Silo – 3. Staffel (2026)

Apple TV+ war der erste Streamingdienst, der mich ein Jahr nach meiner Kündigung noch einmal gefragt hat, was er denn tun müsse, damit ich zurückkomme. Meine Antwort: „Eine dritte Staffel von SILO. Dann sind wir wieder im Geschäft.“ Und so kam es. Wieder zurück ist übrigens auch Juliette Nichols (Rebecca Ferguson) nach ihrem Ausflug ins Silo 17. Sie ist jetzt Bürgermeisterin von Silo 18, kann sich aber nicht mehr genau an ihre Rückkehr erinnern. Die Gesellschaft in Silo 18 erholt sich langsam von der Rebellion. Parallel läuft ein zweiter Erzählstrang in den sogenannten „Davor-Zeiten“, also der Zeit vor dem Leben in den Silos. Dort stoßen die Journalistin Helen Drew (Jessica Henwick) und der Kongressabgeordnete Daniel Keene (Ashley Zukerman) auf eine Verschwörung. Endlich erfährt man also, wie die Silos überhaupt entstanden sind.

Szenenbild aus SILO - Staffel 3 - Juliette (Rebecca Ferguson) versucht sich mithilfe von Gegenständen zu erinnern. - © Apple TV+
Juliette (Rebecca Ferguson) versucht sich mithilfe von Gegenständen zu erinnern. – © Apple TV+

Schon wieder Amnesie?

Ja, die „Hauptfigur erinnert sich nicht“-Storyline ist reichlich abgenutzt. Hat man jetzt schon ein paar Mal gesehen, und inzwischen lässt mich sowas eher genervt zurück, weil das einfach nur ein Mittel ist, um die Handlung etwas zu strecken. Hier funktioniert das aber trotzdem. Das liegt daran, dass die Serie ständig in der Zeit vor- und zurückspringt. Die Gedächtnislücken in der Gegenwart werden mit den neuen Infos aus den Davor-Zeiten ergänzt, wodurch man nicht die ganze Zeit mit Juliettes Erinnerungslücken konfrontiert ist. Inhaltlich passt das eh. Es geht in dieser Staffel sehr viel um Erinnerungen und darum, wie sehr sie einen Menschen ausmachen. Wer bin ich noch, wenn mein Gedächtnis fehlt? Wenn ich meine Freunde nicht mehr erkenne?

Szenenbild aus SILO - Staffel 3 - Head of IT: Camille (Alexandria Riley) - © Apple TV+
Head of IT: Camille (Alexandria Riley) – © Apple TV+

Die Davor-Zeiten

Der Erzählstrang um Ashley Zukerman und Jessica Henwick tut sich anfangs schwer, wie man sich denken kann. Erst müssen die neuen Figuren vorgestellt werden, dann deren Beziehungen zueinander. Das dauert. Und nicht jede Rückblende reißt einen sofort vom Hocker. Sitzfleisch ist also gefragt. Die beiden wachsen einem aber über den Verlauf der Staffel dann doch ans Herz. Und die Auflösung zur Entstehung der Silos ist auch wirklich überfällig. Die zweistufige Erzählweise folgt grob dem zweiten Band von Hugh Howeys Trilogie. Showrunner Graham Yost hat sich dabei nach eigener Aussage aber kreative Freiheiten genommen.

Szenenbild aus SILO - Staffel 3 - Die Journalistin Helen Drew (Jessica Henwick) und der Kongressabgeordnete Daniel Keene (Ashley Zukerman) - © Apple TV+
Die Journalistin Helen Drew (Jessica Henwick) und der Kongressabgeordnete Daniel Keene (Ashley Zukerman) – © Apple TV+

Das Beste kommt zum Schluss

Die Staffel besteht aus zehn Folgen. Und bei den ersten vier Folgen muss man wirklich durchhalten. Die erste Episode, die mich richtig begeistert und dafür gesorgt hat, dass ich mit offenem Mund vor dem Fernseher saß, war Episode 5 mit dem Titel „Memory“. Sie greift die offenen Fragen aus den ersten vier Folgen auf und wirft sofort neue auf. Wie schon beschrieben, man braucht in dieser Staffel also etwas Durchhaltevermögen. Ab „Memory“ stimmt das Erzähltempo dann aber wirklich. Es zieht langsam an und die Puzzleteile passen immer mehr zusammen. Hervorzuheben sind auch Episode 9 „Farewell“ und das Finale „Troy“, in dem noch einmal die gesamte Geschichte einen ganz neuen Dreh bekommt. Außerdem bekommt man mit der Finalfolge endlich das Innenleben eines weiteren Silos zu sehen.

Szenenbild aus SILO - Staffel 3 - Juliette (Rebecca Fergusson) versucht sich zu erinnern. - © Apple TV+
Juliette (Rebecca Ferguson) versucht sich zu erinnern. – © Apple TV+

Handwerklich wieder toll gemacht

Die Ausstattung und die Special-Effects-Abteilung waren in dieser Staffel enorm gefordert, schließlich mussten gleich zwei Zeitebenen bespielt werden. Die Teams haben einen fantastischen Job gemacht. Beide Welten wirken organisch und echt. Nichts riecht nach Kulisse. Die enge, metallische Gegenwart des Silos bleibt so klaustrophobisch wie gewohnt. Die Davor-Zeiten haben eine ganz eigene Tonalität, ohne dass die Serie auseinanderfällt. Man weiß jederzeit, wo man gerade ist. SILO liefert eine starke dritte Staffel ab, die sich nur zu Beginn etwas ziert. Wer die ersten Folgen durchsteht, bekommt Antworten, Tempo und ein packendes Finale, das Lust auf Staffel 4 macht.

Die vierte und finale Staffel wird im Sommer 2027 ausgestrahlt.

8/10

Bewertung: 8 von 10.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert