UnREAL – 1. Staffel (OmU, 2015)

Szenenbild aus UnREAL - 1. Staffel - Rachel (Shiri Appleby) versucht die Szene zu optimieren. - © Lifetime

Heute mal eine Empfehlung für Freunde des gepflegten Trash-TVs. Wer THE BACHELOR mag, wird dieses Drama um die fiktive Dating-Reality-Show „Everlasting“ lieben. Vordergründig geht es natürlich um die große Liebe. Hinter den Kulissen wird aber manipuliert und intrigiert um durch die gezeigten Konflikte die Einschaltquoten in die Höhe zu treiben. Dafür bekommen die Mitarbeiter auch Boni für Polizeieinsätze oder einfach nur dafür, dass ihre Kandidatin am Ende vom Herzbuben auserwählt wird. Der begehrte Single ist dieses Mal Adam (Freddie Stroma). Die Produzentin Rachel (Shiri Appleby) hat am Set die moralisch fragwürdige Aufgabe, die einzelnen Kandidaten so zu beeinflussen, dass Konflikte vor der Kamera zu Tage treten. So manipuliert sie auf Anweisung ihrer Chefin Quinn (Constance Zimmer) nicht nur Adam, sondern auch die Teilnehmerinnen wie die verzweifelte Anna (Johanna Braddy) oder die alleinerziehende Mutter Mary (Ashley Scott). Dabei gerät Rachel immer wieder in Gewissenskonflikte.

Szenenbild aus UnREAL - 1. Staffel - Quinn (Constance Zimmer) - © Lifetime
Quinn (Constance Zimmer) – © Lifetime

Life imitates art

Marti Noxon und Sarah Gertrude Shapiro, die beiden Köpfe hinter UnREAL, haben sich das wahre Leben zum Vorbild ihrer bitterbösen Mediensatire genommen. Shapiro war von 2002 bis 2004 Produzentin bei THE BACHELOR und konnte deshalb ihre Erfahrungen in das Konzept der fiktiven Show „Everlasting“ einfließen lassen. Die Ironie von UnREAL ist, dass in der Show „Everlasting“ (engl. ewig, immerwährend) nichts wirklich von Dauer ist. Allianzen zerbrechen, Fakten werden verdreht und es wird manipuliert, was das Zeug hält. Das gilt aber nicht nur für die Momente vor der Kamera, sondern auch für die Intrigen hinter der Kamera. Da werden sexuelle Gefälligkeiten ausgetauscht, in der Hoffnung einen besseren Job am Set zu bekommen. Es werden Versprechungen gemacht, die dann am Ende nicht eingehalten werden. Im Prinzip ist UnREAL die doppelte Ladung Trash-TV und somit auch das doppelte Drama. Das muss man mögen. Mir war es manchmal etwas zu viel des Guten. Manche Wendepunkte wie etwa eine homosexuelle Kandidatin oder eine Kandidatin, die sich aufgrund von vertauschten Medikamenten umbringt, waren mir dann doch zu weit hergeholt.

Szenenbild aus UNREAL - 1. Staffel - Alles Inszenierung - © Lifetime
Inszenierte Privatsphäre am Set von „Everlasting“ – © Lifetime

Unbekannte Gesichter sorgen für Identifikation

Beim UnREAL-Ensemble war kaum jemand dabei, den ich kannte. Klar, Constance Zimmer und Creig Bierko waren mir noch aus BOSTON LEGAL ein Begriff, aber alle anderen Gesichter waren völlig neu. Das sorgt aber dafür, dass man besser in die Geschichte findet, weil man weniger vergleicht. Alle Schauspieler, ganz gleich welche Rollen sie spielen, verkaufen sich ausgesprochen gut. Und es gibt alles, was das Herz begehrt: den narzisstischen Moderator, den britischen Junggesellen, die liebestollen Kandidatinnen. Absolute Neuentdeckung ist für mich Shiri Appleby, die diese Mischung aus Faszination und Ekel für die eigene Arbeit gut aus ihrer Rolle herauskitzelt. Mal möchte man sie dafür hassen, was sie tut, aber man merkt auch selbst, dass man eigentlich doch irgendwie auf das Drama steht. UnREAL spiegelt so den eigenen Voyeurismus des Trash-TV-Zuschauers auf den Zuschauer zurück.

Bewertung: 4.5 von 6.

4.5/6 bzw. 7.5/10

Die erste Staffel UnREAL ist im Amazon Prime Abo enthalten.

Trailer: © Amazon Prime Video Deutschland

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