Tribes of Europa – 1. Staffel (2021)

„Hast du eigentlich schon TRIBES OF EUROPA“ gesehen?“ fragte neulich der Kollege. „Nein, hab den Trailer gesehen und ich werde mir das auf keinen Fall anschauen. Das ist ja grauenhaft.“ „Gib der Staffel ruhig eine Chance. Man braucht ein bißchen um reinzukommen. Ich fand’s grandios. Aber vielleicht bin ich da auch befangen. Ich kenne einen der Schauspieler.“ Lohnt sich also doch ein Blick? Um das ein für alle mal zu klären, habe ich mich durch die sechs Folgen der ersten Staffel gekämpft. Die Handlung spielt im Jahr 2074. Nach einem Blackout ist Europa in unzählige Mikro-Staaten zerfallen. Einige Stämme („Tribes“) kämpfen um die Vorherrschaft auf dem Kontinent. Die Geschwister Kiano (Emilio Sakraya), Liv (Henriette Confurius) und Elja (David Ali Rashed) zählen zum Stamm der Origines, die fernab der Zivilisation im Wald leben. Unerwartet geraten die Origines zwischen die Fronten eines Krieges, als in der Nähe ihres Dorfes ein Raumschiff abstürzt. Die Geschwister bergen einen mysteriösen Würfel aus dem Wrack, doch schon kurz darauf taucht eine Kriegerin der „Crows“ bei ihnen auf, um ihnen den Cube zu entreißen. Kiano, Liv und Elja werden nach dem Angriff auf ihr Dorf getrennt.

Szenenbild aus TRIBES OF EUROPA - 1. Staffel - Liv (Henriette Confurius), Elja ((David Ali Rashed) und Kiano (Emilio Sakraya) - © Netflix
Die Geschwister Liv (Henriette Confurius), Elja (David Ali Rashed) und Kiano (Emilio Sakraya) – © Netflix

Science-Fiction aus Deutschland

Zunächst mal möchte ich betonen, wie toll es ist, dass deutsche Stoffe auch mal aus anderen Genres realisiert werden als den typischen Kriminalfilmen und Romcoms. Da helfen sicherlich auch die Finanziers von Netflix, die weniger an den deutschsprachigen, sondern an den internationalen Markt denken. Und das Geld sieht man TRIBES OF EUROPA auch an. Der Produktionsaufwand kann sich durchaus sehen lassen. Die Dreharbeiten in der Tschechischen Republik und Kroatien fanden auch größtenteils an Originalschausplätzen statt. Den digital erstellten Objekten sieht man das leider zu häufig an, dass sie „nicht echt“ sind. Die Special Effects sind insgesamt etwas durchwachsen. Hervorheben muss man noch die Kostüme von Thomas Oláh, der sich hier richtig austoben durfte. Alle Stämme haben eine gewisse Optik und lassen sich anhand der Farbe der Kleidung leicht erkennen: die Crows tragen fast ausschließlich schwarz, die Origines Erdtöne und die Crimsons Tarnmuster. Für Zartbesaitete ist die Serie jedenfalls nichts: in den zahlreichen Actionsszenen wird relativ blutig gemordet. Auch eine Vergewaltigungsszene gibt es zu sehen.

Szenenbild aus TRIBES OF EUROPA - 1. Staffel - Die Crimsons - © Netflix
Die Crimsons – © Netflix

Künstliche Dialoge

Ich habe TRIBES OF EUROPA mit dem gleichen Gefühl geschaut, wie wenn ich ein Trash-TV-Format anschauen würde. Diese ambivalente Mischung aus „eigentlich ist das doch Schrott, warum schaue ich mir das an?“ und „ist aber auch irgendwie spannend, ich will wissen, wie es weitergeht.“ Besonders sauer aufgestoßen ist mir die Sprache, die einfach unfassbar künstlich wirkt. Ich habe tatsächlich am Anfang auch mal auf die englische Sprachausgabe umgeschalten, in der Hoffnung, dass es besser klingt. Hat aber leider auch nichts geholfen. Irgendwann habe ich die gekünstelten und teilweise auch unnötig langen Namensbezeichnungen („Kiano von den Origines“) einfach nur noch hingenommen. Nach den ersten drei Folgen fiel mir das gar nicht mehr so negativ auf – frei nach dem Motto „It’s not a bug, it’s a feature“.

Szenenbild aus TRIBES OF EUROPA - 1. Staffel - Moses (Oliver Masucci) und Elja (David Ali Rashed) - © Netflix
Moses (Oliver Masucci) und Elja (David Ali Rashed) – © Netflix

Durchwachsenes Schauspiel

Und auch das Ensemble, das die hölzernen Worte spricht, liefert bisweilen recht unterschiedlich gute schauspielerische Leistungen. SchauspielerInnen mit langjähriger Schauspielerfahrung wie Oliver Masucci, Melika Foroutan oder Henriette Confurius liefern trotz gruseliger Dialoge eine solide Leistung ab. Den jüngeren DarstellerInnen sieht man die Unerfahrenheit aber häufig noch an. Emilio Sakraya bildet da die überraschende Ausnahme, denn er kann aufgrund von Kianos Charakterentwicklung wirklich viel von seinem Können zeigen. Die erste Staffel endet mit vielen Cliffhangern und ich würde eine zweite Staffel auch begrüßen, aber am Drehbuch sollte da definitiv noch gefeilt werden.

6.5/10

Bewertung: 6.5 von 10.

TRIBES OF EUROPA ist ein Netflix-Original und folglich über Netflix abrufbar.

5 thoughts on “Tribes of Europa – 1. Staffel (2021)

  1. Ich hab immer noch nicht verstanden, warum die Serie Tribes of Europa heißt. Müsste es nicht Europe heißen? Die gemischten Kritiken haben mich bisher abgehalten, da rein zu schauen, obwohl dystopische Settings ja eigentlich genau mein Ding sind.

Kommentar verfassen