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Kritiken zu Filmen, Serien und NT Live-Übertragungen

Action

Crank (OmU, 2006)

© Universum

Sinnlos-Action, aber gut gemacht

Nach den schlechten Seherfahrungen in letzter Zeit hatte ich mal richtig Lust auf einen Film, bei man nicht denken muss. Einer, der eine völlig abgedrehte Handlung hat. Jason Statham lachte mich aus meinem DVD-Regal an. Gut, er lachte nicht. Jason Statham lacht nie. Er ist schließlich ein harter Hund, er muss ernst gucken. Aber ich grinste zurück. CRANK hatte ich vor Jahren schonmal gesehen und wenn sich eine Szene in mein Gedächtnis gebrannt hat, dann ja wohl die Sexszene. Keine Sorge, auf die werde ich später noch zu sprechen kommen. Zunächst zur Handlung: Der Auftragskiller Chev Chelios (Jason Statham) wird von seinem Widersacher Ricky Verona (Jose Pablo Cantillo) in seiner eigenen Wohnung niedergeschlagen und vergiftet – aus Rache, weil er einen chinesischen Triadenboss umgebracht hat. Mittels einer DVD teilt ihm Verona mit, dass er aufgrund des Drogencocktails nicht mehr lange zu leben hat. Chev macht sich sofort auf die Suche nach Verona und bemerkt, dass sich sein gesundheitlicher Zustand durch Stress und Adrenalinausschüttung kurzzeitig verbessert. Von unterwegs versucht er den Arzt Miles (Dwight Yoakam) zu erreichen, der ihm versucht mittels Ferndiagnose zu helfen, da  er auf dem Rückflug nach L.A. ist. Chev bittet seinen Boss Carlito (Carlos Sanz) um Hilfe, doch der verweigert ihm diese. Durch seinen guten Freund Kaylo (Efren Ramirez) kann Chev zwar nicht Verona finden, aber dessen Bruder, den er kurz darauf tötet. Als Ricky davon erfährt, will er aus Rache Chevs Freundin Eve (Amy Smart) töten. Doch Chev ist bereits vor Ort um sie zu retten. Blöderweise hat er Eve über seinen Beruf angelogen, was dazu führt, dass er nicht nur sein eigenes Leben, sondern auch seine Beziehung und das Leben seiner Freundin retten muss.

Chev (Jason Statham) – © Universum

Mal Fünfe gerade sein lassen

Es gibt Actionfilme, bei denen ich streng bin und alle Logiklöcher in meiner Kritik aufzähle. Das werde ich hier nicht tun, denn CRANK nimmt sich selbst nicht besonders ernst, also sollte ich das auch nicht tun. Die Charaktere sind allesamt Stereotype: der chinesische Drogenboss, der Auftragskiller mit seiner verplanten Freundin, für die er natürlich das Geschäft hinter sich lassen will… Feministische Filmkritikerinnen würden sicherlich die Reduzierung der Frau auf „hübsches Beiwerk“ bzw. als Arbeiterin (in diesem Fall Näherin) monieren und alle anderen würden sich über die Logiklöcher aufregen. Das stimmt zwar alles, aber CRANK ist einer dieser Filme, wo es egal ist. Denn der Film macht einfach einen rießen Spaß. Dies liegt nicht nur an der abgedrehten Story, die der gesamte Cast ausgesprochen gut verkauft, sondern besonders an Kamera, Musik/Ton und Schnitt. Die Kamera ist immer mal wieder aus der Ich-Perspektive. Dadurch können auch die Symptome von Chevs Krankheitsverlauf dargestellt werden und gleichzeitig fühlt man mit dem Protagonisten mit. Die Musik (z. B.“Achy Breaky Heart“ vom Papa von Miley Cyrus) und die schnellen Schnitte sind zum Teil auch Referenzen an Filme wie EASY RIDER und Computerspiele im Allgemeinen. Neveldine und Taylor schaffen eine ganz eigene Bildsprache, die mitreißt und begeistert.

Chev (Jason Statham) und Eve (Amy Smart) – © Universum

Überleben mit Zynismus und harten Argumenten

Der Film thematisiert einen Überlebenskampf. Während das in anderen Filmen zu dramatischen „Was wäre, wenn…“ oder → „Könnte ich doch nur noch einmal…“-Monologen führen würde, ist  das bei Chev kein Thema. Er ist immer unterwegs. Es bleibt gar keine Zeit zum philosophischen Reflektieren. Es geht darum die wenige Zeit, die man noch hat, sinnvoll zu verbringen. Zum Beispiel mit Sex in aller Öffentlichkeit. Die Szene ist derart absurd und doch passt es zum Überlebenswillen der Hauptfigur. Die Figur des Chev reagiert auf die lebensbedrohlichen Umstände mit Witz und Zynismus, den Jason Statham derart trocken bringt, dass man nur lachen kann. Der Humor bedient auch in Teilen Stereotype und Vorurteile, wenn er etwa auf einen Taxifahrer deutet und mehrfach „Al Kaida“ brüllt, sodass sich die Passanten auf den Fahrer stürzen und er mittels Taxi entkommen kann. In anderen Filmen würde man das vielleicht geschmacklos finden, hier passt es gut zum Ton des Films. Alle Figuren sind in irgendeiner Form abgefucked. Sie stecken in einer Spirale aus Sex, Macht und Gewalt. Ein Leben wird schnell wertlos, wenn es einem nicht mehr nutzt. Und doch lacht man mit und über Chelios und begleitet ihn auf seinem Rachefeldzug.

(5/6)

Trailer: © Universum

  1. Der hat wirklich einen extrem hohen Unterhaltungswert! Und den Mut, der dort stellenweise aufgebracht wurde (wie eben mit der Sexszene), rechne ich den Macher hoch an, weil sie nicht als bloßes Schockmoment dient, sondern sinnvoll platziert ist.

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