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Begeisterung für Filme, Serien und Theater

Abenteuerfilm, Action

Jurassic World (3D, 2015)

© Universal Pictures

Wir brauchen mehr Zähne!

22 Jahre nach Steven Spielbergs JURASSIC PARK kommt nun JURASSIC WORLD in die Kinos, der unmittelbar an den Film anschließt. Die Vison eines dinosaurierbasierten Themenparks ist Wirklichkeit geworden. Mehrere zehntausend Besucher befinden sich jeden Tag in „Jurassic World“ auf der fiktiven Insel Isla Nublar und bestaunen die Vielfalt der dort lebenden Dinosaurier. Doch der Park ist eine Aktiengesellschaft und gehört dem schwerreichen Simon Masrani (Irrfan Khan). Dieser ist immer wieder in Zugzwang, denn die Aktionäre erwarten steigende Besucherzahlen und die erreicht man nur durch immer ausgefallenere Arten, die im inseleigenen Entwicklungslabor unter der Aufsicht von Genetiker Dr. Henry Wu (BD Wong) gezüchtet werden. Für den reibungslosen Ablauf sorgt die Karrierefrau Claire (Bryce Dallas Howard), die von ihren Neffen Zach (Nick Robinson) und Gray (Ty Simpkins) auf der Insel besucht wird. Anstatt sich aber um die Beiden zu kümmern, stellt sie eine Aufpasserin ein, die Zach und Gray im Auge behalten soll. Zeitgleich wird ein neuer Dinosaurier in seinem Gehege ausgesetzt: der Indominus Rex (lat. für „unzähmbarer König“). Weil die neue Sehenswürdigkeit größer wurde als gedacht, soll der Raptoren-Trainer und Dino-Spezialist Owen (Chris Pratt) das Gehege auf Schwachstellen untersuchen. Doch kaum vor Ort müssen Claire und Owen feststellen, dass der Dinosaurier schlauer ist als gedacht. Er kann sich aus seinem Gehege befreien und macht sich kurzerhand auf Menschenjagd. Zach und Gray seilen sich derweil von ihrer Aufpasserin ab und erkunden den Park auf eigene Faust. Als Claire dies erfährt, versucht sie zusammen mit Owen alles um ihre Neffen in Sicherheit zu bringen und die Parkbesucher vor dem ausgebrochenen Dinosaurier zu beschützen.

© Universal Pictures

Auch ohne großes Vorwissen ist es möglich, JURASSIC WORLD anzusehen. Immer wieder wird John Hammond erwähnt, aber wer das ist, das kann man sich zur Not auch zusammenreimen. Newcomer Colin Trevorrow gelingt es den Zuschauer ins Staunen zu bringen. Die gigantischen Riesen und die unterschiedlichen Settings laden zum Träumen ein. Tatsächlich stellt der Film auch unterschwellig interessante Fragen. An einer Stelle heißt es „Ausgestorbene Tiere haben keine Rechte“. Immer wieder wird versucht, ausgestorbene Arten mittels Genmaterial „zurückzuholen“. Im letzten Jahr wurde versucht → ein Mammut zu züchten. So ganz abwegig ist die Frage nach dem Umgang mit ausgestorbenen Arten also nicht. Allerdings bleiben solche Fragestellungen aufgrund des starken Fokus auf den Unterhaltungswert unbeantwortet. Der Cast besteht hauptsächlich aus ehemaligen MARVEL-Helden: Chris Pratt ist einer der GUARDIANS OF THE GALAXYBryce Dallas Howard spielte Gwen Stacy in SPIDERMAN 3 und Ty Simpkins unterstützte IRON MAN in dessen dritten Abenteuer. Allerdings machen alle drei weitaus bessere Figuren als in ihren jeweiligen MARVEL-Filmen. Besonders Chris Pratt kann hier als Raptoren-Dompteur und Parkranger glänzen.

Owen und Claire untersuchen das zerstörte Transportmittel – © Universal Pictures

Natürlich gibt es bei einem Blockbuster dieser Art immer auch etwas zu meckern. Zum einen hat der Film ein sehr simples Verständnis, was die Geschlechterrollen angeht (siehe auch den → Artikel von Filmlöwin). Claire leitet zwar den Park, ist also das was man gemeinhin „Frau in einer Führungsposition“ nennt, ist damit aber heillos überfordert und verfällt schnell in hysterisches Gehabe. Der einzig Vernünftige im Park ist Owen, was schnell dazu führt, dass man ihn sympathischer wahrnimmt. Selbst die Kinder sagen in einer Szene, sie seien froh, dass er ihnen nicht von der Seite weicht. Einen interessanten Blickwinkel bietet auch der „erweiterte Bechdeltest“ der feministischen Bloggerin MaryAnn Johanson, bei dem der Film ebenfalls negativ abschnitt. (→ Where are the women? – Jurassic World)

Natürlich ist auch wieder ordentlich Product-Placement zu sehen. Alle Autos im Park sind von der Marke Mercedes und auf der Insel gibt es ein Samsung Innovation Center. Allerdings sei das auch von den Drehbuchautoren und dem Regisseur so gewollt um die Privatisierung und Kommerzialisierung des Parks zu verdeutlichen. Das ist zwar ein gutes Argument, aber ob man das tatsächlich glaubt, sei jedem selbst überlassen. Desweiteren enthält der Film kleinere Logiklöcher, die hauptsächlich mit Gadgets zu tun haben. Nach dem Sprung in einen Fluss funktionieren beispielsweise die Streichhölzer von Zach noch einwandfrei und Claire hat urplötzlich eine Leuchtfackel in der Hand, die in der Einstellung vorher noch nicht darin war. Auch die Frage, warum man im Kontrollzentrum die Herztöne des Sicherheitsteams angezeigt bekommt, ist fragwürdig. Wer sich hierüber aber keine Gedanken macht, bekommt Popcorn-Kino vom Feinsten.

Guter Sommerblockbuster-Unterhaltung (5/6)

Trailer: © Universal Pictures

  1. Ich würde jetzt nicht sagen wollen, Claire ist heillos überfordert, weil sie eine Frau ist. Masrani ist ja nicht minder überfordert. Alle sind überfordert mit dem Ausbruch des Dinosauriers, bis auf Chris Pratt. Und das Masrani weniger hysterisch ist, erklärt sich durch sein Mantra, dass man beruhigter lebt, wenn man akzeptiert, dass man nichts unter Kontrolle hat. Ich finde die Kritik an der Geschlechterrolle etwas weit hergeholt, Claire agiert nicht weniger aufgelöst als Gennaro in Teil 1 angesichts der Umstände. Und Pratt agiert vermutlich ruhiger, weil er Militär ist und derartige Situationen „gewöhnt“ (siehe hierzu auch D’Onofrios Figur). Grundsätzlich stimme ich aber zu, dass der Film mehr Frauenfiguren vertragen könnte. Genauso wie eine größere ethnische Durchmischung. Bis auf Khan und Sy sind ja alle weiß.

    • Wie du siehst, fällt es in meiner Bewertung auch nicht so derart heftig ins Gewicht wie bei anderen. Der Vollständigkeit halber wollte ich es aber erwähnen, ganz besonders weil ja im Moment eine „Frauen im Film“-Debatte geführt wird.

    • Vor allem könnte der Film mehr Dinosaurier vertragen.
      Aber wenn die Ethnien interessieren, B.D. Wong und Brian Tee spielen auch sichtlich mit.

      Claire ist mit hohen Schuhen im Sprint auch schneller als ein gewisser Dinosaurier, @Logik.

      • Ja stimmt, das mit den High Heels habe ich noch vergessen bei den Logiklöchern. Danke für die Ergänzung.

  2. Tolle Review! Schade, dass ich diese Seite erst jetzt entdeckt habe, denn du scheinst einen großartigen Filmgeschmack zu haben 😉
    Die Logikfehler sind natürlich schade, aber sie tun der Unterhaltung keinen Abbruch. Gerade die Anlehnungen an den ersten Film der Jurassic-Reihe haben bei mir ein Nostalgie-Gefühl bewirkt, was ich wirklich schön fand.

  3. Schöne Kritik!! Tolle Seite =)

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