England im 11. Jahrhundert. Der junge Rob Cole (Tom Payne) wächst bei seiner Mutter und mit seinen zwei jüngeren Geschwistern auf dem Land auf. Eines Nachts wird Rob von seiner von Schmerzen schreienden Mutter geweckt, und der kleine Junge spürt nur durch Abtasten, dass sie in Kürze sterben wird. Da kann selbst ein Bader (Stellan Skarsgård) nicht mehr helfen, der sich gerade in der Nähe befindet. So werden am nächsten Morgen die zwei Geschwister weitergegeben, während Rob sich dem Bader anschließt, mit dem er nun England bereist und etwas medizinische Hilfe unter die Leute bringt. Als Rob Jahre später von einem berühmten Universalgelehrten mit dem Namen Ibn Sina (Ben Kingsley) hört, möchte er bei diesem lernen und so zu einem richtigen Medicus werden. Doch der lebt in Persien, und die Reise von England dorthin ist vor allem für einen Christen sehr gefährlich. Denn ab Ägypten beherrschen Muslime das Gebiet und dulden dort keine anderen Religionen außer ihrer eigenen und jener der Juden. So gibt sich Rob als Jesse ben Benjamin aus und begibt sich mit ein paar Juden auf eine gefährliche Reise.

© Universal Pictures Germany

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Mit dem Medicus hat sich Regisseur Philipp Stölzl an die Verfilmung eines Welt-Beststellers herangemacht. Dementsprechend hoch waren die Erwartungen. Der Medicus ist alles in allem eine runde Sache. Die Geschichte wird weder zu abgehetzt, noch zu langweilig erzählt. Dies liegt auch daran, dass es im Film nicht nur einzig und allein um den Waisenjungen Rob und seinem wachsenden Interesse für die menschliche Anatomie geht, sondern, dass es weitere Parteien gibt, die immer wieder ihre eigenen Interessen durchsetzen wollen. So gibt es den einflussreichen und kaltherzigen Regenten Shah Ala ad-Daul, glaubhaft gespielt von Olivier Martinez, der alles tut um seine Macht zu sichern. Dafür geht er auch über Leichen. Meister Ibn Sina möchte einfach nur den Menschen helfen und sein Wissen weitergeben. In politische Angelegenheiten mischt er sich nicht ein. Die Ruhe und Gelassenheit verkörpert Ben Kingsley wie kein Zweiter. Ganz anders ist da sein energischer Schützling Jesse, der zu allem eine Meinung hat. Tom Payne gibt überzeugend den Titelhelden, der sich als Überlebenskünstler mit Herz erweist. Die Liebesbeziehung zu Rebecca (Emma Rigby) bekommt ihre Zeit sich zu entwickeln und wirkt zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt. Auch Elyas M’Barek ist noch lobend zu nennen, der mal wieder in seiner Paraderolle des liebenswerten Draufgängers punktet. Am Cast lässt sich also schwerlich meckern.

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An der Kamera auch nicht. Die fantastischen Landschafts- und Stadtansichten sind gleichermaßen etwas für das Auge wie das tosende Schlachtengetümmel. Die Kamera wackelt nicht und bleibt genauso ruhig wie die Geschichte, die sie zeigt. Die Sets sind detailliert gestaltet, was man schon in der ersten Einstellung unschwer erkennen kann. Das dreckig-arme Mittelalter Englands ist genauso greifbar wie die farbenfrohe Lebenswelt Persiens. Ein weiteres Loblied ist noch auf das Make-up-Department zu singen, die sich gerade bei den ganzen Krankheiten regelrecht austoben konnten. Allzu zart besaitete Zuschauer werden die angesengte Hand des Baders, den abgeschnittenen Zeh sowie die Blasen der Pest noch nach dem Kinobesuch im Kopf haben. Der epische Soundtrack von Ingo Frenzel unterstützt die Handlung ohne aufdringlich zu werden. Klar, die eine oder andere Minute der 150 Minuten Laufzeit hätte man sicherlich noch kürzen können, aber im Großen und Ganzen ist der Medicus Mittelalter-Kino wie man es sich wünscht.

Bildgewaltige Buchverfilmung mit tollem Cast (5.5/6)

Trailer: © Universal Pictures