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Drama, Kriegsfilm

Macbeth (OmU, 2015)

Das Ehepaar Macbeth (Michael Fassbender und Marion Cotillard) - © 2015 StudioCanal

Machthunger und Wahnsinn

Michael Fassbender ist einer dieser Schauspieler, die im Moment einen Lauf haben. Egal ob  zarte Indie-Perlen wie FRANK oder epische Megablockbuster wie X-MEN: FIRST CLASS Fassbender scheint sich überall wohl zu fühlen. Jetzt also mal wieder was Klassisches. Der Protagonist des Shakespeare-Dramas ist Macbeth, der Anführer des schottischen Heeres (Michael Fassbender). Zusammen mit seinem Freund Banquo (Paddy Considine) hat er eine wichtige Schlacht geschlagen, als ihnen drei Hexen erscheinen. Sie prophezeien Macbeth, dass er bald von König Duncan (David Thewlis) zum “Thane of Cowdor” ernannt werden und schließlich König werden wird. Bancquo dagegen prophezeien sie, dass er Ahnvater von Königen werden wird. Zunächst schenken beide der Prophezeiung keinen Glauben, bis Macbeth tatsächlich zum “Thane of Cowdor” ernannt wird. Lady Macbeth (Marion Cotillard) ist von der neuen Stellung ihres Mannes mehr als begeistert. Um tatsächlich König zu werden, entschließt sich Macbeth auf Drängen seiner Frau den König umzubringen. Als Dritter in der Thronfolge und nach der Flucht von Duncans Söhnen wird Macbeth zum König gekrönt. Er befürchtet aber seine neu erlangte Macht wieder zu verlieren und schickt drei Mörder um Banquo und seinen Sohn Fleance zu ermorden. Banquo stirbt, aber Fleance kann flüchten. Der König und seine Gattin werden zunehmend wütend und paranoid, weil sie mit dem Blut, dass an ihren Händen klebt, nicht leben können. Gleichzeitig formiert sich in England Widerstand. Die Söhne Duncans sowie der geflohene Edelmann McDuff (Sean Harris) wollen Macbeth stürzen.

Macbeth (Michael Fassbender) im Kampf – © 2015 StudioCanal

Nebel wabert über das schottische Hochland. Ruhig und mystisch zugleich. Schlachtengeschrei und schepperndes Aufeinanderschlagen von Schwertern erfüllen aber kurz darauf die friedliche Landschaft. Es herrscht Krieg. Und Macbeth ist mittendrin. Das Blut spritzt, der Geifer fliegt, in Slow-Motion manchmal. Es erinnert unweigerlich an die Kampfszenen aus 300, in dem Fassbender bereits in einer kleinen Nebenrolle mitgespielt hat. Da stehen plötzlich drei Frauen im Feld. Die Hexen. Zusammen mit einem kleinen Mädchen. Das Mädchen taucht im Shakespeare-Original nicht auf, soll aber das Thema Nachwuchs in den Vordergrund rücken. → „Der Verlust des eigenen Kindes und die Prophezeiung weiterer Kinderlosigkeit führen bei Macbeth zu einem Minderwertigkeitskomplex, der ihn zu dem Bedürfnis zu treiben scheint, allen anderen Eltern ebenfalls ihre Kinder zu rauben.“ Die Lady macht es auch nicht besser: „Are you a man?“ fragt sie ihn provokant. Man will echt nicht in der Nähe sein, wenn Michael Fassbender wütend wird. Regisseur Justin Kurzel hat die Rolle so angelegt, dass Macbeth unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet (sagt das Presseheft). Er schleicht durch die Gänge. Spielt mit seinem Schwert. Nabelt sich ab. Auch Marion Cotillard begegnet dem gespielten Wahnsinn ihres Filmehemanns häufig nur mit Trauer und Tränen. Dass ihre Figur Lady Macbeth ebenfalls dem Wahnsinn verfällt, verkommt leider zur Randnotiz. Insgesamt hätte man dem Wahnsinn der Beiden mehr Raum geben können. Dennoch sind Marion Cotillard und Michael Fassbender ein schrecklich-schönes Powercouple, mehr noch ein Duo infernale.

Macbeth (Michael Fassbender, links), Duncan (David Thewlis, mittig) und Malcolm (Jack Reynor) – © 2015 StudioCanal

MACBETH wurde hauptsächlich an realen Orten in Schottland und England gedreht. Den Realismus sieht man dem Film auch an. Die Lichtstimmung zeichnet sich hauptsächlich durch Low-Key-Light aus; Schummerlicht durch Kerzen, Schatten, Nebel; die den düsteren Grundtenor der Geschichte unterstreichen. Die Kamera ist häufig nah an den Gesichtern. Man kann förmlich dazubei zusehen wie sich die Träne im Auge sammelt und schließlich die Wange hinunterringt. Das Schloss, in dem Macbeth und seine Lady residieren ist im Grunde eine Kathedrale. Doch wenn Macbeth in den Mauern herumwandert, ist er meistens allein, was den Kontrast zum Filmbeginn untermauert. Hier war er noch ein starker Anführer, der seine Männer umarmt und ihre Anwesenheit schätzt; in der Kathedrale ist er allein und verlassen von der Welt. Der atmosphärische Soundtrack von Jed Kurzel tut sein Übriges. MACBETH ist eine bildgewaltige Umsetzung des Shakespeare-Dramas um das Streben nach Macht und den Preis, den man für die Gier zahlen muss.

Bildgewaltig und wahnsinnig (gut) (5/6)

Trailer: © Studiocanal

  1. Den würde ich so gerne sehen, aber da er nur im Original läuft zeigen ihn nur ganz wenige Kinos habe ich festgestellt 🙁 Mal sehen wie lange er noch im Programm ist….

  2. Muss ich mir unbedingt noch ansehen. Ich erinnere mich noch, dass wir damals im Englisch-Unterricht Macbeth gelesen haben. Das hat mir da schon als eines der wenigen Dramen sehr gut gefallen. In dem Zusammenhang habe ich auch eine filmische Adaption gesehen; die hat sich vor allem auf den psychischen Verfall und die Schuldgefühle von Macbeths Frau konzentriert, soweit ich mir erinnern kann.
    Aber den Stoff als Hollywood -Blockbuster stell ich mir echt aufregend vor 🙂

  3. Du hast ihn im Original gesehen? Kompliment. Viele Grüße Ivonne

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