückten Trieben. Ängste von Constanze sind für den Zuschauer nachvollziehbar und man weiß auch woher sie kommen. Starke Geschichte, die nie langweilig wird. Nicht zu gruselig, hier und da etwas eklig. (5.5/6)

MISFITS (2015) von Jannik Splidsboel 

Dokumentation über schwule und lesbische Jugendlichen in Tesla, Oklahoma. Dort kommen auf 400.000 Einwohner, 2.000 Kirchen und ein schwul-lesbisches Jugendzentrum. Die Dokumentation begleitet die Teenager Larissa, Ben und D in ihrem Alltag. Obwohl der Film als Geschichte über Teenager, die versuchen „in einem fundamental-religiösem Umfeld queer zu leben“ angepriesen wird, geht der Film eigentlich nur zu Beginn auf die Thematik „Religion und sexuelle Orientierung“ ein. Völlig alltägliche, aber teilweise urkomische, Situationen vermitteln nach und nach eine simple Botschaft: Wir sind alle gleich. Protagonisten alle sehr sympathisch, jeder mit anderem Background.  (5/6)

THE AMERICAN FRIEND (1977) von Wim Wenders – digitalisierte 4K-Version

Weil er sich selbst die Finger nicht schmutzig machen möchte, heuert Tom Ripley (Dennis Hopper) den Restaurateur und Bilderrahmenbauer Jonathan (Bruno Ganz) für zwei Mord an. Klassischer Krimi bzw. Thriller nach Patricia Highsmith. Spielt in New York, Hamburg, München und Paris. Man erfährt nichts über die Opfer. Braucht etwas, bis die Figuren und deren Motivationen alle vorgestellt sind. Manchmal fragt man sich, warum die handelnden Figuren – insbesondere Jonathan und seine Frau – nicht misstrauisch werden oder anders handeln.  Der Epilog (die Zeit, nach dem zweiten Mord) hätte es nicht unbedingt gebraucht, zieht den Film nur unnötig in die Länge. Ansonsten sehr solide und gut gespielt. (4.5/6)

THIS HAPPY BREED (1944) von David Lean – 35mm

London: „This is the story of a London family from 1919 to 1939.“ Famiie Gibbons erlebt Höhen und Tiefen und der Film erzählt die Geschichte vom Einzug bis zum Auszug. Der Vater Frank ist die lustigste Figur (z.B. stellt er seine Frau mit den Worten „This is the wife“ vor). Hat so ein bißchen was von frühem DOWNTON ABBEY. Vater-Sohn-Gespräche, überhaupt ist der Vater derjenige, der die Familie zusammenhält. Wird mit zunehmender Länge besser. (4/6)

BLOOD AND SAND (1941) von Rouben Mamoulian – 35mm

Sevilla: Der Junge Juan will in die Fußstapfen seines Vaters treten und Torero werden. Er hat Talent und steigt schnell auf. Doch sein Fall ist ihm aufgrund seiner Hochmütigkeit und Untreue gewiss. Erzähltempo einfach unglaublich lahm, eine halbe Stunde (wenn nicht sogar mehr) hätte man sich sparen können, Rita Hayworth spielt das verführerische Vamp, singt aber nicht selbst. Opulente, farbenfrohe Sets und Kostüme. Geschichte dauert und dauert. Keine Überraschung oder Wendepunkte. (2/6)

ELSER (2015) von Oliver Hirschbiegel

In Rückblenden wird die Geschichte des Hitler-Attentäters Georg Elser erzählt, einschließlich seiner Beziehung zur verheirateten Elsa und die Folter durch die Nationalsozialisten. Archivaufnahmen/Filmaufnahmen als Propaganda, wenige Lacher („Churchill hat angerufen und mich beauftragt Hitler für ihn umzulegen.“) durch absurde Situationen (Fotograf gibt Anweisungen wie Elser den Offizieren den Plan erklären soll). Folter, Gewalt, Erhängung (ewig lange Einstellung, die schwer auszuhalten ist). Gut gespielt von Christian Friedel, von dem ich bisher noch nix gehört habe – der Film macht neugierig auf mehr. Fokus liegt eher auf der Liebesbeziehung von Georg und Elsa und nicht direkt auf dem Attentat, schade. Fokus hätte aber beim Attentat liegen müssen. Zu kitschig und häufig zu rührselig. (4/6) → Langkritik

ALS WIR TRÄUMTEN (2015) von Andreas Dresen

Leipzig, kurz nach dem Ende der DDR. Vier Freunde eröffnen eine Bar und prügeln sich mit Nazis. Zwei Zeitebenen: Rückblenden in die Schulzeit der vier bringen keine nennenswerten Erkenntnisse. Einzelne Szenen waren schlecht gespielt und klangen aufgesagt. Unterteilt in Kapitel, die auch extra angezeigt wären, was es nicht gebraucht hätte, weil die Titel sowieso im Gespräch oder im Voice-Over gesprochen wurden, unterteilt den Film in kleinere Stücke, was irritiert; wenig Bezug mit den Figuren, Motivationen der Figuren teilweise unklar, Schluss langatmig und ohne Ziel (2.5/6) → Langkritik

THE FACE OF AN ANGEL (2014) von Michael Winterbottom

Der Journalist und Filmemacher Thomas Lang, gespielt von Daniel Brühl, macht sich auf nach Siena in Italien, wo eine Studentin ihre Kommilitonin und Mitbewohnerin umgebracht haben soll. Er untersucht den Fall und versucht ihn aufzuklären. Rückblenden in Rückblenden. Was als filmische fiktive Version vom Fall Meredith Kercher beginnt, endet leider im Nirgendwo. Irgendwann verliert Winterbottom jeden Fokus auf irgendwas und alle Themenfelder (Lang und seine Familie, Auflösung des Mordfalls, Dante, Drogenkonsum und Traumsequenzen…) und Fragen bleiben unbeantwortet. Positiv ist die selbstreflexive Art und Weise: Eine Kollegin rät Lang einen Spielfilm aus der Geschichte zu machen – dies ist ein Spielfilm. Auch der Aufbau den Lang seiner Kollegin erläutert, entspricht dem des Films. Zu Beginn noch packend und spannend, baut aber schnell ab. Das kann auch Daniel Brühl nicht mehr retten, der solide spielt. Häufig Gedichte oder Geschichten von Dante. Keine Ahnung warum. (4.5/6) → Langkritik

STILL ALICE (2014) von Richard Glatzer und Wash Westmoreland

Buchverfilmung: Die Literaturprofessorin Alice erkrankt an Alzeiheimer und vergisst mit der Zeit immer mehr Dinge. Julianne Moore top, die anderen Schauspieler (Alec Baldwin, Kristin Stewart, Kate Bosworth) nicht so. Fokussierung auf den allmächlichen Abbau von Alices kognitiven Fähigkeiten, nicht aber auf die Auswirkungen auf andere ebenfalls betroffene Gruppen (Familie, Arbeitgeber, Pfleger…), das wird nur am Rande geklärt. Wird hin und wieder zu konventionell und plakativ in Szene gesetzt: Super-8-Look für Erinnerungen, Unklarheit durch Unschärfe. Die Botschaft wird aber klar. Musik ist schön. Kann man sich durchaus mal ansehen. (4/6) → Langkritik

FIFTY SHADES OF GREY (2015) von Sam Taylor-Johnson

To make the story short: Die Literaturstudentin Anastasia Steele verliebt sich in den erfolgreichen Geschäftsmann Christian Grey, der auf besondere Sexpraktiken steht. Überraschenderweise hat mir FIFTY SHADES sogar recht gut gefallen, allerdings muss man betonen, dass die meisten Witze nur deshalb funktionieren, weil der Zuschauer bereits das Buch gelesen und damit Christian Greys Geheimnis kennt. Im Drehbuch sind deshalb ordentlich Doppeldeutigkeiten enthalten, die den Kinobesuch versüßen sollten. Für alle Unwissenden wirken die Figuren zu eindimensional. Man erfährt kaum etwas über ihren Background oder die Motive ihres Handelns. Teilweise kommt es sogar vor, dass die beiden Hauptfiguren selbst überrascht sind, wenn sie über den anderen einmal etwas herausfinden. Die Sado-Maso-Szenen sind bei weitem nicht so schlimm wie z.B. in NYPHOMANIAC Vol. II. Es wird viel rumgeknutscht. Auch wenn es im Vorfeld Stimmen gab, die Jamie Dornan nicht für „den Richtigen“ hielten, so macht er seine Sache wirklich gut und ja, irgendwas hat er. 😉  Auf dem Soundtrack zum Film finden sich Sängerinnen wie Beyoncé oder Ellie Goulding. Und das zeigt, dass dieser Erotik-Liebesfilm dann doch recht konventionell ist und auf reine Massentauglichkeit getrimmt ist. (4/6) Langkritik

EVERY THING WILL BE FINE (2015) von Wim Wenders

Spielfilm: Der Schriftsteller Thomas überfährt einen kleinen Jungen und seinen Bruder Christopher beinahe auch. Thomas will sich zunächst das Leben nehmen, was aber misslingt. Er stürzt sich in die Arbeit und trennt sich von seiner Freundin Sara. Über die Jahre halten Thomas und die Familie Kontakt und versuchen über den Verlust hinwegzukommen.  Ruhig erzählt, teilweise etwas zu ruhig, auf der anderen Seite ist diese Ruhe auch sehr realitätsnah. Manchmal ist unklar, wie beide Familien in Kontakt kommen und woher sie die jeweiligen Telefonnummern oder Anschriften haben. Behandelt die Themen Trauerbewältigung, Schuld und Vergebung auf eine sehr sensible Weise. (5/6) → Langkritik

KNIGHT OF CUPS (2014) von Terrence Malick

Wer kein Fan von Sonnenuntergängen, Wasser in Swimmingpools, Wasser im Meer und Wasser im Brunnen, Zügen und Autos und den dazugehörigen Autobahnen ist,wird mit KNIGHT OF CUPS keine Freude haben. Eine Handlung oder Botschaft ist nicht vorhanden, fragmentarische und künstlerische Erzählweise. Schöne Bilder mit teilweise recht ungewöhnlichen Einstellungen. Voice-over als Ersatz für persönliche Gespräche. Viele Fragen auf die weder Film noch Protagonisten Antworten liefern. Schlaucht sehr, will und will nicht enden. Die bekannten Schauspieler können gar nicht ihr Können zeigen. Antonio Banderas steppt. (1.5/6) → Langkritik

SELMA (2014) von Ava DuVernay

Jetzt kann ich die Wut auf die Academy nachvollziehen. Wie kann dieser Film, dieses epische, aber trotzdem gar nicht wuchtige Werk, so völlig unter den Tisch fallen? Der Cast ist unglaublich, David Oyelowo spielt Luther King herausragend. Der Film verkörpert zudem beide Perspektiven, die der US-Regierung bzw. die Erkenntnisse des FBIs (Reports werden immer in der Bildmitte gezeigt) und die Haltung der Bürgerrechtsbewegung, bei der auch der Fokus liegt. Der Film hat zwar gegen Ende seine Längen, die auf den grauenhaften Stühlen von Friedrichsstadt-Palast kaum auszuhalten sind. Trotzdem erzählt er ein berührendes Stück amerikanischer Geschichte ohne Pathos, aber mit Hingabe. Und falls das für jemanden ein Verkaufsargument ist: Oprah spielt mit. 😉  (6/6) → Langkritik

NEUN LEBEN HAT DIE KATZE (1968) von Ula Stöckl

War nicht mein Film. So überhaupt nicht. Mag vielleicht an der Übermüdung liegen, aber dieser Film haut mich absolut gar nicht vom Hocker. Es geht um die Rolle der Frau und das Verhältnis von Mann und Frau, das habe ich noch verstanden, aber alles ist sehr theatermäßig aufgebaut, bruchstückhaft und deshalb häufig so wirklich gar nicht nachzuvollziehen. Wie gesagt, nicht mein Film. (1/6)

I AM MICHAEL (2015) von Justin Kelly

Biopic basierend auf der Geschichte des homosexuellen Aktivisten Michael Glatze, der zum Glauben findet und sich schlieβlich heterosexuell erklärt, sich mit einer Frau verlobt und Priester in Wyoming wird. Man kommt schwierig in die Geschichte rein. Das Motiv für Michaels überraschende Wandlung bleibt auch im Dunkeln. Die permanenten Orts- und Zeitangaben, die als Schwarzblenden eingebaut sind, nerven etwas aufgrund ihrer Häufigkeit genauso wie Blogeinträge mit gleichzeitigem Voice-over (lesen oder zuhören, was denn jetzt?), keine expliziten Sexszenen (gut so). Insgesamt stimmig und bewegend. James Franco zeigt zur Abwechslung mal, dass er gut spielen kann. Bewusst offenes und abruptes Ende. (5/6)

BIG EYES (2014) von Tim Burton

Basiert auf der wahren Geschichte von Margarete Keane, deren Mann Walter BIG EYES wirkt in vielerlei Hinsicht Burton-untypisch: kein Grusel, keine dunklen Farben, kein Fantasyfilm. Voice-Over als Erzähler, von dem man lange nicht weiß, wer hier eigentlich erzählt. Chronologische und klassische Erzählweise. Christoph Waltz übertreibt häufig (falsches Lachen, übertriebene Freundlichkeit), teilweise ist das aber auch extrem komisch, wenn er im Gerichtsverfahren beispielsweise gleichzeitig Anwalt und Beschuldigter ist und immer wieder zwischen Tisch und Zeugenstand hin- und herrennt. Amy Adams spielt solide. Unaufdringlicher Soundtrack von Danny Elfman. (5/6) → Langkritik

WOMAN IN GOLD (2015) von Simon Curtis

Biopic über Maria Altman, die zusammmen mit ihrem Junganwalt Randol Schoenberg die österreichische Regierung auf die Herausgabe von Klimtgemälden verklagt. Sehr ähnlich zur Handlung von PHILOMENA, Zwei Zeitebenen/Rückblenden und Vorrausschauen, Erste Szene: Moritz Bleibtreu spielt Klimt: komische Castingentscheidung. Helen Mirren und Daniel Brühl solide, Ryan Reynolds ein Auf und Ab (hat gute, aber auch nicht überzeugende Momente),  Ende drückt unglaublich auf die Tränendrüse, hätte es nicht gebraucht (5/6) → Langkritik

GENTLEMEN PREFER BLONDES (1953) von Howard Hawks – Restaurierte Fassung, 4K

Spielfilm: Die Sängerinnen Lorelei und Dorothy sind beste Freundinnen. Lorelei soll in Frankreich ihren Mann heiraten, doch auf der Überfahrt kommt es zu Turbulenzen. Marilyn Monroe als diamanten- und geldbesessenes blondes Dummchen und Jane Russell als ihre zynische und männerjagende Freundin sind ein tolles Gespann. Lacher sind garantiert, die Musik ist großartig. Hier und da vielleicht etwas zu kitschig, aber was soll’s…? Manchmal darfs auch kitschig sein. (5.5/6)

THE AFRICAN QUEEN (1951) von John Huston – Restaurierte Fassung, 4K

Humphrey Bogart und Katherine Hepburn unternehmen eine Schifffahrt auf der „African Queen“ durch Afrika im Jahr 1914 und fliehen dabei vor den Deutschen. Die Geschichte ist natürlich recht vorhersehbar: Die Beiden kommen am Anfang überhaupt nicht miteinander klar, dann aber schweißt sie das Schicksal zusammen und sie verlieben sich ineinander. Leider verkommt der Film sehr zur „Safari“ (viele Naturbilder von Nilpferden, Giraffen und Löwen) und wird gegen Ende etwas langatmig. Nette Gags („What’s your first name?“). Letzter Wille, bevor die beiden gehängt werden: Hochzeit;  deutsches Kampfschiff wird zerstört. Total unglaubwürdig, aber naja. (3.5/6)

LOST RIVER (2014) von Ryan Gosling – „8 Minuten kürzer-Edition“

Ein bißchen kann ich meine Kollegen, die den Film beim Filmfest in Cannes zerrissen haben verstehen, allerdings war der Film dann doch nicht so schlecht. Die Grundidee ist eigentlich ganz gut. Abgefuckte Gegend, die von Matt Smith regiert wird, und Iain De Caestecker versucht durch den Klau von Materialien Geld für die Familie zu beschaffen, damit ihr Haus nicht abgerissen wird. Postmoderne Untergangsgeschichte. LOST RIVER ist eine abgespacte Mischung aus REQUIEM FOR A DREAM und DRIVE. Allerdings wird keine klare Linie deutlich. Viel Blut und Kriminalität. Irgendwas muss sich Ryan Gosling doch gedacht haben: Eva Mendes spielt natürlich mit, sie tanzt und wird danach mit einem Messer im Kopf… Ich habe keine Ahnung, was das sollte. Der Film hat einen starken Anfang mit krassen Bildern (verlassene Gegenden, Häuser und Kinos, Ende des amerikanischen Traums), aber dann Bilder von brennenden Häusern in Zeitlupe und das Ende ist völlig gaga. Unser aller Lieblings-DOCTOR (vorausgesetzt man supportet nicht David Tennant) Matt Smith benutzt entweder den Terminus „Motherfucker“ dreimal in jedem Satz oder schreit einfach nur. Ryan, bitte nochmal, und dann bitte in „logisch“. (3.5/6) → Langkritik

LOVE & MERCY (2014) von Bill Pohlad

Und zum ersten Mal ergreift ein Cast die Flucht (seit Diane Kruger das letztes Jahr gemacht hat, habe ich sie seitdem auf dem Kieker). Ich weiß, es ist „nur“ die Europapremiere von LOVE & MERCY, aber der Film ist auch nicht so schlecht, als dass man sich ihn nicht auch noch ein zweites Mal anschauen könnte. Biopic über den Musiker hinter den ganzen Beach-Boys-Songs: Brian Wilson, zwei Zeitebenen: Brian und die Beach Boys – Brian lernt seine heutige Frau kennen, schauspielerisch ist alles top (Cusack, Duno, Banks und Paul Giamatti, der herrlich das Arschloch vom Dienst spielt), es spielt sich viel auf der Tonebene ab, natürlich gibt es viele Beach-Boys-Songs, aber die wirken teilweise zu krampfhaft in den Film integriert, so wird ein Gespräch zwischen zwei Personen einfach mit einem Lied unterlegt und fertig (zu einfach) (4/6) → Langkritik

MR. HOLMES (2015) von Bill Condon

Die Engländer machen mich fertig. Erst Benedict Cumberbatch und jetzt auch Ian McKellen. Ich bin platt. Bill Candon erzählt nach seinem Narrationsfiasko INSIDE WIKILEAKS eine tolle Buchverfilmung über Sherlock Holmes, der inzwischen 93 Jahre alt und leicht senil ist. Von einer Japan-Reise zurück erholt er sich an der Küste in einem kleinen Häuschen, nur umgeben von der Haushälterin Mrs. Munro und ihrem Sohn Roger. Der Film hat alles was großes Kino ausmacht. Zwei alte Fälle/Zeitebenen werden mit der 1947 spielenden Handlung verwoben, ähnlich wie neulich gesehen in THE IMITATION GAME. McKellen kann mit kleinen Gesten so unglaublich viel aussagen. Wow. Trotz geplantem Mord und Intrigen bleibt es ein Feel-good-Movie, der den Sherlock-Holmes-Mythos liebenswert entzaubert. Eine gelungene Weltpremiere. Ich verneige mich. (6/6) → Langkritik

JOURNAL D’UNE FEMME DE CHAMBRE (2015) von Benoit Jacquot

Nach dem letztjährigen Lea-Seydoux-Berlinale-Flop LA BELLE ET LA BETE war ich total überrascht, wie gut mir der Film gefallen hat. Es geht um eine Kammerzofe, die um 1900 aus Paris zu Herrschaften aufs Land geschickt wird. Sie weigert sich aber sich unterzuordnen und gibt ungefragt ihren Senf zu allem und beleidigt ihre Herren. Diese überhebliche Art von Seydoux sorgt für Komik und Witz, deren Figur ebenso viel einstecken muss wie sie austeilt. Gegen Ende bekommt ihre Rolle aber eine komische Wendung/überraschendes Ende und man versteht ihre Motivation nicht ganz. Trotzdem tolles Historienkino mit einer packenden Geschichte. (5.5/6)

VICTORIA (2015) von Sebastian Schipper

Der absolute Hammer: Spielfilm, der als Berliner Großstadt(liebes)geschichte beginnt und bei Bonny und Clyde endet, Sprachen deutsch und hauptsächlich englisch, Kamera ist Weltklasse: hauptsächlich Handkamera, hat daher manchmal einen dokumentarischen und beobachtenden Charakter, ein durchgehender Take, keine Schnitte, immer nah an den Figuren; Frederick Lau herausragend wie immer, er hat auch die besten Sprüche („Of course, i’m brave. Look at me!), Laia Costa  ebenfalls klasse, auch wenn ihre Figur mit zunehmender Länge wiedersprüchlich und unlogisch agiert, knackiger Anfang, gegen Ende dann doch etwas lang und zäh. Nichtsdestrotrotz: großes Lob und Anerkennung für einen tollen deutschen Film im Wettbewerb. (5/6 mit starker Tendendenz zur 5.5/6) → Langkritik

45 YEARS (2015) von Andrew Haigh

Dramen einer Ehe bzw. dem 45. Jubiläum einer Ehe, Kate und Geoffrey Mercer wollen eigentlich am Samstag ihr Jubiläum mit einer Party feiern, im Laufe der Woche kommt allerdings ein Geheimnis ans Licht, an dem Kate beinahe zerbricht. Anfangsszene: Klacken eines Diaprojektors, Film ähnlich aufgebaut wie eine Diashow: nach jedem Wochentag Schwarzblende, ständige Routine des Ehepaars wird permanent wiederholt und immer wieder gezeigt, dadurch in der Mitte etwas zäh, letzte Szene unglaublich toll, Charlotte Rampling und Tom Courtenay und auch der restliche Cast spielt außerordentlich gut. (4.5/6)

QUEEN OF THE DESERT (2015) von Werner Herzog

Verfilmung der Biografie von Gertrude Bell, einer Wissenschaftlerin, Politikerin und Dichterin, die sich für die Beduinen interessiert hat, Nicole Kidman ist toll, auch wenn sie nur zweite Wahl war (Naomi Watts hätte es werden sollen), die Chemie mit James Franco ist quasi nicht vorhanden (seine Rolle sollte ursprünglich von Jude Law gespielt werden), viel Wüstenbilder, viel Karawane, Robert Pattinson spielt Lawrence von Arabien (passt so gar nicht!!!), viele Zeitsprünge, viel Diplomatiegelaber, aber tolle Landschaften, Kostüme und Drehorte, vermittelt einen Hauch von Orient, Musik top. (4/6) → Langkritik

HAFTANLAGE 4614 (2014) von Jan Soldat

Dokumentarfilm über Menschen, die sich freiwillig in ein Gefängnis einsperren und foltern lassen. Erste Szene: Waterboarding. Nicht schön. Ich habe ja schon einen anderen Film von Jan Soldat gesehen und weiß, welche Themen er behandelt. Nach 15 Minuten gehen vereinzelt Leute. (Dafür das um S&M so ein rießen Hype gemacht wird – Stichwort: Fifty shades of grey – vertragen den Anblick manche dann doch nicht) Die meisten bleiben aber sitzen. Eine Mischung aus Faszination und Ekel, aber auch Unverständnis. (5/6) → Langkritik

DE CE EU? (2014) von Tudor Giurgiu

Spielfilm über einen ambitionierten Staatsanwalt, der einem älteren Kollegen Korruption nachweisen soll, aber so einfach ist es dann doch nicht, denn je mehr er in Erfahrung bringt, desto mehr Steine werden ihm in den Weg gelegt und er zweifelt am System, viel Arbeit mit Licht und Schatten, chronologische und auch ansonsten recht klassische Narration, Kontrast nach dem Intro: happy Anfang und Leiche (nicht mehr so happy), etwas langatmig, starker Fokus auf Gesichter, bleibt aber bis zuletzt spannend (4.5/6)

BRÛLE LA MER (2014) von Nathalie Nambot und Maki Berchache

Dokumentation über Flüchtlinge, die von Tunesien nach Paris geflüchtet sind, mit 75 Minuten Spielzeit viiiiiel zu lang, einschläfernd, monoton; will Flüchtlingen eine Stimme geben, Teilung zwischen Bild und Ton, Flüchtling als Voice-Over, dazu ruhige Landschaftsbilder, nach 30 Minuten zum ersten Mal ein Gesicht, Texte monoton vorgetragen (Regisseurin hat im Q&A dann gesagt, dass die Texte vorher aufgeschrieben waren und dann für den Film nochmal vorgetragen wurden, merkt man, sehr theatermäßig), eindeutig nicht mein Fall (2/6)

TRANSFORMERS: THE PREMAKE (2014) von Kevin B. Lee

Desktop-Videoessay über die Dreharbeiten von TRANSFORMERS: AGE OF EXTINCTION, hab ich schonmal gesehen, macht aber nix, ist trotzdem gut, beleuchtet die Hintergründe der Dreharbeiten, Lacher im Publikum, sogar vereinzelte Klatscher, zu Recht! (6/6)