Es ist Thanksgiving und Familie Dover ist für den Feiertag bei Familie Birch (Viola Davis und Terrence Howard) eingeladen. Die Stimmung ist prächtig, bis die Jüngsten der beiden Familien, Anna (Erin Gerasimovich) und Joy (Kyla Drew Simmons), alleine nach draußen gehen. Einige Zeit später dann der Schock: Die beiden Mädchen sind spurlos verschwunden. Sofort alarmiert Vater Keller Dover (Hugh Jackman) die Polizei und informiert sie auch gleich über einen auffälligen Wohnwagen, der zum Zeitpunkt des Verschwindens in der Nachbarschaft gesehen wurde. Detective Loki (Jake Gyllenhaal) erhält den Fall und findet den Wagen recht schnell. Aus diesem zieht er den leicht verwirrten Alex Jones (Paul Dano) und konfrontiert ihn mit den Kindesentführungen. Als sich herausstellt, dass Alex den IQ eines Zehnjährigen besitzt, muss die Polizei nach der abgelaufenen 48-Stunden-Frist ihren einzigen Verdächtigen wieder laufen lassen. Keller hat dafür überhaupt kein Verständnis und nimmt daraufhin das Gesetz in die eigene Hand.

Mit Prisoners hat Regisseur Denis Villeneuve einen atmosphärischen Thriller geschaffen, dass unter die Haut geht. In diesem Örtchen in der amerikanischen Provinz, wo jeder jeden kennt, lässt er seine Entführungsgeschichte spielen. Der häufige Starkregen und die Herbststimmung vor Ort passen zu der dramatischen Handlung. Villeneuve filmt gerne durch nasse Fensterscheiben, welche die Sicht genauso trüben, wie die Trauer der Beteiligten deren Urteilsvermögen. Der Fokus des Films liegt stark auf Keller Dover, was prinzipiell nichts Schlechtes ist, denn Hugh Jackman spielt die Verzweiflung und die Wut so dermaßen gut, dass man ihm nicht im Dunkeln begegnen möchte. Der starke Fokus hat aber zur Folge, dass den anderen Familienmitgliedern weniger Raum gegeben wird. Ebenfalls überzeugend ist der potenzielle Bösewicht Paul Dano, dem man durchaus zutraut, die Kinder entführt zu haben, aber im weiteren Verlauf des Films immer mehr Mitleid bekommt.  Die Folterszenen sind wirklich nicht ganz ohne und die Altersfreigabe von FSK 16 ist in diesem Fall mehr als gerechtfertigt. Ab dem 6. Tag des Verschwindens fängt der Film an sich zu ziehen und verliert die Dynamik, die er zu Beginn noch hatte. Der Film beginnt den Zuschauer anzustrengen, was man sowohl als Fehler, aber auch als stilistisches Mittel des Regisseurs sehen könnte, der sein Publikum in die gleiche Atmosphäre versetzen will wie seine Protagonisten. Das offene Ende mag den ein oder anderen nicht zufriedenstellen, weil die Situation (ähnlich wie z.B. bei INCEPTION) nicht vollständig aufgeklärt wird und Fragen offen lässt.

Atmosphärischer Thriller (5/6)

Trailer: © Tobis