Flinke Finger

Die Schreibmaschine gilt zwar heute als antiquiert, hat aber viel in Gang gebracht. Nicht zuletzt die Frauenbewegung hat von der Erfindung der Schreibmaschine profitiert, denn nun konnten auch Frauen in höheren Etagen arbeiten. Die Arbeit als Sachbearbeiter oder Sekretär war bislang nur Männern vorbehalten. Deshalb verlässt auch Ende der 50er Jahre die junge Rose Pamphyle (Déborah François) die französische Kleinstadt und bewirbt sich auf die Sekretärinnenstelle des Versicherungsvertreters Louis Échard (Romain Duris). Obwohl sie nur mit zwei Fingern auf der Schreibmaschine herumtippt, ist sie unglaublich schnell. Louis stellt sie eine Woche auf Probe ein, doch außer dem Maschineschreiben hat Rose wenig Talent als Sekretärin. Am Ende der Woche ist klar, dass Rose nicht für den Job geeignet ist, allerdings gibt ihr Louis noch eine letzte Chance. Sie soll an der Regionalmeisterschaft im Maschineschreiben 1958 teilnehmen und bei einem Sieg den Job behalten. Aufgrund ihres Zwei-Finger-Systems hat sie gegen die Konkurrenz aber keine Chance. Rose will schon wieder ihre Sachen packen, da macht ihr Échard ein neues Angebot: er möchte sie für die nächste Regionalmeisterschaft trainieren. Rose nimmt das Angebot an und erlernt mühsam das Zehn-Finger-Schreiben. Parallel dazu nimmt sie Klavierunterricht bei Louis’ früherer großer Liebe Marie (Bérénice Bejo), die mit Louis‘ amerikanen Freund Bob (Shaun Benson) verheiratet ist. Rose verliebt sich in ihren Chef, der seine Gefühle allerdings für sich behält. Als Rose die Meisterschaft gewinnt, wird sie von der Schreibmaschinenmarke Japy als Werbegesicht angeworben. Für sie entwickelt Japy eine rosafarbene Schreibmaschine, mit der sie sich schließlich auf die Weltmeisterschaft vorbereitet. Dort kommt es schließlich zum märchenhaften Finale.

Rose Pamphyle (Déborah François) und Louis Echard (Romain Duris) trainieren für den Wettbewerb – © Studiocanal

„Populaire“ war tatsächlich einmal der Name einer bekannten französischen Schreibmaschine. Der Zeitgeist wird besonders durch die schönen Kostüme und den brillianten → Soundtrack unterstrichen von dem besonders Leory Andersons melancholisches Instrumentalstück „Forgotten Dreams“, Jacqueline Boyers „Le Tango des Illusions“ und Jack Arys „Les secrétaires Cha Cha Cha“ im Ohr bleiben und Nostalgie verbreiten. Das Verhältnis zwischen Mann und Frau wird immer wieder thematisiert. Louis und weitere Männerfiguren sehen in der Frau immer noch das Heimchen am Herd und machen dementsprechend  – aus heutiger Sicht – politisch unkorrekte Aussagen. Doch Rose lässt sich das nicht gefallen und kommentiert frech „Ein Mann, der kocht. Das ist höchst modern.“ als Louis mit einer Kochschürze vor ihr steht. POPULAIRE ist ein Märchenfilm. Rose ist die leicht verplante, aber trotzdem charmante Prinzessin, während Louis der Prinz mit dem erfolgreichen Job ist, welcher der Prinzessin auf die Beine hilft und die Finger schaut.

© Studiocanal

Natürlich passt sich die Narration dem Märchen an, daher verhalten sich besonders Rose und Louis dem Genre entsprechend unlogisch. So ganz wird nicht deutlich, warum genau Échard sich überhaupt zu Beginn für Rose interessiert, schließlich ist rasch klar, dass sie als Sekretärin nicht zu gebrauchen ist. Und einfach eine Sekretärin einzustellen, die unter Umständen eventuell einmal die Meisterschaften im Maschineschreiben gewinnen könnte, ist sehr optimistisch. Er habe ihr nur helfen wollen, wird vom Film als Erklärung geliefert, mehr nicht. Romain Duris und Déborah François geben trotzdem ein süßes Paar ab, auch wenn die Wirrungen und Wendungen, die ihre Figuren zu erleiden haben, teilweise zu gewollt wirken. Alles in allem ist es aber eine solide Liebeskomödie, die Lust macht zu träumen.

Nostalgische Liebesgeschichte (4/6)

Trailer: © Studiocanal