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Kritiken zu Filmen, Serien und NT Live-Übertragungen

Komödie, Musikfilm

Pitch Perfect 2 (2015)

© Universal Pictures

Another Acappella Movie

Drei Jahre sind inzwischen vergangen als PITCH PERFECT zu Überraschungshit an den Kinokassen wurde. Zeit also für ein Sequel. In den drei Jahren haben die Barden Bellas unter der Leitung von Beca (Anna Kendrick) erfolgreich ihren Titel bei den nationalen Meisterschaften verteidigt und dürfen nun vor dem Präsidenten singen. Der Auftritt geht allerdings fürchterlich schief und die Bellas blamieren sich. Neben der Medienschelte folgt auch eine weitere Strafe: sie werden disqualifiziert, Auftritte werden abgesagt, neue Mitglieder dürfen sie nicht aufnehmen. Die einzige Möglichkeit ihren Ruf wieder herzustellen, ist die Weltmeisterschaft im Acappella-Singen in Kopenhagen. In die angespannte Lage platzt die neue Studentin Emily (Hailee Steinfeld), die unbedingt Mitglied bei den Bellas werden möchte, da bereits ihre Mutter in dem Chor gesungen hat. Als auch weitere Auftritte floppen, ist die Stimmung auf dem Tiefpunkt und die Bellas müssen sich neu erfinden.

© Universal Pictures

Goldene Regel bei einer Daily-Soap: Erzähle nie mehr als drei Handlungsstränge, sonst verwirrst du deinen Zuschauer! Leider wurde es hier mit Handlung ziemlich übertrieben: Es gibt Beca, die in einer Sinnkrise steckt; Cloe (Brittany Snow), die aus Zukunftsangst keinen Abschluss macht; Bellas-Neuzugang Emily, die neu in die Gruppe finden muss; plötzlich taucht ein Acappella-Fan auf, der Battles veranstaltet; Fat Amy (Rebel Wilson) entdeckt Gefühle für einen Jungen und last but not least gibt es die allgemeine Sorge über den Fortbestand der Bellas, der permanent in Gefahr ist. Selbst wenn man schlecht in Mathe war, erkennt man schnell, dass die Rechnung nicht aufgeht. Gespickt wird die Story wieder mit den immer gleichen Witzen über die Körpergröße von Anna Kendrick, Peinlichkeiten und Vulgaritäten. Dies hat aber mit einer Grundsatzentscheidung im Storytelling zu tun. Produzent Max Handelman sagte: „Deshalb standen wir bei PITCH PERFECT 2 vor einem grundsätzlichen Problem, denn am Ende des ersten Films gewinnen die Bellas die Landesmeisterschaft. Im Finale präsentieren sie eine phänomenale Performance – also mussten wir uns etwas ausdenken, um wieder Underdogs aus ihnen zu machen … obwohl doch jedermann genau weiß, wie extrem begabt sie sind.“ Aber genau das ist das Problem. Man wiederholt einfach den Vorgängerfilm anstatt den Gewinn der Landesmeisterschaft als Ausgangspunkt für etwas Neues herzunehmen.

© Universal Pictures

Obwohl Elizabeth Banks Regie führte, ist sie auch weiterhin als gehässige Kommentatorin Gail zu sehen. Zusammen mit John Michael Higgins bilden die beiden ein absolutes Traumpaar. Sie werfen sich die Gags hin und her und Gail kommentiert die sexistischen Äußerungen („Ihr seid nur Frauen und ihr werdet alle bald schwanger sein.“) mit süffisanten verbalen Gegenangriffen, die häufig entlarven was für ein Idiot John ist. Als er behauptet der Kampf zwischen der deutschen und dem amerikanischen Gruppe sei der schlimmste Konflikt in der amerikanischen Geschichte empfiehlt ihm Gail schlicht einen Blick in ein Geschichtsbuch. Weiter punkten kann der Film mit Cameos, so sind unter anderem Michelle und Barack Obama zu sehen (auch wenn man hier auf Archivmaterial zugegriffen hat) und Rapper Snoop Dogg, der in der Produktionsfirma, in der Beca ihr Praktikum macht, ein Weihnachtsalbum aufnehmen soll.

© Universal Pictures

Ein Wort noch zur deutschen Sprache und damit insbesondere zu Flula Borg. Der gebürtige Erlanger und Youtube-Star hat einen dermaßen üblen deutschen Akzent, den man ganz besonders auch beim Singen hört (beim Rappen ist es annehmbar) und eher zum Lachen oder Fremdschämen animiert → Youtube-Interview und Filmszene zur Veranschauuung. Zudem war man bei der Namensgebung für die deutsche Konkurrenz wenig kreativ: Das Soundmachine. Ein deutscher Artikel macht noch kein Feuerwerk. Trotz überzeugendem Soundtrack und einigen Highlights hat PITCH PERFECT 2 aber keine klare Linie.

Tolle Lieder, aber überladene Story und einem Akzent zum Davonlaufen (3.5/6)

Trailer: © Universal

  1. Jep, der Akzent hat mich auch unheimlich aufgeregt. Besonders, weil es den im Deutschen ja auch gibt, was irgendwie absolut keinen Sinn macht.
    Und bei den Handlungssträngen bin ich ganz bei dir, genau das hatte ich in meiner Rezension auch bemängelt. Da fehlt es einfach an Tiefe.
    Der Humor war aber wieder großartig und die Songs wirklich schön! 🙂

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