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Drama, Liebesfilm

The Age of Adaline (2015)

© Universum

„Für immer jung…

…ein Leben lang für immer jung. Du musst dich an die schöne Zeit erinnern, denn nichts ist für immer.“ So sang es Karel Gott in seinem zweifelhaften gleichnamigen Duett mit dem Deutschrapper Bushido. Auch in Filmen wird das Thema Unsterblichkeit gerne thematisiert. Mit THE AGE OF ADALINE kommt jetzt ein weiterer hinzu. Die weibliche Protagonistin von Lee Toland Kriegers Liebesdrama hat nämlich ein großes Problem mit der Unsterblichkeit. Geboren wird Adaline Bowman (Blake Lively) im Jahr 1901. 1929 heiratet sie den Ingenieur James Prescott, bringt drei Jahre später ihre Tochter Flemming  (Izabel Pierce, als Erwachsene: Ellen Burstyn)  zur Welt  und wird Witwe, als ihr Mann  tödlich verunglückt. Im Jahr 1935, Adaline ist gerade 29 Jahre alt, hört nach einem Autounfall ihr Herz auf zu schlagen, doch durch einen Blitzschlag erwacht sie wieder zum Leben. Die Folge: Adaline altert nicht mehr. Als man ihr das Alter nicht mehr glaubt, muss Adaline ihre geliebte Tochter verlassen und untertauchen, denn mittlerweile ist auch schon das FBI auf die zeitlose Schönheit aufmerksam geworden. Im Jahr 2014 trifft die inzwischen unter dem Namen Jennifer lebende Adaline auf einer Silvesterparty auf den charmanten Ellis (Michiel Huisman). Adaline lässt den Mann aber eiskalt abblitzen, was diesen noch neugieriger auf die unbekannte Schöne macht. Nach einigem Hin und Her kommen sich die beiden näher. Bei einem Besuch von Ellis‘ Eltern (Kathy Baker, Harrison Ford) kommt es dann zum Eklat. Ellis‘ Vater William kennt Adaline von früher und bald droht das Geheimnis aufzufliegen.

© Universum

Das Credo des österreichischen Filmemachers Michael Haneke ist: „[…]Bei Filmen, die sich ernsthaft mit einer Problematik beschäftigen, → sollte man den Zuschauer so ernst nehmen, wie man selbst ernst genommen werden will.“ Diese Lektion hat Regisseur Lee Toland Krieger leider nicht beherzigt, denn er bemuttert sein Publikum und erklärt zu viel. Die ersten zwanzig Minuten sind durch einen nervigen Off-Kommentar geprägt, der die Geschichte bis ins letzte Detail erklärt. In Schreibkursen heißt es immer „Show, don’t tell!“, aber leider zeigt der Film zu wenig, erzählt aber unglaublich viel. Es wäre viel spannender den Zuschauer selbst erkennen zu lassen, dass Adaline nicht altert, anstatt in allen Einzelheiten den Unfall und die Konsequenzen zu schildern. Dadurch kommt zunächst keinerlei Spannung auf und die Narration plätschert ziellos vor sich hin. Erinnerungen werden durch Fotos, Bewegtbilder oder Orte ausgelöst, an denen Adaline schon einmal war. Ist der Off-Kommentar endlich verschwunden und alle Figuren etabliert, kommt doch noch etwas Fahrt in die Geschichte.

© Universum

Auch wenn man Blake Lively die Mutter nicht ganz abnimmt, die Szenen mit Michiel Huisman und deren langsam entwickelte Liebesbeziehung sind charmant und unterhaltsam. Die stärkste Szene des Films hat sie allerdings mit Harrison Ford, dessen Figur irgendwann klar wird, dass Adaline tatsächlich seine verflossene Liebe ist. THE AGE OF ADALINE kann man als Parabel auf den Jugendwahn sehen, obwohl diese Botschaft eher unterschwellig herauskommt. Der Name Bowman ist in der Filmgeschichte natürlich ein bekannter, spätestens seit 2001: ODYSSEE IM WELTRAUM. Auch Adalines Geschichte kann man durchaus als Odyssee bezeichnen, wenn auch weniger spannend, als die des griechischen Namensgebers. Insgesamt ist sie nicht ganz schlüssig. So wird gesagt, dass Adaline nicht mehr weglaufen müsse, weil alle Verfolger bereits verstorben seien. Trotzdem geht Adaline keine festen Beziehungen ein. Auch das große Finale ist weitesgehend vorhersehbar. Die Liebe besiegt selbst das Altern.

Ganz nett, aber mehr auch nicht (3.5/6)

Trailer: © Universum

  1. Hallo 🙂
    Also ich kann deine Meinung nicht so ganz teilen. Der Film ist sehr märchenhaft aufgezogen und in den meisten Märchenfilmen wird am Anfang alles erklärt. Daher fand ich die Off-stimme gerade passend.
    Allerdings bin ich auch kein Fan des Endes. Das war mir dann doch zu viel Happy-End.

  2. Na wie ich gerade durch die Wohnung hopse vor Begeisterung darüber, dass man auch mal konform geht. Oft zeichnet sich der gemeine Rezensent dadurch aus auf keinen Fall konform mit dem Kollegen gehen zu können. Das wäre unprofessionell und lässt die eigene Profiliierung a bisserl fad erscheinen. Ich zumindest stimme hier mal voll und ganz überein 🙂

    Liebe Grüße,
    Rob
    Kopf & Kino

    • Nachdem ich für das Abtippen und Veröffentlichen meiner Meinung keinen einzigen Cent sehe, weder von meinen Lesern noch von den Marketingagenturen der Filmstudios, bin ich weitestgehend unbestechlich. Natürlich zieht die ein oder andere Marketingmasche auch mich ins Kino, aber im Grunde bin ich nur mir selbst verpflichtet. Wenn es dann noch meinen Lesern gefällt, dann freue ich mich natürlich. 🙂

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