Es gibt Serienstaffeln, da wünscht man sich hinterher sie nicht gesehen zu haben. Nicht, weil man plötzlich die Figuren nicht mehr liebt, sondern weil die Qualität einfach enorm absackt und weil sich so viele Dinge verändern. Die dritte Staffel von THE FALL ist so. Hier wird alles Etablierte auf den Kopf gestellt, wohl in der Hoffnung einen packenden Twist zu generieren. Geklappt hat das nicht besonders.

Paul (Jamie Dornan) – © BBC

Nachdem Paul (Jamie Dornan) im Finale der zweiten Staffel angeschossen wurde und in Stellas (Gillian Anderson) Armen  liegt, läuft die Rettungsaktion an. Paul wird ins Krankenhaus gebracht. Sein Entführungsopfer Rose Stagg (Valene Kane) kann noch lebend geborgen werden. Paul überlebt ebenfalls, leidet aber unter einer Amnesie. Er kann sich an die Morde nicht mehr erinnern und Stella muss nun beweisen, dass Paul nicht nur simuliert. Abschließend soll der Psychologe Dr. Larson (Krister Henriksson) herausfinden, was mit Paul nicht stimmt.

THE FALL 3: Plötzlich fehlt das Essenzielle

Die dritte Staffel hätte eigentlich ein würdiger Abschluss sein sollen. Leider bleibt nach der letzten Folge ein schales Gefühl zurück. Denn in der dritten Staffel verlässt die Reihe die ursprüngliche Versuchsanordnung und geht narrativ neue Wege. Das heißt insbesondere, dass die dritte Staffel weniger Wert auf das Verhältnis zwischen Männern und Frauen, Macht und Machtmissbrauch legt und sich ganz dem Kriminalfall verschreibt, der zwei Staffeln lang aufgebaut wurde.

THE FALL, Staffel 3 - Paul (Jamie Dornan) in der Klinik - © BBC

Paul (Jamie Dornan) in der Klinik – © BBC

Dadurch verliert die Serie aber genau den gesellschaftlichen Subtext, der die ersten beiden Staffeln so spannend machte. Insbesondere die Rolle des Paul Spector lässt hier ordentlich zu wünschen übrig. Zwei Episoden lang liegt Jamie Dornan mit freiem Oberkörper in irgendeiner Notaufnahme und wird operiert. Auch als die Amnesie seine Figur deutlich wird,  lässt die Langeweile nicht nach. Man hätte das spannender erzählen können, indem man beispielsweise Pauls Aussagen in Zweifel zieht. Wenn man als Zuschauer das Gefühl hätte, dass Paul nur simuliert, wäre man automatisch aufmerksam bei der Sache und würde Dornan regelrecht an den Lippen kleben. Stattdessen muss Jamie Dornan seine Figur stringent und ohne Abweichung durchspielen. Ohne einen Zweifel an der Echtheit der Amnesie zu wecken.

Dienst nach Vorschrift

Es fehlt schlichtweg am Katz-und-Mausspiel, an einen Kampf zweier gleich starker Kontrahenten. Auch Gillian Anderson bleibt vergleichsweise schwach und fällt hauptsächlich dadurch auf, dass sie ihre Dialoge in einem schwachen Flüsterton vorträgt. Es findet auch kein innerer Konflikt statt. Es ist Dienst nach Vorschrift.

The Fall, Staffel 3 - Stella Gibson (Gillian Anderson) - © BBC

Stella Gibson (Gillian Anderson) – © BBC

Ich habe mir einen schlüssigeren Abschluss gewünscht und die Staffel hatte durchaus das Potential dazu. Stattdessen bleiben Fragen offen. In den letzten Folgen dreht Paul so richtig am Rad, man weiß nicht so genau warum, denn er verhält sich völlig gegensätzlich zu seiner vorangegangenen Charakterisierierung. Die Staffel wurde ganz offensichtlich von lustlosen Autoren geschrieben. Oder sie wollten die Geschichte möglichst schnell abschließen – egal wie. Ich finde, dass die Figuren ein besseres Ende verdient hätten.

4/6 bzw. 7/10

Trailer: © BBC