Hat es eine Fortsetzung zu JUMANJI gebraucht? Wahrscheinlich nicht. Dennoch läuft sie jetzt im Kino und aus Ermangelung eines anderen „Kleinster-gemeinsamer-Nenner-Films“ wurde ich von einem Bekannten ins Kino entführt. Wie schon der Vorgänger spielt die Geschichte im fiktiven Ort Brantford, New Hampshire.

Szenenbild aus JUMANJI: WILLKOMMEN IM DSCHUNGEL (2017) - Die beliebte Bethany (Madison Iseman) findet sich plötzlich in der Haut des Professors Shelly Oberon (Jack Black) - © Sony Pictures Germany

Die beliebte Bethany (Madison Iseman) befindet sich plötzlich in der Haut des Professors Shelly Oberon (Jack Black) – © Sony Pictures Germany

Beim Nachsitzen entdecken der schmächtige Spencer (Alex Wolff), Football-Spieler Anthony „Fridge“ Johnson (Ser’Darius Blain), die instagrammsüchtige Bethany (Madison Iseman) und die unsportliche Außenseiterin Martha (Morgan Turner) ein altes Konsolenspiel. Doch kaum haben die Vier ihre Figuren ausgewählt und die Controller in der Hand, werden sie in das Spiel hineingesaugt. In dieser ungastlichen Umgebung bekommen es die Schüler mit einer Horde Nashörnern, Schlangen und einer Vielfalt an Dschungel-Fallen und -Puzzeln zu tun. Spencer wird zum Abenteurer Dr. Smolder Bravestone (Dwayne Johnson), „Fridge“ zum Zoologen und Waffenspezialisten Moose Finbar (Kevin Hart) und Martha wird zur Kämpferin Ruby Roundhouse (Karen Gillan). Die größte Verwandlung macht die eitle Bethany durch. Sie wird zum Kartografen Shelly Oberon (Jack Black). Verfolgt wird die Truppe zudem von Söldner Russel Van Pelt (Bobby Cannavale) und seinen Schergen.

JUMANJI: WELCOME TO THE JUNGLE – ein zeitgemäßes Update

Die Rahmenhandlung, in der die stereotypen Teenager vorgestellt werden, ist ziemlich lahm erzählt. Gerade als ich mental auf Durchzug schalten wollte, verschwinden die Jugendlichen im Spiel. Ab hier beginnt der Film endlich Spaß zu machen. Das liegt hauptsächlich an einem fantastischen Ensemble. Die Chemie zwischen Karen Gillan, Dwayne Johnson, Kevin Hart und Jack Black ist dermaßen gut, dass sich die gute Laune unheimlich schnell auf das Publikum überträgt.

Szenenbild aus JUMANJI: WILLKOMMEN IM DSCHUNGEL (2017) - Gruppenbild - © Sony Pictures

Die Gruppe trifft auf Jefferson „Seaplane“ McDonough/Alex (Nick Jones) – © Sony Pictures

Auch die Besetzung von Jack Black auf eine „Frauenrolle“ passt perfekt, auch wenn man hier fragen muss, ob es umgekehrt – ein männlicher Spieler wird zu einer weiblichen Spielfigur – nicht auch gegangen wäre. Karen Gillan bleibt so die Quoten-Frau in der Männergruppe. Im Verlauf des Films wird diese noch mit Nick Jonas erweitert. Mit vielen Logiklöchern kommt der Film einfach durch, schlichtweg weil er immer wieder die innerdiegetische Logik infrage stellt. So fragt Martha, warum ihre Figur im Dschungel nur so leicht bekleidet ist. Auch als die vier die Stärken und Schwächen ihrer Spielfiguren herausfinden, regt sich Fridge über seine Schwächen Schnelligkeit und Kraft auf. Gegenstände, die zu einem späteren Zeitpunkt hilfreich werden, tauchen aus dem Nichts auf. Das entspricht ebenfalls der Computerspiellogik und damit lassen sich eigentlich nahezu alle Logiklöcher erklären.

Das Spiel hat einen Sinn

In meiner Kritik zu JUMANJI habe ich bemängelt, dass das Spiel keinen klaren Sinn verfolgt und keine Agenda hat. Das ändert sich in der Neuauflage. Es ist am Ende recht eindeutig, dass das Spiel im Grunde einen Coming-of-Age-Vorgang befeuern will. Die jugendlichen Spieler sollen erwachsen werden. Das Spiel fordert Einsatz- und Opferbereitschaft und das Nutzen persönlicher Stärken zum Vorteil aller.

Szenenbild aus JUMANJI: WILLKOMMEN IM DSCHUNGEL (2017) - Moose Finbar (Kevin Hart) muss sich opfern - © Sony Pictures

Moose Finbar (Kevin Hart) muss sich opfern – © Sony Pictures

Durch die Änderung des Spielmediums (von Brettspiel zu Konsolenspiel) ergeben sich auch neue Möglichkeiten. So bekommen alle Spieler drei Leben. Diese werden manchmal absolut sinnlos vergeudet, gegen Ende werden „Tode“ aber hauptsächlich dazu eingesetzt um voranzukommen und das Spiel zu gewinnen. Ein spannender Ansatz. Aus Angst,  man könne dem Andenken des 2014 verstorbenen Robin Williams nicht gerechtwerden, gab es einige Stimmen, die sich im Vorfeld gegen den Film aussprachen. Allerdings ist die Figur des Alan Parrish so gut in die Geschichte eingebunden, dass es nicht stört und auch nicht aufdringlich ist. Diejenigen, die den Vorgänger kennen, werden die Referenzen verstehen. Diejenigen, die den Film nicht kennen, verpassen im Grunde nichts. WILLKOMMEN IM DSCHUNGEL ist eine kurzweilige Weiterführung, die hauptsächlich von der Selbstironie seiner Darsteller und einigen spannenden Ideen der vier Drehbuchautoren lebt.

4/6 bzw. 6.5/10

Trailer: © Sony Pictures Germany