Have courage and be kind!

Und wieder präsentiert uns Disney einen ihrer Klassiker als Realverfilmung. Doch während sich „Vorgänger“ MALEFICENT noch stark an der Zeichentrick-Version orientierte, interpretiert Regisseur und Shakespeare-Experte Kenneth Branagh den Cinderella-Stoff etwas freier. Keine „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“-Szene. Stattdessen ein intriganter Großherzog (Stellan Skarsgård), der mit der bösen Stiefmutter (Cate Blanchett) gemeinsame Sache macht, um den Prinz zu einer Heirat mit einer Adeligen zu zwingen. Das ist auch der Wunsch des Königs (Derek Jacobi). Der hat seine liebe Not mit seinem Sprössling (Richard Madden), der während einer Hirschjagd im Wald ein mysteriöses Mädchen getroffen hat und seitdem völlig von der Rolle ist. Er will das Mädchen wiederfinden und lädt kurzerhand alle Frauen zu einem pompösen Ball, auf dem er seine Zukünftige wiedersehen will. Blöderweise ist das Mädchen Ella (Lily James), die den Haushalt ihrer Stiefmutter Lady Tremaine samt der Stiefschwestern Drizella (Sophie McShera) und Anastasia (Holliday Grainger) in Ordnung hält. Als die Drei sie am Besuch des Balls behindern wollen, kommt die gute Fee (Helena Bonham Carter) ins Spiel und mischt die Karten neu.

Cinderella (Lily James) trifft im Wald auf Kit (Richard Madden) – © Disney

Wenn ein Film das Prädikat „typisch Disney“ verdient, dann ist es CINDERELLA. Der Film gibt dem Wort Opulenz eine völlig neue Bedeutung. Die prachtvollen Kostüme von Sandy Powell und das üppige Setdesign von Dante Ferretti sind einfach atemberaubend. Auch die Transformationen, vom Kürbis zur Kutsche, von der Gans zum Knutscher, machen optisch Spaß, auch wenn man den digitalen Tieren ihre Machart ansieht. Als netter Sidekick gibt es vier kleine Mäuse mit denen Ella sich unterhält und die manche Situationen auch mit ihrer Mimik und Gestik kommentieren. Als eine Stiefschwester auf dem Klavier spielt und grauenhaft dazu singt, halten sich die Mäuse die Ohren zu. Apropos Musik: der Soundtrack von Patrick Doyle unterstreicht die märchenhafte Grundstimmung und passt perfekt.

Die Gute Fee (Helena Bonham Carter) zaubert für Cinderella (Lily James) – © Disney

Das Voice-Over wird von Helena Bonham Carter übernommen, die sich später als gute Fee herausstellt und die Geschichte vorantreibt ohne zuviel vorwegzunehmen. Der Film stellt den Anspruch die Hintergrundgeschichten und Psychologie der Figuren stärker herauszuarbeiten. Dies gilt insbesondere für die unerschütterliche Ella sowie Lady Tremaine, die bereits eine gescheiterte Beziehung hinter sich hat, und sich deshalb auch prima mit dem Großherzog versteht, der Heiraten zur finanziellen Absicherung für ein adäqates Mittel hält. Allerdings ist es natürlich nicht möglich alle Figuren derart ausführlich auszuarbeiten. Hier und da lassen sich sogar populärkulturelle Referenzen erkennen. Lady Tremaine wirkt häufig wie eine Dance Mom, die aus ihren Töchtern das Beste herausholen will. Auch Fangirling in Form von hysterischem Winke-Winke ist beim Ball des Prinzen an der Tagesordnung. Die gute Fee, die den märchenhaften Swarovski-Glasschuh zaubert, sorgt mit der Aussage „I’m really good at shoes“ für eine Anspielung auf die (angeblich) schuhverrückte Frauenwelt.

Lady Tremaine (Cate Blanchett, Mitte) mit ihren Töchtern Anastasia (Holliday Grainger, links) und Drisella (Sophie McShera, rechts) – © Disney

Schauspielerisch tut sich keiner besonders hervor, aber im Team liefern alle eine gute Leistung ab. Cate Blanchett verlässt sich lieber auf ihre dreckige Lache als „Bösmacher“ anstatt die Bosheit ihrer Rolle noch stärker herauszuarbeiten. Lily James und Richard Madden sind optisch ein Traumpaar und mehr braucht es ja auch nicht. Leider wird Cinderellas Güte viel zu häufig betont. Den Spruch „Have courage and be kind.“, den sie von ihrer verstorbenen Mutter (Hayley Atwell) mitgegeben bekommen hat, wird immer und immer wieder wiederholt. Das braucht es nicht. Ein zweiter Schwachpunkt in der Story, betrifft die Szene, in der Prinz Ella fragt, wie sie heißt, sagt sie “Cinderella”, obwohl vorher deutlich gemacht wird, dass der Name eine abfällige Kreation ihrer Stiefschwestern war: Warum sollte sie sich also mit einem Schimpfwort vorstellen? Doch das ist wirklich Jammern auf hohem Niveau. Insgesamt ist CINDERELLA nämlich eine runde Sache und bietet Spaß für Jung und Alt, typisch Disney halt.

Zauberhaftes Märchen (5/6)

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