Filme über das Kochen gibt es im Mainstreamkino nicht so viele. JULIE & JULIA und CHOCOLAT fallen mir ein. Maximal ein, zwei Filme pro Jahr, die es dann  über den großen Teich schaffen. Einer dieser Filme, die es 2015 auf die Leinwand geschafft haben, war das Herzensprojekt von Jon Favreau, in dem er auch die Hauptolle spielt: CHEF (oder im Deutschen: KISS THE COOK: SO SCHMECKT DAS LEBEN). Als Spitzenkoch Carl Casper steckt er in einer kulinarischen Sackgasse.

Szenenbild aus CHEF - KISS THE COOK - Carl (Jon Favreau) und Kumpel Martin (John Leguizamo) am Foodtruck - © Koch Films

Carl (Jon Favreau) und Kumpel Martin (John Leguizamo) – © Koch Films

Obwohl er sich gerne mehr kreativ austoben möchte, lässt das der kontrollsüchtige Restaurantbesitzer (Dustin Hoffman), bei dem er angestellt ist, nicht zu. Als kurz darauf der Restaurantkritiker Ramsey Michel (Oliver Platt)  das Essen von Casper öffentlich zerreißt, gerät Carl in eine Krise. Er findet sich kurz darauf in Miami wieder. Zusammen mit seinem Sohn (Emjay Anthony) und Koch-Kollege Martin (John Leguizamo) betreibt er einen Food-Truck. Hier kann er sich ganz kreativ entfalten. Außerdem bringt ihn das wieder mit Percys Mutter, Carls Ex-Frau Inez (Sofía Vergara), zusammen. Carl fährt mit seinem Food-Truck von Miami nach L.A. um dort zu zeigen, dass seine ausgefallenen Kreationen das Publikum begeistern können.

Chefsache

Der eigentlich als Indie-Regisseur gestartete Favreau hatte  mit der Regie der ersten beiden IRON-MAN-Filme seinen Durchbruch. Die „Marvel-Connection“ merkt man auch in CHEF, denn mit Scarlett Johansson und Robert Downey Jr. tauchen recht prominente Gesichter des MCUs in den Nebenrollen auf.

Szenenbild aus CHEF - KISS THE COOK - Martin (John Leguizamo), Percy (Emjay Anthony) und Carl (Jon Favreau) kochen - © Koch Films

Martin (John Leguizamo), Percy (Emjay Anthony) und Carl (Jon Favreau) kochen – © Koch Films

Einige Kritiker sahen in dem Film auch eine Allegorie auf Favreaus Regiekarriere, weil er mit seinem vorherigen Film COWBOYS & ALIENS grandios an den Kinokassen gescheitert war und hier – wie auch seine Figur im Film – wieder zu seinen Wurzeln zurückkehrt. Favreau hat dieser Interpretation immer widersprochen. Dennoch merkt man ihm und damit auch seiner Rolle an, dass ihm die Geschichte wirklich am Herzen liegt. Nicht nur in den leidenschaftlichen Momenten, wenn Carl etwa den Restaurantkritiker lautstark darüber aufklärt, dass an dessen Urteil ganze Existenzen hängen,  sondern auch in den ruhigen Momenten wie etwa mit Sohn Percy punktet Favreau.

Food-Porn – The Movie

Das „Siegel“ Feelgood-Film ist mittlerweile zum Synonym für Komödien ohne Höhe- oder Wendepunkte geworden. Dem wird CHEF nicht ganz gerecht. Klar, CHEF ist eine lineare Geschichte ohne unerwartete Momente. Vater und Sohn haben sich entfremdet und finden durch eine gemeinsame Reise bzw. Hobby zueinander.

Szenenbild aus CHEF - KISS THE COOK - Inez (Sofía Vergara) und Carl (Jon Favreau) tanzen - © Koch Films

Inez (Sofía Vergara) und Carl (Jon Favreau) – © Koch Films

Das ist nicht neu, dass hatte man auch schon in Filmen wie REAL STEEL oder NEBRASKA gesehen. Und dennoch legt sich innerhalb kürzester Zeit ein wohliger Filter auf das Gemüt. Dies liegt zum einen an einem sonnigen Soundtrack voller kubanischer Lebensfreude und zum  anderen an einem grandiosen Cast. Jon Favreau konnte neben Dustin Hoffmann, Robert Downey Jr. und Scarlett Johannson auch Sofía Vergara als seine Filmfrau gewinnen. So rein optisch passt Letztere nicht ganz ins Bild. In eleganten Kleidern und hochhackigen Schuhen bildet sich das optische Gegenstück zum fülligen Gourmetkoch. Am Ende geht die Geschichte ein bißchen zu gut aus, aber das macht nichts. Der Film lebt von seinen herrlich geerdeten Charakteren, einem netten Road-Trip, dem fantastischen Soundtrack und ganz ganz viel Food-Porn. Vier von fünf Sternen.

5/6 bzw. 8/10

Trailer: © Koch Media