Avatar: The Way of Water (2022)

Auf THE WAY OF WATER hatte ich wirklich Lust. AVATAR hat mir damals sehr gefallen und daher war klar, dass ich auch 13 Jahre später wieder ins Kino renne. Auf Pandora ging das Leben weiter. Mehr als zehn Jahre nach den Ereignissen des Vorgängerfilms haben Jake (Sam Worthington) und Neytiri (Zoe Saldana) eine Familie gegründet. Diese umfasst ihre Kinder Neteyam (Jamie Flatters), Lo’ak (Britain Dalton) und Tuktirey (Trinity Bliss), den adoptierte Menschenjungen Miles, der aber von allen „Spider“ genannt wird (Jack Champion), und die adoptierte Teenagerin Kiri (Sigourney Weaver). Die Resources Development Administration (RDA) unter Führung von General Ardmore (Edie Falco) kommen mit noch mehr Militär nach Pandora zurück um die Ressourcen des Planeten auszubeuten und die Na’vi-Stämme auszurotten. Die Familie sieht sich gezwungen ihr Zuhause im Wald zu verlassen und beim Na’vi-Stamm der Metkayina Zuflucht zu suchen, der an den Küsten lebt und von der schwangeren Ronal (Kate Winslet) und ihrem Mann Tonowari (Cliff Curtis) angeführt wird.

Szenenbild aus AVATAR: THE WAY OF WATER - Jake (Sam Worthington) und Neytiri (Zoe Saldaña) müssen fliehen. 
Photo courtesy of 20th Century Studios. © 2022 20th Century Studios. All Rights Reserved.
Jake (Sam Worthington) und Neytiri (Zoe Saldaña) müssen fliehen. – © 2022 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Visuelles Meisterwerk

THE WAY OF WATER ist ein visuelles Spektakel. Wer bereits einen oder mehrere Trailer zu diesem Film gesehen hat, wird sehen wie fantasiereich die Welt von Pandora gestaltet ist. Insbesondere im Mittelteil als Jake und seine Familie die Unterwasserwelt erkunden, erinnern die Bilder stark an eine Naturdokumentation. Bei AVATAR saß ich damals wirklich mit offenem Mund im Kino und habe diese völlig neue Welt bestaunt. Ich finde es einigermaßen verblüffend, dass Regisseur James Cameron mit dem zweiten Teil auch 13 Jahre später wieder den gleichen Effekt bei mir auslösen konnte. Wieder saß ich da und war hellauf begeistert von den tierischen Küstenbewohnern, dicht bevölkerten Korallenriffen und den bildgewaltigen Kämpfen zwischen den Menschen und den Na’vi.

Szenenbild aus AVATAR: THE WAY OF WATER (2022) - Ronal (Kate Winslet) und Tonowari (Cliff Curtis) -  © 2022 20th Century Studios. All Rights Reserved.
Ronal (Kate Winslet) und Tonowari (Cliff Curtis) – © 2022 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Kinofilm deluxe

Der Film wird in manchen Szenen in doppelter Bildrate gezeigt. Der Standard von 24 Bildern pro Sekunde wird hier verdoppelt. Ich habe den Film in 2D mit Dolby Atmos gesehen und man sieht den Unterschied wirklich. Allerdings ist das genau auch das Problem. Nicht der gesamte Film ist in 48 Bildern pro Sekunde gefilmt, sondern nur punktuell. In 2D sieht man die Unterschiede wirklich stark, was man durchaus als Manko anführen kann, weil man hier spürt, dass der Film doch sehr auf 3D ausgelegt ist. Dolby Atmos hingegen macht mit diesem Film wirklich großen Spaß. Wenn etwa ein überdimensionales Schiff auf die Wasseroberfläche kracht und der Bass die Kinosessel zum Wackeln bringt, hilft das sehr, in die Geschichte einzutauchen.

Szenenbild aus AVATAR: THE WAY OF WATER - Quaritch (Stephen Lang) brieft seinen Avatar. - © 2022 20th Century Studios. All Rights Reserved.
Quaritch (Stephen Lang) brieft seinen Avatar. – © 2022 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Und doch verschenktes Potenzial

Während die Familie Sully mit all ihren Mitgliedern wirklich sehr ausführlich und dreidimensional daherkommt, wurde anderswo gespart. Die beiden Charaktere, die für mich am meisten verschenktes Potenzial darstellen, sind Antagonist Miles Quaritch (Stephen Lang) und der Menschenjunge Spider (Jack Champion). Die Probleme, die ich mit beiden Charakteren hatte, sind aber unterschiedlich. Das Problem bei Quaritch ist eine fehlende Charakterentwicklung. Die „Himmelsmenschen“ haben mit der DNA des verstorbenen Quaritch einen Na’vi-Soldaten erschaffen, der zudem auch mit den Erinnerungen seines Gen-Gebers ausgestattet ist und deshalb Jake ebenfalls hasst. Hier hätte man wunderbar eine Vielschichtigkeit einbauen können. Der Na´vi-Quaritch sagt auch in einer Szene, man wolle sich von nun an den Na´vi anpassen um möglichst wenig aufzufallen. Hier hätte man der Figur eine Charakterentwicklung zugestehen können. Zum Beispiel, dass er aufgrund dieser Anpassung vielleicht auch seine eigene Motivation oder Existenz hinterfragt. Dazu kommt es aber nicht.

Szenenbild aus AVATAR: THE WAY OF WATER (2022) - Spider (Jack Champion) and Kiri (Sigourney Weaver) verteidigen sich. - © 2022 20th Century Studios. All Rights Reserved.
Spider (Jack Champion) and Kiri (Sigourney Weaver) verteidigen sich. – © 2022 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Mensch = böse, Indigenes Volk = gut

Spider finde ich grundsätzlich eine interessante Figur, da er eigentlich das Beste aus beiden Welten sein müsste. Er ist ein Mensch, aber kann gleichzeitig die Sprache der Na’vi und kennt ihre Gebräuche. Doch das Drehbuch gestattet ihm keine Sonderrolle, sondern lässt ihn konsequent dumme Entscheidungen treffen, damit die Geschichte irgendwie weitergeht. Auf Twitter habe ich von einem Kinobesucher gelesen, dass Spider der „Jar Jar Binks des Avatar-Universums“ sei und so ganz falsch ist das nicht. Die Menschen auf Pandora sind grundsätzlich alle machthungrig, profitorientiert und böse. Man hätte natürlich auch mal komplexe Fragen aufwerfen können, ob die Menschen nicht auch gute Gründe haben, warum sie überhaupt auf Pandora gelandet sind. Nachdem, was man bislang vom Avatar-Universum weiß, ist das Leben auf der Erde nicht mehr besonders lebenswert, was dazu geführt hat, dass sie in Pandora nach Ressourcen suchen. Dass aber wirklich alle menschlichen Figuren derart unreflektiert ihre Invasion kommentieren, ist eine große Schwäche des Drehbuchs.

Szenenbild aus AVATAR: THE WAY OF WATER (2022) - Kiri (Sigourney Weaver) schaut sich ein Video von Dr. Grace Augustine (Sigourney Weaver) an. - © 2022 20th Century Studios. All Rights Reserved.
Kiri (Sigourney Weaver) schaut sich ein Video von Dr. Grace Augustine (Sigourney Weaver) an. – © 2022 20th Century Studios. All Rights Reserved.

Ungeklärte Fragen

Man merkt THE WAY OF WATER an vielen Stellen an, dass er bewusst Fragestellungen nicht beantworten mag. Zum einen gibt es da Kiri, die eine Tochter von Dr. Grace Augustine (Sigourney Weaver) aus dem Vorgänger ist und besondere Fähigkeiten besitzt. Diese werden von ihren Zieheltern weitestgehend ignoriert. Zudem ist auch die pure Existenz von Kiri ein Mysterium, da Grace ersten Teil nicht sichtbar schwanger war. Aber auch die Tatsache, dass viele Figuren das Filmende überleben, denen ein Filmtod gut zu Gesicht gestanden hätten, lässt weiter Raum für Möglichkeiten. Auch wenn Cameron Lust auf den dritten Teil, für den auch schon einzelne Szenen gedreht wurden, machen möchte, finde ich, muss der Film auch als eigenständiges Werk funktionieren und das gelingt so natürlich nicht. Nichtsdestotrotz hatte ich eine gute Zeit im Kino und ich würde den Film auch noch ein zweites Mal sehen.

8/10

Bewertung: 8 von 10.
Trailer: © Avatar

2 thoughts on “Avatar: The Way of Water (2022)

  1. I recently went to see „Avatar 2: The Way of Water“ at the cinema and I completely agree with you. The film is a masterpiece; it perfectly builds on the first one and the new story in the water world is literally breathtaking. If you don’t watch the film in 3D, it’s your own fault. The 3D effect made me feel like I was right in the middle of the action, but it wasn’t overwhelming. Everything looked so realistic and vibrant. It was very heartwarming to see that Jake has a family. I was on the edge of my seat during the fights with his children by his side.. You are completely right about your opinion of the film. I’m glad there is someone else who shares my view. I can’t wait for the third installment.

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