The Hack (2025)

Es gibt Skandale, die auch außerhalb des eigenen Landes Schlagzeilen machen. Einer dieser Fälle ist der Hacking-Skandal der englischen, inzwischen geschlossenen Boulevardzeitung „News of the World“. In THE HACK, der siebenteiligen Mini-Serie von Drehbuchautor Jack Thorne und Regisseur Lewis Arnold wird die Enthüllung des Falls noch einmal fiktional aufbereitet. Im Dezember 2008 bekommt Nick Davies (David Tennant), freier Reporter beim Guardian, einen anonymen Tipp: Die Sonntagszeitung „News of the World“ hört illegal Handys ab und steckt dabei mit der Polizei unter einer Decke. Schnell stößt Davies auf Andy Coulson (Mark Stobbart), den früheren Chefredakteur des Boulevardblatts aus Rupert Murdochs Medienimperium. Coulson hat nach einem ersten Skandal seinen Hut nehmen müssen, arbeitet inzwischen aber als Medienberater der Konservativen unter David Cameron. Die Redaktionsleitung beteuert, ein einzelner korrupter, längst verurteilter Journalist trage allein die Schuld. Davies aber glaubt das nicht. Er überzeugt seinen Chef und Freund Alan Rusbridger (Toby Jones) und stürzt sich in hochriskante Recherchen, während die übrige Presse schweigt und Scotland Yard mauert. Parallel dazu ermittelt DCS Dave Cook (Robert Carlyle) in einem ungelösten Mordfall, der verdächtig nah an dieselben Strukturen heranreicht.

Szenenbild aus THE HACK - Nick Davies (David Tennant) und Alan Rusbridger (Toby Jones) - © ITV
Nick Davies (David Tennant) und Alan Rusbridger (Toby Jones) – © ITV

Based on true events

Der News-International-Skandal hat nach sieben aufeinanderfolgenden Ermittlungen in vierzig Verurteilungen gemündet und am Ende das auflagenstärkste Boulevardblatt des Murdoch-Imperiums zu Fall gebracht. Die Verfahren haben offengelegt, wie skrupellose Journalisten mit korrupten Polizisten und Politikern gemeinsame Sache gemacht haben. Es wird aber auch öffentlich, dass Journalisten nicht nur Sport- und Schauspielstars, sondern auch Privatpersonen, wie Angehörige von Mordopfern oder verstorbenen Soldaten, systematisch über deren Voicemails an private Informationen ausgehorcht haben. David Tennant, der hier den Journalisten Nick Davies spielt, ist seinerzeit selbst Opfer der Abhöraktion von „News of the World“ gewesen. Jack Thorne, der Autor der Netflix-Serie ADOLESCENCE und des Theaterstücks THE MOTIVE AND THE CUE, erinnert sich dieses Skandals mit einer Serie, die komplex und über weite Strecken packend erzählt. Die Komplexität wird THE HACK aber an einigen Stellen zum Verhängnis.

Szenenbild aus THE HACK - Nick Davies (David Tennant) - © ITV
Nick Davies (David Tennant) untersucht den Hacking-Skandal. – © ITV

Erstklassig besetzt

Castingtechnisch ist die Serie wirklich fantastisch besetzt. David Tennant spielt den Journalisten Nick Davies in einer fantastischen Mischung aus blindem Aktionismus und enttäuschter Resignation. Seine Figur durchbricht obendrein mit Humor die vierte Wand und erklärt in direkter Ansprache an das Publikum die komplexen Sachverhalte des ganzen Falls. In einzelnen Szenen sind auch einzelne Namen zensiert (passenderweise mit schwarzen Balken über den Mündern), aber Tennant erklärt auch gleich warum. Beispielsweise ist es der Name seines Sohnes und den verrät er nicht. Gerade im direkten Zusammenspiel mit Toby Jones als dessen Chef kann Tennant aufspielen. Jones legt vor, und Tennant versenkt dann den Treffer. Im direkten Kontrast zum eher energiegeladenen Duo spielt Robert Carlyle seinen Ermittler mit stoischer Miene und einem unerschütterlichen Glauben, dass am Ende die Bösen ihre gerechten Strafen bekommen werden. Das Ensemble trägt die Serie auch dann, wenn die Erzählung ins Schlingern gerät.

Szenenbild aus THE HACK - DCS Dave Cook (Robert Carlyle) - © ITV
DCS Dave Cook (Robert Carlyle) – © ITV

Eine Narration, so bunt und überladen wie eine Boulevardzeitung

Denn die Narration hat so ihre Probleme. THE HACK springt von Episode zu Episode zwischen Nick Davies und Dave Cook hin und her. Episode 1 dreht sich um Davies, Episode 2 um Cook, Episode 3 wieder um Davies. Wozu diese Zweiteilung gut sein soll, erschließt sich nicht ganz. Die Showrunner nehmen ihr Publikum nicht besonders behutsam an die Hand. Davies‘ Strang ist ein Polit-Thriller, Cooks Handlung eher die Aufarbeitung eines Kriminalfalls. So ganz fügt sich das nicht zu einem stimmigen Gesamtbild zusammen. Überhaupt wirkt die Geschichte aufgrund der Vielzahl an beteiligten Personen etwas aufgeblasen und verwirrend. Ich habe zunehmend Mühe gehabt, die vielen beteiligten Personen auseinanderzuhalten. Dass Davies das Publikum direkt anspricht und Blickkontakt mit dem Zuschauer aufnimmt, ist auf der einen Seite aufregend und sorgt dafür, dass man sich als Zuschauer deutlich stärker eingebunden fühlt als bei anderen Serien. Der Haken ist aber, dass Cook diesen Stil nicht übernimmt, obwohl ihm die Geschichte eine gleichwertige Rolle zuschreibt. So bleibt die eine Hälfte der Serie vertraulich und nah, die andere auf Distanz.

THE HACK ist eine kluge, hervorragend gespielte und thematisch hochrelevante Serie, die sich an der eigenen Narration etwas verhebt. Wer sich auf die verschachtelte Struktur einlässt oder zumindest Gefallen am grandios aufspielenden Schauspielensemble hat, bekommt hier ein spannendes Stück jüngerer Mediengeschichte erzählt.

THE HACK ist aktuell in der ARTE-Mediathek zu sehen. (Stand: 17.06.2026)

7/10

Bewertung: 7 von 10.

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