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Abenteuerfilm, Action

Deadpool 2 (O, 2018)

Szenenbild aus DEADPOOL 2 (2018) - Deadpool (Ryan Reynolds) und Dopinder (Karan Soni) - © 20th Century Fox

Deadpool (Ryan Reynolds) und Dopinder (Karan Soni) - © 20th Century Fox

Josh Brolin ist ein vielgefragter Mann – besonders im Marvel-Universum. In AVENGERS: INFINITY WAR machte er als Fiesling Thanos der Superheldenliga um Tony Stark Feuer unterm Hintern, jetzt darf er als Caple niemand geringerem als Deadpool einheizen. DEADPOOL 2 handelt abermals vom unsterblichen Mutanten Wade Wilson (Ryan Reynolds), der von den X-Men Colossus (Stefan Kapicic) und Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) abermals das Angebot bekommt, den X-Men beizutreten. Als “X-Men Trainee” soll er den wütenden Teenager-Mutanten Russell (Julian Dennison) alias Firefist bändigen. Die Rettungsmission geht nach hinten los. Wade und Russell werden ihrer Kräfte beraubt und landen in einem Mutantengefängnis. Doch dort bleiben sie nicht lange, denn der Superschurke Cable (Josh Brolin) kommt aus der Zukunft um Russell zu töten. Deadpool trommelt die X-Force zusammen; eine eigene Crew voller Superhelden. Mit dabei sind Domino (Zazie Beetz), Zeitgeist (Bill Skarsgård), Weasel (T.J. Miller) und der Normalo Peter (Rob Delaney), der gar keine Superheldenkräfte hat, aber die Stellenanzeige gut fand.

Szenenbild aus DEADPOOL 2 (2018) - Cable (Josh Brolin) - © 20th Century Fox
Cable (Josh Brolin) - © 20th Century Fox

Sinnfreie Story mit Herz

DEADPOOL 2 ist genau das, was man erwartet: keine inhaltliche Tiefe, dafür wilde, blutige, CGI-Action gepaart mit einem Cast mit großer Spielfreude. Den Actionszenen wurde in diesem Film ein größerer Anteil eingeräumt, allerdings noch so, dass es nicht zu sehr stört und von der eigentlichen Handlung ablenkt. Durch die Geschichte führt abermals der freche Deadpool mit Sarkasmus und schwarzem Humor.  Auch die Freunde des gepflegten Pippikacka-Humors kommen hier dank nackter, nachwachsender Beinen und BASIC-INSTINCT-Pose und “Arsch-im-Gesicht”-Kampfmoves voll auf die Kosten. Ryan Reynolds fühlt sich sichtlich wohl im schwarz-roten Kampfkostüm. Von all den neuen Mutantengesichtern ist Domino, deren Superkraft Glück ist, noch die Interessanteste. Zazie Beetz, die in Berlin geboren und in New York aufgewachsen ist, ist auch eine der wenigen, die dem Großmaul Paroli bieten kann. Der Rest wirkt wie ein Haufen austauschbarer Statisten.

Szenenbild aus DEADPOOL 2 (2018) - Russell (Julian Dennison) in Gefangenschaft - © 20th Century Fox
Russell (Julian Dennison) in Gefangenschaft - © 20th Century Fox

Deadpool 2: The Home of Cameos

Im Gegensatz zum ersten Teil bietet DEADPOOL 2 hochkarätige Cameos wie etwa Brad Pitt als Vanisher oder Matt Damon als biertrinkender Redneck. Den Vogel schießen aber die jungen Mutanten ab. In einer Szene beschwert sich Deadpool, dass die Villa von Professor X wie ausgestorben sei. Während er neben Colossus durch die Gänge des Hauses läuft, sind hinter einer offenen Tür Professor Xavier, Quicksilver, Nightcrawler, Storm, Cyclops und Beast kurz zu sehen. Das wiederum ist die Retourkutsche für die Bemerkung in DEADPOOL → über die fehlende Starpower. Es gibt also im DEADPOOL-Universum schon Referenzen auf Referenzen auf Referenzen. Sicherlich kann man besonders in Hinblick auf die Geschichte bemängeln, dass sie hauptsächlich nur über die Referenzen funktioniert. Der einzelne Gag ist wichtiger als die erzählte Geschichte im Gesamtkontext. Da passt es auch ins Bild, dass der komplette Handlungsstrang am Filmende folgenlos bleibt bzw. korrigiert wird. Das hinterlässt dann doch ein fades Gefühl, weil man sich schon Fragen muss, warum man hier eine Handlung verfolgen soll, die auf den letzten Metern dann doch wieder ausgebessert oder verändert wird.

Szenenbild aus DEADPOOL 2 (2018) - Deadpool (Ryan Reynolds) und Blind Al (Leslie Uggams) - © 20th Century Fox
Deadpool (Ryan Reynolds) und Blind Al (Leslie Uggams) - © 20th Century Fox

Selbstreferenziell und bitterböse

DEADPOOL 2 ist – wie schon der Vorgänger – eine wilde Aneinanderreihungen von Anspielungen. Dabei hilft es ungemein, wenn man als Zuschauer die Filme LOGAN, X-MEN ORIGINS: WOLVERINE und die Hintergrundgeschichte zu GREEN LANTERN kennt. Hugh Jackman bzw. Wolverine ist wieder einmal ein dankbares Ziel für Deadpools Hohn und Spott. Bereits in der ersten Szene des Films ist eine Spieluhr mit dem dem sterbenden Wolverine zu sehen. Doch nicht nur Hugh Jackman bekommt etwas ab, sondern auch Josh Brolin. An mehreren Stellen wird entweder auf seine Rolle in die THE GOONIES oder seine Rolle als Thanos angespielt. Dass Reynolds, der hier in dreifacher Funktion (Schauspieler, Produzent, Autor) mitwirkte, sich selbst auch nicht für Witze auf seine eigenen Kosten zu schade ist, merkt man spätestens in der Mid-Credit-Szene, als Deadpool Ryan Reynolds tötet, bevor dieser GREEN LANTERN drehen kann. Überraschenderweise hat mir DEADPOOL 2 besser gefallen als noch die Origin-Story aus Teil 1. Das liegt zum einen an meiner immer noch anhaltenden “Ich hasse Marvel”-Depri-Stimmung seit INFINITY WAR und zum anderen ist der Film auch wirklich saukomisch.

5/6 bzw. 8/10

Trailer: © 20th Century Fox

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