Der Sidekick mag nicht so recht kicken

Mit DIE PINGUINE AUS MADAGASKAR wurde bereits im letzten Jahr der eigentliche Sidekick der MADAGASKAR-Reihe neu ins Szene gesetzt. Auch die Publikumslieblinge aus der DESPICABLE ME-Reihe bekamen nun einen eigenen Film. Die Minions, die sich aus Unterwasserlebewesen entwickelten, haben nur einen Lebenszweck: dem größten Schurken aller Zeiten dienen. Nach einer Vielzahl von herben Rückschlägen errichten sich die Minions eine eigene Zivilisation in der Antarktis. Doch die Minions sind ohne einen Meister ohne Antrieb und werden depressiv. Die Minions Bob, Kevin und Stuart machen sich deshalb auf den Weg um einen geeigneten Anführer für ihr Volk zu finden. Auf ihrer Reise landen sie 1968 in New York. Von dort führt sie ihr Weg weiter zur Villain-Con in Orlando, eine Art Comic-Con für Superschurken. Dort präsentiert sich zum ersten Mal die neue Superschurkin Scarlet Overkill (Stimme von Sandra Bullock, im Deutschen Carolin Kebekus) der kriminellen Weltöffentlichkeit und gibt bekannt, sie sei auf der Suche nach Gehilfen. Die Minions sind begeistert und durch Glück und Zufall können sie Scarlett tatsächlich von ihren Qualitäten überzeugen. Scarlett hat auch schon einen ganz besonderen Schatz im Auge: die Krone von Queen Elisabeth. Die Minions werden also nach London geflogen und versuchen fortan alles um ihre neue Meisterin zufriedenzustellen. Der Plan gelingt tatsächlich und die Drei bekommen nicht nur die Krone, sondern Bob wird kurzerhand auch zum neuen König ernannt. Scarlet nimmt nun an, die Minions wollen ihr die Krone streitig machen. Das kann Scarlet nicht auf sich beruhen lassen und überzeugt Bob sie zur Königin zu krönen. Doch die Krönungszeremonie wird turbulenter als erwartet.

Bob, Kevin und Stuart wollen den größten Schurken finden - © Universal Pictures Germany

Bob, Kevin und Stuart wollen den größten Schurken finden – © Universal Pictures Germany

Wer den Trailer gesehen hat, kann sich in den ersten zwanzig Filmminuten entspannt zurücklehnen, denn hier wird der Trailer noch einmal nacherzählt, nur etwas ausführlicher. Erst als die Minions New York erreichen und dort mit Menschen konfrontiert werden, wird es spannender. Denn die Reise zur Villain-Con führt sie geradewegs in die Arme der Familie Nelson, die ebenfalls auf dem Weg nach Orlando und hauptberufliche Bankräuber sind. Hier wird die Geschichte halbwegs interessant. Auch die Villain-Con selbst ist gespickt mit Filmreferenzen und Klamauk. So stellt Dr. Flux eine Zeitreisemaschine vor; eine offensichtliche Anspielung auf den Fluxkompensator aus ZURÜCK IN DIE ZUKUNFT. Nach einem kurzen Zwischenstop bei Scarlet zuhause geht es nach London. Jedes nur erdenkliche England-Klischee wird dabei bedient: Polizisten trinken in ihren Dienstwagen Tee und die komplette britische Bevölkerung vergöttert ohne Ausnahme die Monarchie. Im großen Finale kommt es dann noch zu krachender Action und einem grandiosen Kampfgetümmel zwischen Kevin und Scarlet.

Auf nach New York - © Universal Pictures Germany

Auf nach New York – © Universal Pictures Germany

Der Gründer und CEO von Illumination Entertainment Chris Meledandri gab zum Film an: „Wir hatten gar nicht geplant, den Minions ihren eigenen Film zu geben. Die Minions haben es verlangt.“ Aber genau das ist ein Irrglaube. Nur weil man die Minions erfunden hat und weil sich inzwischen auch → Tic-Tacs, Becher und Plüschfiguren im Minionmotiv gut verkaufen, braucht es eigentlich keinen Film über sie. Und das ist leider auch der Grund, warum dieser Film scheitert. Wohldosiert sind die Minions süß und niedlich, in der Masse wird die teilweise unverständliche Minionsprache schnell nervig. Auch die eindimensionale Schurkin Scarlet sorgt dafür, dass der Filme allenfalls gemischte Gefühle auslöst. Über sie ist absolut nichts bekannt, man erfährt nichts von ihrer Vergangenheit und ihrer Motivation noch macht sie eine Charakterentwicklung durch wie Gru. Gleiches gilt auch für die Minions selbst. Warum sie ausgerechnet immer einem Bösewicht dienen wollten, wird in der Evolutionsgeschichte der Minions am Filmbeginn nicht erklärt. Weiter sorgen auch Durststrecken in der Narration für Momente zum Durchatmen. Lediglich das Ende entschädigt für die Warterei, denn es wird erklärt, wie Gru und die Minions zusammenkamen und inmitten der Credits zeigen die kleinen Einspieler wie das Zusammenleben zwischen ihnen funktioniert.

Süße Kerle und schlechte Schurken (3.5/6)

Trailer: © Universal Pictures Germany