Festivalblock: Du gehst, was bleibt?
Veranstaltungsort: Kleines Bali

Dad’s Stick
Regie: John Smith
Trailer zum Film

Anhand von Objekten aus dessen Nachlass versucht sich der Regisseur John Smith der Erinnerung an seinen verstorbenen Vater zu nähern. Die Spuren, die jahrelange Benutzung an den Gegenständen hinterlassen hat, führen ihm Ereignisse ins Gedächtnis, die einen Einblick geben in über ein halbes Jahrhundert Lebenszeit.

Mittelmäßiges Portrait. Weder besonders gut, noch besonders schlecht. Wie toll man mit Gegenständen eine Geschichte erzählen kann, zeigt Grave Goods (siehe unten).

Semra Ertan
Regie: Cana Bilir-Meier

Semra Ertan, geboren 1956 in der Türkei, zog 1972 in die Bundesrepublik Deutschland. Sie arbeitete als technische Bauzeichnerin und Dolmetscherin. Bald begann sie zu schreiben und verfasste insgesamt über 350 Gedichte. 1982 verbrannte sie sich in Hamburg um ein Zeichen gegen die Ausländerfeindlichkeit in der Bundesrepublik Deutschland zu setzten. Nach 25 Jahren findet die Regisseurin einen Koffer mit Dokumenten und Schriften von ihr im Keller ihrer Familie. Semra Ertan war ihre Tante, über die zu sprechen in der Familie immer ein Tabu war.

Bilir-Meier möchte die Frau hinter der Selbstverbrennung ergründen. Das ist ihr in Ansätzen auch gelungen. Zu Beginn des Films weiß man nicht genau worauf die Regisseurin hinauswill, was sich aber nach einer Weile ändert.

Buffalo Death Mask
Regie: Mike Hoolboom
Website zum Film

Wie durch einen Nebel erscheint ein maskenartiges Gesicht auf der Leinwand – fast 10 Jahre nachdem diese Bilder entstanden sind, findet der Regisseur Mike Holboom die 16mm Aufnahmen eines mittlerweile an Aids gestorbenen Freundes in seinem Archiv wieder. Verbunden mit fast traumartigen Bildern der Stadt Toronto und Tonaufnahmen eines Gesprächs zwischen dem Filmemacher und dem Maler Stephen Andrews erzählt Buffalo Death Mask vom Leben mit HIV, den Erinnerungen an durch den Virus verstorbene Freunde und den Umgang damit, noch zu den Überlebenden zu gehören.

23 Minuten voll mit nebligen Bildern. Kurzum: der Film ist zu lang. Viel zu lang. Als Zuschauer versucht man in all dem Nebel Konturen und Gesichter zu erkennen, was mit zunehmender Laufzeit immer anstrengender wird.

48 heads from the Merkurov-Museum (after Kurt Kren)
Regie: Anna Artaker
Seite zum Film von Sixpack Films

Das Merkurov-Museum im armenischen Gyumri beherbergt eine einzigartige Sammlung von Totenmasken, die der sowjetische Bildhauer Sergej Merkurov (1881 -1952), ein Schüler von Auguste Rodin, angefertigt hat. Dieses Archiv bietet einen Überblick über Repräsentanten der Politik und der Kultur der damaligen Sowjetunion. Der Film zeigt 48 Köpfe dieser Sammlung, die durch eine besondere Schnitttechnik zu einem einzigen Gesicht zu verschmelzen scheinen. Die Regisseurin Anna Artaker bezieht sich hier auf den Film „48 Köpfe aus dem Szondi Test“ von Kurt Kren aus dem Jahr 1960, in dem er sich mit dem projektiven Persönlichkeitstest des Psychiaters Leopold Szondi von 1937 auseinandergesetzt hat.

In einem extrem schnellen Schnitt werden die 48 Köpfe aneinandergetackert. Für den Zuschauer ist das total anstrengend und nach einer Weile auch nervig.

Grave Goods
Regie: Leslie Tai
Trailer zum Film

Was geschieht mit unserem persönlichen Besitz, wenn wir gestorben sind? Diese Frage beschäftigt die Filmemacherin nach dem Tod ihrer Großmutter, die in einem kleinen Schuppen Dinge aufbewahrt hat, die sie sich aus ihrer Heimat Korea schicken ließ. Durch Inszenierung dieser Gegenstände und Ausschnitte aus Videomaterial eines Interviews mit ihr erweist Leslie Tai ihrer Großmutter in GRAVE GOODS die letzte Ehre.

Der Film hat durchaus ein paar künstlerische Elemente, wirkt aber nie überladen. Man kann der Handlung gut folgen und die verstorbene Oma ist ein absoluter Sympathieträger, der ab und an auch für einen Lacher sorgt.

Finovo
Regie: Claudio Winter
Trailer zum Film
Seite zum Film der HFF Potsdam

Ein Café ist ein Ort zum Plaudern. Ein Friedhof ist ein Ort zum Innehalten. Das „Friedhofscafé“ finovo ist ein Ort, an dem beides möglich ist. Bernd, Dirk und Günther besuchen regelmäßig die Gräber ihrer Lebenspartner – und erzählen sich im Café von Begegnungen und Erinnerungen.

Hierbei handelt es sich um einen Fotofilm. Ab und an ist es schwierig dem Verlauf zu folgen, aber im Großen und Ganzen ist es ein gelungenes Portrait über das Café und seine Besucher.

 

Festivalblock: Im Rahmen der Kunst
Veranstaltungsort: Großes Bali

Clara S. was here
Regie: Nina Lassila
Der komplette Film

Eine Person namens Clara Sturm kauft eine Leopardenstatue und will eine Geschichte oder ein Manuskript darüber schreiben. Ein Voiceover beschreibt ihre Gedanken und Gefühle während diesem Vorgang. Das Videomaterial zeigt uns verschiedene Impressionen einer katzenähnlichen Frau, exotisch, wild und frei.

Das große Problem ist, dass man weder die Protagonistin noch die Handlung für bare Münze nimmt. Der Zuschauer kann sich nicht mit der Hauptfigur identifizieren und bleibt fragend zurück.

Pigs in Progress
Regie: Kerstin Honeit
Offizielle Website und Auszug aus dem Film

Die Arbeit PIGS IN PROGRESS verbindet zwei gegenläufige Phänomene der Stadtentwicklung: Die aktuellen Gentrifizierungsprozesse Berlins, bei denen langjähre Mieter aus der City vertrieben werden, um lukrativen Wohnraum zu schaffen, und die Erfahrungen, die Hausbesitzer in den wohlhabenden Vororten mit Wildschweinen gemacht haben, die in ihre Grundstücke vordringen. Eine Playback-Performance zwischen Wildschweinen.

Ein interessanter Ansatz. Die Regisseurin sitzt inmitten von fressenden Wildschweinen und zitiert die Hausbesitzer, die sich über die Wildschweine beschweren. Außerdem kommt noch ein Mann zu Wort, der heimlich die Wildschweine füttert und den Hausbesitzern die Schuld gibt. Ein amüsantes Für und Wider.

Reign of Silence
Regie: Lukas Marxt
Website der KHM Köln zum Film

Von der Küste aus über Funk dirigiert steuert der Fahrer eines Motorboots auf einer glatten Wasserfläche und zeichnet eine Spirale aus Wellen und Schaum. REIGN OF SILENCE ist eine Reflektion über die Natur – eine unberührte Landschaft wird zur Bühne, zur Projektionsfläche, zur Leinwand.

An und für sich ist es eine interessante Idee den See als Projektionsfläche für ein Kunstwerk zu nehmen. Allerdings ist das eigentliche Kunstwerk dann relativ unspektakulär.

the gist
Regie: Christian Köhne

Ein arrangierter Dialog zwischen einer aus Funk und Fernsehen bekannten Literaturkritikerin und einem als „Skandalautor” gehandelten Schriftsteller. Mit Camcorder- und 8mm Found footage-Material bebildert entsteht daraus eine widerspenstige Komposition zum Umgang mit der Kunst und ihrem Schöpfer.

Sieht optisch sehr gut und künstlerisch aus, gibt aber inhaltlich wenig her.


Road cut through a hill
Regie: Noriyuki Kimura
Der komplette Film auf Youtube

Eine intensive Auseinandersetzung mit einem vermeintlich banalen Ort, der durch die Ähnlichkeit zu dem gleichnamigen, im Jahr 1915 entstandenen Landschaftsgemälde „Road cut through a hill“ des japanischen Künstlers Ryusei Kishida mit Bedeutung aufgeladen ist.

Der Film ist trotz der „nur“ neun Minuten unglaublich lang. Der Regisseur inszeniert den gefundenen Ort, der ihn an das berühmte japanische Gemälde erinnert, an mehreren Tagen unterschiedlich. Mal als Ofen, mal als „Mondfänger“. Allerdings kommt weder Spannung noch Interesse beim Zuschauer auf.

Signs of the city
Regie: Johanna Reich

Eine weiße Leinwand wird durch eine Großstadt getragen. Dabei fängt die leere Fläche Schatten von Straßenschildern, Lampen und anderem städtischen Inventar ein. Im Moment, in dem ein Schatten auf die leere Leinwand fällt, wird die Leinwand nicht nur in ein Gemälde transformiert, sondern zugleich in eine Projektionsfläche, auf der ein Schwarz-Weiß-Film über die Flüchtigkeit erscheint. Ein ungewöhnliches urbanes Landschaftsportrait.

Eine Frau läuft mit einer weißen Leinwand durch die Stadt und „fängt“ die Schatten der Stadt ein. An und für sich eine interessante Idee, nach einer Weile wird es aber langweilig.

Journal
Regie: Sirah Foighel Brutmann, Eitan Efrat
Website zum Film 

JOURNAL ist eine Reihe von Plansequenzen, die in einer Fotoausstellung aufgenommen wurden. Die Kamera folgt einem festgelegten Parcours durch den Ausstellungsraum mit Bildern hochrangiger Persönlichkeiten beim Besuch der Gedenkstätte Yad Vashem. Durch die doppelte Perspektive des Besuchers und des Dokumentaristen öffnet sich dabei der Kamerablick für eine Vielzahl von Lesarten. Der Film erforscht die Produktion von Erzählungen und durchdringt die Blickwinkel und Linsen dreier Fotografen. Der Film reflektiert über das Zuschauen als performative Handlung und untersucht Haltungen zu Bildern, historischen Dokumenten und der Produktion des kollektiven Gedächtnisses.

Der langweiligste Film aller Zeiten. Die Kamera bewegt sich nur durch die Ausstellungsräume und filmt die dort hängenden Fotos ab. 16 Minuten Film vergingen noch nie so langsam.