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Serien und Miniserien, Serien: Drama

Fleming: The Man Who Would Be Bond (2014)

© BBC America

Katz‘ und Maus – Wer spielt mit wem?

Angesichts der aktuellen Bondeuphorie und den enttäuschten Gesichtern nach dem Sichten von SPECTRE sollte diese Mini-Serie alle Bond-Fans wieder mit der Romanfigur versöhnen. Die vier Episoden spielen in den Kriegsjahren des zweiten Weltkriegs und portraitieren Bond-Autor Ian Flemings Zeit als Teil der britischen Spionageabwehr. Im Schatten seines Bruders Peter (Rupert Evans) und unter dem argwöhnischen Blick seiner Mutter (Lesley Manville) kann sich Ian (Dominic Cooper) nicht entfalten. Auch seiner Arbeit als Wertpapierhändler geht Ian nur widerwillig nach. Immer wieder wechseln die Frauen in seinem Bett, bis er Muriel Wright (Annabelle Wallis) trifft, die ihn zu zähmen versucht. 1939 steigt Fleming beim Marine-Nachrichtendienst ein und wird dank unkonventioneller Spionage bald zum persönlichen Assistenten des Direktors John Godfrey (Samuel West). Mit dessen Sekretärin Monday (Anna Chancellor) versteht sich Fleming blendet. Stets süffisant und zynisch kommentiert sie Flemings Verhalten. Denn immer wieder trifft er auf die verheiratete Anne O’Neill (Lara Pulver), eine starke Frau, die sich oberflächlich nicht für ihn interessiert. Doch Ian ist fasziniert von der verführerischen Frau, doch stellt schnell fest, dass diese die kriegsbedingte Abwesenheit ihres Ehemannes dazu nutzt um mit dem reichen Zeitungsmagnaten Esmond Rothermere (Pip Torrens) anzubandeln. Obwohl er ihr nicht die finanzielle Sicherheit wie Esmond bieten kann, umwirbt Ian Anne. Ab 1941 wird er als Verbindungsoffizier eingesetzt, ab Ende 1943 kommandiert er eine speziell ausgebildete Einheit der Royal Marines, das No. 30 Commando, für die er einige gefährliche Kommandos plant, bei deren Aktionen er aber nicht unmittelbar dabei sein darf. Seine Ambitionen, selbst ins Feld zu ziehen, sind aber ungebrochen.

Dominic Cooper in geheimer Mission – © BBC America

Die Serie spielt immer etwas mit den filmischen Elementen der Bond-Reihe. „The bitch is dead“ tippt Fleming auf der Schreibmaschine. Ein Satz, der sich schließlich viele Jahre später in CASINO ROYALE wiederfinden lässt, der Verfilmung von Flemings erstem Roman. Im Weiteren sind eine hübsche Frau im Wasser, eine Harpune, Ski fahren in den Alpen, ein Pokerspiel oder kleine Gadgets zu sehen, aber auch die Musik ähnlicht sehr dem Bondthema. Die realen Vorbilder für Moneypenny und M und die diversen Betthäschen finden sich wieder. Dahingehend hätte man sicherlich noch mehr Eastereggs für Fans verstecken können, da sie auch die Zielgruppe der Serie zu sein scheinen. Vielleicht hat man dies aber auch aus Gründen des Realitätsanspruchs unterlassen. Ian wird als großer Stratege und Meister der unkonventionellen Lösungen gefeiert, allerdings scheitert er im Vergleich zu seiner späteren Romanfigur immer wieder an bürokratischen Abläufen oder der eigenen Unfähigkeit. So rasselt er immer wieder durch Eignungsprüfungen, die ihn in den Außeneinsatz versetzen könnten. Gerade diese Momente entzaubern den Mythos Fleming in angenehmer Weise.

Ian (Dominic Cooper) schreibt seinen ersten Roman – © BBC America

Dominic Cooper liefert eine solide Leistung ab, wirkt mal wie ein naiver Junge, mal wie ein ganzer Kerl. In der letzten Folge hat er tatsächlich etwas Ähnlichkeit mit dem jungen Sean Connery. Lara Pulver, die SHERLOCK-Fans bereits als Irene Adler kennen, spielt hier eine ähnliche Rolle. Eine starke Frau mit ordentlich Sexappeal und einem Augenaufschlag zum Niederknien. Beide zusammen bilden zwei Seiten der gleichen Medaille. Beide wissen, wie sie ihr Ziel erreichen können. Die Anziehung füreinander ist sichtbar. Das manipulative Katz-und-Maus-Spiel, dessen Ausgang bereits in der ersten Folge vorweggenommen wird, ist nicht nur spannend, sondern auch sehr sexy inszeniert. Wildes Herumgeknutsche, zerwühlte Betten und Nahaufnahmen von Haut und Lippen bilden den starken Kontrast zum zerbombten London und anderen Kriegsschauplätzen. Die Frauenfiguren sind häufig sehr dominant und stark, angefangen von Lesley Manville als Flemings Mutter über Anna Chancellors Officer Monday bis zu Anne O’Neill. Die Mini-Serie hat zwar kein Suchtpotenzial, fesselt aber genug um die Folgen gut hintereinander wegzuschauen. Für Bond-Fans ist die Staffel ohnehin ein Muss.

(4.5/6)

Trailer: © Polyband

  1. Ich fand Fleming total interessant, aber auch leicht überdramatisch, allerdings hat mir die Besetung gefallen und die Idee, eine literarische Persönlichkeit zu verflimen. Die meisten kennen Bond, aber nicht mehr.

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