Der bisexuelle Scott Thorson (Matt Damon) war noch nie in Las Vegas, doch sein erster Besuch dort wird ihn für immer verändern. Nach einem Konzert von Wladziu Valentino Liberace (Michael Douglas) schafft es Scott dank seinem Freund Bob Black (Scott Bakula) backstage und trifft den bekannten Klavierspieler persönlich. Sie wechseln ein paar Worte und verabreden sich auf ein Treffen am nächsten Tag. Die Beiden verbringen einen gemütlichen Nachmittag miteinander und Liberace ist so sehr von dem jüngeren Mann angetan, dass er ihn wenig später fragt, ob er es sich vorstellen könnte, bei ihm zu leben. Scott wird Angestellter und Liebhaber von Liberace. Der einfache Junge hat plötzlich alles, doch wirklich glücklich ist er nur zu Beginn. Liberace will Scott nur für sich haben und seinen Lover sogar mittels plastischer Chirurgie zu seinem Ebenbild machen. Die glitzernde Fassade beginnt da schon mächtig zu bröckeln.

© dcm 2013

Michael Douglas beschenkt Matt Damon – © dcm 2013

Der neuste Streifen von Steven Soderbergh behandelt das Leben von Liberace, insbesondere die Beziehung zu dessen Geliebten Scott Thorsen, der über diese Zeit ein Buch mit dem Titel „Behind the Candelabra“ herausbrachte. Dies ist auch gleichzeitig der Titel im englischsprachigen Original. Das große Problem dieses Films ist, dass er über einen langen Zeitraum die Geschichte erzählt. Dies führt zwangsläufig zu ständigen Orts- und Zeitwechseln. Daraus resultiert wiederum, dass sich der Zuschauer ständig neu orientieren muss: Wo bin ich gerade? Wer ist zu sehen? Was ist gerade los? Die Geschichte wird zwar chronologisch erzählt; diese permanenten Sprünge bringen den Zuschauer aber ständig wieder vom Weg ab. Soderbergh filmt gerade in der zweiten Hälfte des Films häufig in Spiegel, was ein gelungenes Stilmittel angesichts der immer mehr zerbrechenden und unnahbaren Beziehung zwischen Liberace und Thorson ist. Liberace ist definitiv kein Pro-Film für plastische Gesichtschirugie. Im Verlauf des Films sieht man zwei Mal wie an Nasen und Gesichtszügen herumgehämmert und geschleift werden – nichts für schwache Nerven! Apropos Maske: In Sachen Liberace haben die Make-Up-Artists wirklich ganze Arbeit geleistet. Wenn man Michael Douglas von der Krankheit gezeichnet im Bett liegen sieht, läuft es einem kalt den Rücken herunter. Und nicht nur dann. Douglas schafft es mit seinem exzentrischen Auftreten samt Liberace-Stimme die Rolle wirklich glaubhaft zu verkörpern. Man ist sich zwar bei den Klavier-Szenen nicht immer sicher, ob das was er da gerade klimpert auch dem entspricht, was man hört, aber was soll’s. Douglas unterhält und das ist schließlich die Hauptsache. Matt Damon spielt mal wieder den schüchternen Typen vom Lande. Die Liebe zu Liberace nimmt man ihm anfangs nicht immer ab, was sich aber im Verlauf des Films legt. Damon schafft es die Entwicklung von Thorson zu zeigen, dessen trauriger Höhepunkt zweifellos das Zerlegen eines Zimmers ist. Die Traumsequenz am Ende des Films war irgendwie zu viel des Guten, aber gerade deshalb hätte es Liberace wahrscheinlich gefallen.

Biographie mit Macken (4/6)

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