Paul Averhoff (Dieter Hallervorden) – Weltklasse-Marathon-Läufer der 1950er Jahre, Olympia-Sieger 1956 in Melbourne – muss mit seiner Frau Margot (Tatja Seibt) aufgrund deren gesundheitlichen Zustandes sowie auf Drängen der gemeinsamen Tochter (Heike Makatsch) in ein Berliner Altenheim ziehen. Dort fühlt er sich unwohl und hat Angst, sich in der Ergotherapie „totzubasteln“. Um dem in seinen Augen tristen Dasein zu entfliehen, beginnt er im Park des Altenheims mit Lauftraining. Darauf angesprochen, verkündet er, am Berlin-Marathon teilnehmen zu wollen. Trotz einiger Bedenken wird auch seine Frau wie früher seine Trainerin. Im Heim regt sich Widerstand gegen den „Revolutionär“ Averhoff, der mit seinen Trainingseinheiten den üblichen – Tag für Tag gleichen – Ablauf stört. Erst als ein Mitbewohner sich an ihn als ehemaligen Olympia-Sieger erinnert und sogar eine originale Autogrammkarte in seinen Unterlagen findet, erfahren die Eheleute Averhoff von einigen Bewohnern bei ihrem Projekt Unterstützung.

© Universum Film

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Viele Filme über Menschen im Alter gibt es schon. Manche tun weh, manche gehen ans Herz. SEIN LETZTES RENNEN schafft es Beides zu sein. Inhaltlich erinnert der Film hier und da an die Handlung von SONG FOR MARION. Im Gegensatz zu diesem schafft es aber Regisseur und Drehbuchautor Kilian Riedhof nicht nur eine rührende Geschichte zu erzählen, sondern innerhalb dieser auch in die Tiefe zu gehen. Riedhof legt einen starken Fokus auf das Detail. Die häufigen Nahaufnahmen auf die Gesichter der Protagonisten sind ein starkes Anzeichen dafür. Aber auch inhaltlich geht der Film in die Tiefe. Was bedeutet es denn für Kinder, die beruflich dermaßen eingespannt sind, dass sie ihre Eltern nicht mehr sehen können? Oder nicht mehr wollen? Wie ist es für die „Alten“ in ein Heim abgeschoben zu werden und dort auf den Tod zu warten? Welche Haltung haben die Pfleger? Wie ist ihr Verhältnis zu den Heimbewohnern? All diese Perspektiven zeigt der Film auf  ohne dem Zuschauer eine Meinung aufzuzwängen, aber ihn zumindest zum Nachdenken anzuregen.

Der Film ist bis in die kleinsten Nebenrollen fantastisch besetzt. Katharina Lorenz als missmutige Ergotherapeutin, die von ihrem Job nicht wirklich begeistert ist. Der junge Pfleger Tobias, (mal wieder fantastisch) gespielt von Frederick Lau, nimmt die Außensicht ein. Er  integriert sich noch nicht Arbeitsabläufe im Heim, kommt oft zu spät und hat Verständnis für die Heimbewohner, die „endlich mal Spaß haben“. Er hinterfragt ständig das Leben im Heim und bildet dadurch den starken Kontrast zu  Katrin Saß als Heimleiterin, die herrlich böse weder ihrem sperrigen Pfleger noch den Bewohnern des Heims irgendetwas anderes durchgehen als das, was für den Tag geplant ist. Der große Dreh- und Angelpunkt des Films ist natürlich Dieter Hallervorden, der an der Seite von der ebenso fantastischen Tatja Seibt sympathisch wie unterhaltsam durch den Film trägt. Wer allerdings ständige Witze und Catchphrases wie „Palim Palim“ erwartet, ist hier falsch. Der Film hat durchaus seine lustigen Momente, dennoch ist er mehr Drama als Komödie. Dieter Hallervorden, ein Meister des Comedy-Fachs, zeigt hier seine ernste und besorgte Seite und überzeugt damit über alle Maßen.

Gegen Ende des Films verfällt der Film etwas zu sehr dem Kitsch, was man dem Film aber kaum übel nimmt. Sein letztes Rennen sorgt für Lacher und die ein oder andere verdrückte Träne. Das Ensemble überzeugt durch die Bank weg und die Geschichte ist von Anfang bis Ende glaubhaft und rührend.

Dieter Hallervorden in Bestform (5.5/6)

Trailer: © Universum