Ridley’s Rächer

Robin Hood ist eine der legendären Figuren, deren Geschichten man immer wieder gern neu erzählt. Und so wie jeder einen Lieblings-Bond oder –Sherlock hat, gibt es auch für jeden Geschmack einen Robin Hood. In einer neueren Adaption erzählt Regisseur Ridley Scott die fiktive Vorgeschichte des → Rächers der Enterbten. Hier kämpft Robin Longstride (Russell Crowe) an der Seite von König Richard Löwenherz, der gerade auf dem Rückweg nach England ist. Da Robin in der Gegenwart des Königs den Kreuzzug und das sinnlose Blutvergießen anprangert, werden er sowie seine Mitstreiter Little John (KevinDurand), Alan A’Dayle (Alan Doyle) und Will Scarlett (Scott Grimes) in den Pranger gespannt. Bei dem Versuch eine französische Burg einzunehmen, wird der König tödlich getroffen.  Ein junger Soldat befreit daraufhin die Gepeinigten.  Robin entschließt sich, das Heer zu verlassen und eigene Wege zu gehen, die drei anderen folgen ihm. In der Zwischenzeit findet ein Geheimtreffen des englischen Feldherrn Godfrey (Mark Strong) mit Philipp, dem König von Frankreich, statt. Beide planen den König auf dem Rückweg nach England zu töten. Godfrey soll sich danach das Vertrauen von Richards Bruder und Nachfolger Prinz John (Oscar Isaac) sichern und gleichzeitig das englische Volk zum Bürgerkrieg aufwiegeln, um dem Franzosenkönig eine  Invasion in England zu ermöglichen. Der Plan misslingt: Die Soldaten Godfreys töten zwar die englischen Ritter, die dem Heer voranreiten, doch statt des Königs führte der Trupp nur die königliche Krone mit, um sie zurück nach London zu bringen. Robin, Will Scarlett, Little John und Alan A’Dayle können Godfreys Männer vertreiben und die Krone an sich nehmen. Ein sterbender englischer Ritter namens Sir Robert Loxley (Douglas Hodge), ein Adjutant König Richards, vertraut Robin dabei sein Schwert an und äußert als letzte Bitte, seinen Vater in England, Sir Walter Loxley von Nottingham (Max von Sydow), von seinem Tod zu berichten und ihm das wertvolle Schwert zu übergeben. Robin Longstride übernimmt den Namen des Toten und gelangt mit seinen Männern so nach London. Hier übergibt er die Krone an Eleonore von Aquitanien (Eileen Atkins), Richards Mutter, die wiederum ihren jüngsten Sohn John zum neuen König ernennt. John agiert politisch ungeschickt und unbarmherzig, da er dem durch die Kosten von Richards Kriegen schon stark belasteten Land eine weitere Steuererhöhung aufbürdet und den alten, Richard-treuen Schatzkanzler entmachtet und durch Godfrey ersetzt, der ohne Johns Wissen beginnt brutal Steuern in den Grafschaften einzutreiben. Robin erreicht derweil Nottingham, wo er nicht nur Loxley vom Tod seines Sohnes berichtet, sondern auch Roberts Witwe Marion Loxley (Cate Blanchett) kennen lernt. Sir Walter Loxley bittet Robin daraufhin, sich als sein verstorbener Sohn Robert auszugeben, um zu verhindern, dass die andernfalls als Witwe geltende Marion enteignet wird. Robins „Ehefrau“ ist davon alles andere als begeistert, willigt aber gezwungenermaßen ein. Godfrey findet währenddessen heraus, dass Robin in Nottingham untergetaucht ist und möchte ihn, als Zeugen des Attentats, umbringen.

 

König John (Oscar Isaac) – © Universal Pictures

Obwohl Scott dabei auf ein namenhaftes Ensemble zurückgreifen kann, kann die Mehrheit des Castes wenig Profil zeigen. Die Figuren wirken weitestgehend fadlos und austauschbar. Mark Strong gibt zwar einen guten Schurken ab, dennoch fragt man sich nach seiner Motivation. Woher kommt das Streben nach Macht? Gleiches gilt für König Oscar Isaac. Zudem wird auch die Storyline zu dessen neuer Frau in zwei Sätzen abgehandelt. Das ist einfach schade, weil die Story durchaus das Zeug zum Blockbuster hat. Das Liebespaar Crowe-Blanchett sorgt für einige amüsante Momente, was besonders Marians Zynismus und Selbstbewusstsein geschuldet ist. Ohnehin ist ihre Lady Marian kein passiver Love Interest, sondern hilft beherzt, greift in das Geschehen ein und macht sich auch die Hände schmutzig. Robin bekam vom Drehbuchautor ein Kindheitstrauma spendiert. Blöderweise fungiert dieser Handlungsstrang aber nur als Mittel zum Zweck, da Loxley die Kindheitsgeschichte als Druckmittel benutzt, damit Robin am Hof bleibt. Erst als sich zwischen Robin und Marion eine zarte Liebesgeschichte anbahnt, erzählt er Robin von seiner Vergangenheit. Zweifelhaft ist auch, warum gerade Loxley derjenige ist, der von Robins Vater weiß.

Godfrey (Mark Strong) – © Universal Pictures

Von einer Bande geschweigedenn einer Gruppe von Getreuen Robin Hoods kann hier auch keine Rede sein. Jeder kämpft weitesgehend für sich und obwohl Figuren wie Little John oder Bruder Tuck vorgestellt werden, haben sie wenig Bezug und Bedeutung für die Geschichte im Ganzen.  Insgesamt wirkt der Film auch eher wie die Vorgeschichte für einen eigenen Robin-Hood-Film. → Imdb sagt, es war auch ursprünglich ein Sequel geplant, dass dann aber aufgrund des schlechten Einspielergebnisses nicht verwirklicht wurde. Das immer wieder zelebrierte Musizieren und Gesinge erinnert stark an die Hobbits im Auenland. Das große Problem des Films ist die Länge. Die fast zweieinhalb Stunden ziehen sich besonders in der letzten Hälfte wie Kaugummi. Desweiteren liegt der Fokus weniger auf den einzelnen Charkteren, sondern auf bildgewaltigen Schlachten und gut durchchoreografiertem Gemetzel. Dabei wird aber auch gerne mal die Plausibilität der Handlung dem Effekt geopfert. Trauriger Höhepunkt ist dann der Tod eines Bösewichts, der aus 2 Kilometer Entfernung einen Pfeil in den Hals bekommt. Das ist schlichtweg nicht möglich, kein Mensch kriegt das hin, auch nicht Robin Hood.

(3.5/6)

Trailer: Universal Pictures Germany