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Kritiken zu Filmen, Serien und NT Live-Übertragungen

Drama, Science-Fiction, Thriller

Ex Machina (2015)

© Universal Pictures

Vom Zertrümmerer der Welten

„Da der Mensch durch langsame biologische Evolution beschränkt ist, könnte er nicht konkurrieren und würde verdrängt werden“ sagte Astrophysiker Stephen Hawking 2014 über künstliche Intelligenz (→ Artikel). Auch in Filmen wird die  Bedrohung durch Maschinen und Technik immer wieder thematisiert, interessanterweise fast ausschließlich im Actiongenre. In seinem Regiedebüt geht  THE BEACH-Autor Alex Garland neue Wege und hat einen intelligenten Psychothriller aus dem Stoff gemacht. Darin gewinnt der junge Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) die konzerninterne Angestelltenlotterie und darf eine Woche mit dem milliardenschweren CEO der Internetfirma Blue Book verbringen. Dieser wohnt zurückgezogen in einem technisierten Anwesen in Alaska. Nach anfänglichen Schwierigkeiten erklärt Nathan (Oscar Isaac) Caleb den eigentlichen Grund, warum er hier ist: er soll eine Maschine mit künstlicher Intelligenz (K.I.) treffen und einen →Turing-Test durchführen. Nathan hat nämlich im Keller seines Hauses auch Forschungslabore und einen Roboter namens Ava (Alicia Vikander). Caleb ist fasziniert von Ava, da sie sich zutiefst menschlich verhält, aber zeitgleich ganz offensichtlich eine Maschine ist. Ava und Caleb freunden sich an und Ava beginnt sogar mit Caleb zu flirten. Dieser wittert eine Finte und denkt, Nathan habe Ava darauf programmiert um ihn zu verwirren, was dieser abstreitet. Ava wiederum warnt Caleb, er solle Nathan kein Wort glauben, er sei nicht ehrlich. Im Laufe der Woche entwickelt sich eine spannendes Kräftemessen über Deutungshoheit, Bewusstsein, Intellekt, Wahrheit und Lüge.

© Universal Pictures

EX MACHINA gelingt, woran TRANSCENDANCE kläglich scheiterte: eine spannende Geschichte über künstliche Intelligenz zu erzählen, die das Für und Wider abwägt. Hier wird eine Vielzahl an Interaktionen und Verhältnissen thematisiert: Wie reagieren Menschen auf andere Menschen, auf Natur oder Maschinen? Und wie reagiert die Maschine auf Menschen, Natur und andere Maschinen? Gibt es überhaupt noch Unterschiede im Verhalten? Assoziationen zu Frankensteins Monster und Prometheus tauchen ganz automatisch unterschwellig auf. Philosophen und Wissenschaftler wie Robert Oppenheimer werden im Film zitiert: „[…] und ich bin der Tod geworden, Zertrümmerer der Welten.“ sagte dieser nach dem Bau der Atombombe. Der Vergleich erscheint auch nicht ganz falsch: Nathan und Caleb sehen in Ava die nächste Stufe der Evolution und damit auch die Gefahr durch die Maschinen ersetzt zu werden.  Während sich Nathan damit bereits abgefunden hat, ist Caleb zögerlicher. Obgleich in anderen Filmen recht schnell die Boshaftigkeit der Technik herauskommt, ist man hier wie Caleb von dieser K.I., die selbstverständlich nicht ohne Grund wie die erste Frau der Bibel heißt, bezaubert. Ihre direkte Art („Ist dein Status Single?“) sorgt schnell für Sympathien.

© Universal Pictures

Auch wenn es sich um ein vermeintlich trockenes Thema handelt, so enthält der Film auch einige Lacher, die fast ausschließlich Nathan liefert. „Egal wie reich man ist, irgendein Scheiß ist immer.“ sagt der genervt und tanzt kurz darauf mit der stummen Diener-K.I. Kyoko (Sonoya Mizuno) zu lärmender Diskomusik. Wohl die absurdeste, aber auch faszinierendste Szene des Films. Während Oscar Isaac, der Meister der optischen Verwandlung, das Alphatier gibt, nimmt sich Domhnall Gleeson, der Sohn von Brendan, sehr zurück, was sicherlich an der Ehrfurcht und Bewunderung für seinen Boss und dessen beeindruckender Luxuswohnung aus Glas, Holz und Fels liegt. Dadurch entsteht bereits ein Spannungsfeld, was durch Alicia Vikanders unnahbarer Ava eine zusätzlich komplizierte Komponente erhält. Das zwielichtige Trio sorgt schauspielerisch wie inhaltlich für spannende Momente. Kleinere Logiklöcher seien dem Film verziehen, denn er bringt den Zuschauer zum Nachdenken weit über den Film hinaus.

Intelligentes  Erstlingswerk (5.5/6)

Trailer: Universal

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