Folksänger Llewyn Davis (Oscar Isaac) ist zwar jung und talentiert, kommt aber auf keinen grünen Zweig. Im Winter 1961 ist er permanent auf der Suche nach einer Couch oder Matratze, auf der er übernachten kann. Zwischendurch schwängert er immer mal wieder ein Mädchen, zuletzt Jean (Carey Mulligan), der er nun die Abtreibung finanzieren muss. Besonders dumm: Jean ist die Lebens- und Gesangspartnerin seines besten Freundes Jim (Justin Timberlake), ebenfalls Musiker, den er regelmäßig um ein paar Dollar anbettelt. Zu allem Unglück ist Llewyn auch noch die Katze eines ihm wohlgesinnten Ehepaars entlaufen, auf die er eigentlich hätte aufpassen müssen. In der einen Hand einen Gitarrenkoffer, in der anderen eine Katze. So trifft er auf den drogensüchtigen Musikproduzenten Roland Turner (John Goodman), der ihn nach Chicago mitnimmt. Dort möchte Llewyn beim legendären Musikproduzenten Bud Grossman (F. Murray Abraham) sein Glück versuchen. Aber auch dieser Versuch ist nicht von Erfolg gekrönt.

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Ein Auftritt im New Yorker Gaslight Cafe im Jahr 1961 rahmt die eigentliche Handlung über den Werdegang des erfolglosen Protagonisten Llewyn Davis ein. Für Regie und Drehbuch waren Joel und Ethan Coen zuständig, die man von Filmen wie No Country for old man oder True grit kennt. Als lose Vorlage für Llewyn Davis wählten sie den amerikanischen Folksänger Dave van Ronk, der 2002 verstarb. Heimlicher Star des Films ist die Katze. Sie hat teilweise sogar ganz menschliche Züge, wenn sie aus dem Fenster schaut, Namen von U-Bahn-Stationen „liest“ und im selben Moment aufschaut als Llewyn. Dieser wird glaubhaft von Oscar Isaac verkörpert, der den Zuschauer nicht nur mit einem starken Auftritt verzaubert, sondern auch mit seiner markanten Singstimme. Auch Carey Mulligan, von der man spätestens seit ihrem „New York New York“-Auftritt in SHAME weiß, dass sie fantastisch singen kann, überzeugt als Sängerin Jean. Sie flucht und beschimpft Llewyn und flippt aus, weil er sein Leben nicht auf die Reihe bekommt. Kaum steht sie aber als Sängerin auf der Bühne sieht man eine eher biedere, schon fast schüchterne Frau. Dieses Spannungsfeld verkörpert Mulligan außerordentlich gut.
Der Einzige, der so gar nicht in das ganze Geschehen passen will, ist Justin Timberlake. Singen kann er zwar, wirkt aber einfach fehl am Platz und ist glücklicherweise nicht all zu oft im Bild. Apropos Gesang und Musik: Für Freunde der Folkmusik ist dieser Film ein wahres Freudenfest. Alle Lieder werden ausgespielt. Das sollte man vielleicht im Vorfeld wissen, wenn die eigenen Präferenzen vielleicht woanders liegen. Meistens handelt es sich bei den Liedern um Ohrwürmer, die man teilweise auch schon kennt wie z.B. → 500 miles oder die in verschiedenen Versionen (accapella/mit Begleitung) zu hören sind.  Auf der narrativen Ebene ist es zwar zu keinem Zeitpunkt langweilig, aber es fehlt irgendetwas. Vielleicht eine Entwicklung oder Transformation der Hauptfigur. Vielleicht mehr Witz. Oder mehr Storytiefe. Der Zuschauer ist nämlich nach dem Film genauso schlau wie vorher.

Schöne Musik, tolle Darsteller, aber irgendetwas fehlt (4.5/6)

Trailer: © Studiocanal