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Begeisterung für Filme, Serien und Theater

Serien: Komödie

The IT Crowd – 1. Staffel (OmU, 2006)

© Studio Hamburg Enterprises GmbH

Die Nerds im Keller

Woran erkennt man eine erfolgreiche britische Serie? Daran, dass sie von den Amerikanern eins zu eins kopiert wird, teilweise sogar mit den gleichen Schauspielern. THE OFFICE, BROADCHURCH/GRACEPOINT und eben auch THE IT CROWD bekamen eine Kopie, die in der Regel schlechter war als das britische Original. THE IT CROWD reiht sich nahtlos ein in die Serien wie THE BIG BANG THEORY, in denen die Protagonisten allesamt Nerds sind und deren Nerdheit konsequent gefeiert wird. Denn sie sind unsichtbar. Sie fallen nicht auf. Die Nerds aus der IT-Abteilung. Um den Ausgestoßenen ein Denkmal zu setzen, erschuf Regisseur und Autor Graham Lineham  eine kultige Hommage für die sozial ausgestoßenen  Computerexperten. In der fiktiven Firma Reynholm Industries stellt Filmenchef Deyholm (Christopher Morris) die neue Mitarbeiterin Jen Barber (Katherine Parkinson) ein. Da in ihrem Lebenslauf steht, sie habe viel Erfahrung mit Computern, macht er sie kurzerhand zur Leiterin der IT-Abteilung. Blöderweise hat Jen geschwindelt und kennt sich auf diesem Gebiet überhaupt nicht aus. Die beiden Computerexperten Roy (Chris O’Dowd) und Maurice Moss (Richard Ayoade) merken schnell, dass ihre neue Chefin äußerst unqualifiziert ist und möchten sie wieder loswerden. Doch Reynholm legt unfassbar viel Wert auf Teamzusammenhalt und feuert auch gerne mal ganze Abteilungen, wenn sie nicht richtig zusammenarbeiten. Also bleibt Jen bei den Jungs und merkt schnell, dass es nicht nur Probleme in der Kommunikation zwischen der IT-Abteilung und den anderen Mitarbeitern gibt, sondern auch zwischen den beiden Nerds und der Frauenwelt. Jen erschafft daraufhin die Stelle der „Relationship Managerin“ und so langsam wächst zusammen was zusammen gehört.

Moss (Richard Ayoade) und Roy (Chris O’Dowd) – © Studio Hamburg Enterprises GmbH

Weibliche Nerds in der Chefrolle

Laut Duden ist die Definition für einen Nerd ein „sehr intelligenter, aber sozial isolierter Computerfan“. Aber es wird schnell klar, dass Jen im Grunde ebenfalls ein Nerd ist, nur eben auf einem anderen Gebiet. Was für die Jungs ihre Computer sind, ist für Jen Aufmerksamkeit und alles, wodurch mal Aufmerksamkeit auf sich zieht, z.B. Schuhe. Auch wenn diese Schuhe zwar hübsch aussehen, aber überhaupt nicht passen, nimmt sie die Schmerzen und Fehlstellungen ihrer Zehen in Kauf. Im Bezug auf Jen passt der englische Wortursprung („Schwachkopf“, „Sonderling“) besser. Obwohl sie immer wieder betont, dass sie diejenige sei, die den Kopf für das unreife Verhalten ihrer Mitarbeiter hinhalten muss, ist sie eigentlich alles andere als eine Chefin. Obwohl sie in der ersten Folge noch versucht ihre Authorität als Chefin nicht von Roy und Moss untergraben zu lassen, wird sie bald wie die gute Seele der IT-Abteilung. Eine gute Freundin, die zuhört, wenn es sonst keiner tut. Ein Kumpeltyp. So ganz mag sich der Regisseur Graham Lineham nicht entscheiden, welche Rolle er Jen zuspricht. Für eine Chefin ist sie zu schwach. Die Entscheidungsgewalt liegt häufig nicht bei ihr, sondern bei der Mehrheit. Dennoch kommen durch Jen zahlreiche Erfolge zustande.

Jen Barber (Katherine Parkinson) bei einem peinlichen Date – © Studio Hamburg Enterprises GmbH

Übertriebene Sitcom

„Übertrieben“ meint in diesem Zusammenhang ein sehr expressives Schauspiel, fast schon wie beim Theater. Aber auch die Narration setzt auf Wiedererkennungswerte und Wiederholungen. Schon legendär ist die mehrfach aufgeworfene Frage: „Have you tried turning it off and on again?“ bei nervigen Anrufern. Auch die ellenlange Notrufnummer, durch die man attraktivere Hilfskräfte bekommt [0118 999 881 99 9119 7253 (Folge 2)], ist eine der genialen Einfälle von Autor und Regisseur Graham Linehan. Die Besetzung ist großartig: Chris O’Dowd, Richard Ayoade und Catherine Parkinson sind ein stimmiges Dreiergespann mit einem guten Gespür für Witz und Timing. Auch die wenigen Auftritte vom Goth hinter der roten Tür, Richmond (Noel Fielding), machen gute Laune. Manchmal gerät die Serie etwas zu sehr ins Klamaukige und wirkt dann zu übertrieben. THE IT CROWD ist mit sechs Folgen à 30 Minuten schnell durchgeguckt. Ein kurzweiliger Spaß für alle, die britische Comedy mögen und ein Herz für Nerds haben.

(4/6)

Titelbild: © Studio Hamburg Enterprises, Trailer: © Youtube/Tellyvisons

  1. Tolle erste Staffel, wird aber noch besser 🙂

  2. An

    Oh, ich liebe diese Serie! Habe aber bisher nur die ersten zwei Staffeln gesehen. Da würde ich aber doch mehr als 4/6 geben, mindestens (!) mal 5/6. Wahrscheinlich weil mich das, was du als „wirkt dann zu übertrieben“ bezeichnest, nicht stört.

    • Daraus schließe ich (in Anlehnung an meine Kritik): Du liebst britische Comedy und hast ein Herz für Nerds. 😉

      Die anderen drei Staffeln werden in absehbarer Zeit noch folgen und da dürfte auch mal eine höhere Punktzahl drin sein.

      • An

        Haha ja, das dürfte wohl stimmen 😉
        Ich müsste auch unbedingt mal die nächsten beiden schauen.

  3. Es lohnt sich jede einzelne Staffel! Mein Freund und ich haben die Serie nur so verschlungen!

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