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Kritiken zu Filmen, Serien und NT Live-Übertragungen

Abenteuerfilm, Action, Science-Fiction

Jupiter Ascending (2015)

© Warner Bros. Pictures

Von Bienchen und einem Blümchenkleid

Selbst 170 Millionen Dollar und ein über 600 Seiten starkes Drehbuch machen noch keinen Hit. Die Wachowskis mussten den Start ihres Films auch noch verschieben, da die Special Effects noch nicht fertig animiert waren. Kurzum: Vor und nach dem Filmstart hörte man nur Schlechtes – und das zu Recht. Wie furchtbar es wird, lässt bereits die Story erahnen: Jupiter Jones (Mila Kunis), weder verwandt noch verschwägert mit den → drei Fragezeichen, führt ein unzufriedenes Leben. Zusammen mit ihrer Mutter säubert sie die exklusiven Villen der Reichen und Schönen. Als sie aus Geldgründen ihre Eierstöcke verkaufen will, wird sie in der Klinik von außerirdischen Wächtern beinahe getötet. In letzter Minute taucht der ehemalige Soldat Caine Wise (Channing Tatum) auf, der sie zunächst nicht zu dessen Auftraggeber Titus Aprasax (Douglas Booth) bringt, sondern zu seinem alten Kumpel Stinger (Sean Bean). Nachdem die Bienen in Stingers Garten plötzlich auf Jupiter reagieren, ist klar, dass es sich bei Jupiter um eine königliche Hohheit handelt. Jupiter ist völlig überfordert mit der Lage, lässt sich aber zu Kalique Aprasax (Tuppence Middleton) bringen. Die gehört zu einem außerirdischen Geschwister-Trio und erklärt ihr, sie sei das Ebenbild ihrer Mutter und habe aufgrund ihrer genetischen Signatur ein Anrecht auf die Erde, die sich gerne ihre Brüder Titus und Balem (Eddie Redmayne) unter den Nagel reißen würden. Die möchten die neu entdeckte Majestät deshalb natürlich schnellstmöglich loswerden.

Der Retter Caine Wise (Channing Tatum) – © Warner Bros. Pictures

Der Cast spielt unter seinen Möglichkeiten. Mila Kunis ist keine Protagonistin, mit der man mitleidet. In Kurzform bekommt man ihr Leben zusammengefasst und Aufnahmen von Mila im Bett gezeigt, die „Ich hasse mein Leben“ seufzt. Rational ist das zwar nachvollziehbar, aber auf der emotionalen Ebene packt ihre Darstellung zu keinem Zeitpunkt. Auch Channing Tatum als skatender Werwolf-Krieger und männlicher Love Interest hat außer einem nackten Oberkörper wenig zu bieten. Den absoluten Vogel schießt aber Oscar-Gewinner – und in diesem Fall muss man das echt betonen – Oscar-Gewinner Eddie Redmayne ab, der nicht außer- sondern unterirdisch spielt. Regelrecht grottig schlecht. Als Bösewicht taugt der sympathische Brite überhaupt nicht. Dafür gab es sogar eine goldene Himbeere als schlechtester Nebendarsteller. Die Kollegen von → Screenjunkies mutmaßten bereits, Redmayne müsse nach dieser Leistung wohl seinen Oscar für THE THEORY OF EVERYTHING wieder zurückgegeben.

Bösewicht Balem (Eddie Redmayne) – © Warner Bros. Pictures

Die Story selbst ist wenig plausibel. An einer Stelle im Film kämpft Channing Tatum mit einer sprechenden Dinosaurierechse.  Auch die Motivationen der Figuren sind häufig unausgegoren. Besonders Jupiter lässt sich zu leicht zu drastischen Maßnahmen wie das Entfernen ihrer Eierstöcke oder einer Heirat überreden. Es fehlt aber auch an grundsätzlichen Dingen wie dem Etablieren der filmischen Welt. Es ist selten klar, wo der Film spielt und welche gesellschaftlichen Konventionen dort herrschen. Besonders wird das am Beispiel der zerstörten Stadt Chicago deutlich. Caine behauptet Jupiter gegenüber, die Stadt würde von den intergalaktischen Mächten wieder aufgebaut werden. In der nächsten Einstellung sieht man ein gigantisches Hochhaus wieder unbeschädigt → in der Ferne stehen. Was für eine Welt ist das? Eine  Erden-Paralleluniversum? Welche physikalischen und gesellschaftlichen Regeln gelten dort? Welche Regeln gelten auf den außerirdischen Planeten? JUPITER ASCENDING eröffnet einen nicht endenwollenden Fragenkatalog. In Sachen Storytelling bedient man sich großzügig bei anderen Filmen wie die Verfolgungsjagd in Chicago, deren Straßenschluchten ja schon seit einiger Zeit von Michael Bays TRANSFORMERS-Reihe regelmäßig in Schutt und Asche gelegt werden. Auch typische Blockbuster-Klischees wie Waffen oder der Bösewicht, die aus dem Nichts auftauchen; der Bösewicht, der seinen bösen Plan erklärt, bevor er ihn in die Tat umsetzt oder die last minute-Rettung werden herauf- und heruntergebetet. Die Dialoge wirken gestelzt oder sind schlichtweg lachhaft („Bienen lügen nicht“). Zu den Pluspunkten zählen das Setdesign und die Kostüme. Auch die → intergalaktische Bürokratie ist ein netter Gag am Rande.  Alles in allem ist JUPITER ASCENDING aber überteuerter Trash.

(2/6)

Trailer: © Warner Bros. Pictures

  1. „Die Story selbst ist wenig plausibel“ – Allerdings. Ich habs nicht geschafft, mir den Film über die gesamte Laufzeit anzusehen.

  2. Nicht nur überteuert, sondern einfach nur s c h l e c h t. Ich frage mich, welche CEOs bei den Studios so viel Geld freigeben? Wird denn da nicht gelesen, was verfilmt werden soll? Gibt es kein Drehbuch vorab? Ich vermute, dass einfach nur mit Geld spekuliert wird. Erstaunlich wieviel Bonus die Wachowskis noch immer geniessen aufgrund des Erfolges durch die Matrix-Trilogie. Ich habe den Film gestern per Zufall auf SKY im Hotel wieder in Auszügen gesehen: ULTRA-Trash.

  3. Das Problem des Films ist – das rede ich mir zumindest ein -, dass die Wachowskis einfach einen ganz eigenen Blickwinkel auf alles haben. Matrix war damals einfach technisch bahnbrechend, zeichnet sich für mich aber bis heute mit seiner unglaublichen Komplexität aus. Die hat auch Jupiter Ascending, da bin ich mir sicher. Es steckt ja ein unglaublich ausgereiftes Universum dahinter, aber das Problem ist ganz einfach, dass Studios nicht einfach 200 Mio. in einen Stoff investieren, der eigentlich nicht für die Masse ist. Also wird die Story gekürzt, sodass mehr Platz für bildgewaltige Action bleibt – und die lockt ja immer noch die meisten Zuschauer ins Kino. Leider bleiben dabei aber nur noch Fetzen der eigentlichen Story – und das ist dem Verständnis natürlich nicht gerade zuträglich.

    Ich fand den Film auch schwach, bin mir aber sicher, dass die Wachowskis nur wenig dafür können. Ähnlich erging es ja auch Darren Aronofsky, der The Fountain ja als dreistündiges Epos geplant hat und das nicht finanziert bekam. Das Ergebnis sind einige interessante Anstöße, die aufgrund des Budgetmangels aber halt nie so ausgeführt wurden, wie sie von ihrem Macher eigentlich gedacht waren..

    • THE FOUNTAIN fand ich gar nicht mal so schlecht. Zu dem Film muss ich auch noch eine Kritik schreiben, aber ich muss ihn mir vorher auch nochmal anschauen. War schon etwas verwirrend. 😉

      • Ich fand ihn auch nicht schlecht, aber man konnte halt spüren, dass da einiges fehlt (und deswegen verwirrend ist). Aronofsky spricht gern mal unorthodox zum Publikum – und da kommt es halt aufs Detail an, das in diesem Fall eben fehlt.

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