Es war ein Herzensprojekt von Regisseur Marc Abraham. Jahrelang schon wollte er ein Biopic über den Countrysänger Hank Williams auf die Leinwand bringen, doch es fehlte der richtige Hauptdarsteller. Den fand er dann im Briten Tom Hiddleston, der alle Lieder einschließlich dem Titelsong „I saw the light“ auch noch selbst einsang. Die Handlung beginnt mit dem 21-jährigen Hank, der 1944 die frisch geschiedene Audrey Sheppard (Elizabeth Olsen) heiratet.

Hank Williams (Tom Hiddleston) - © Sony Home Entertainment

Hank Williams (Tom Hiddleston) – © Sony Home Entertainment

Williams ist ein talentierter Countrysänger, der bereits eine eigene Sendung bei einem lokalen Radiosender mit seiner Musik füllt. Zwischen Audrey und Hank kommt es immer wieder zu Spannungen. Audrey hat zwar weniger Talent zum Singen, dafür gelingt es ihr aber als Hanks Managerin seine Karriere entscheidend voranzutreiben. Sie selbst möchte ebenfalls als Sängerin arbeiten, doch Hank hält sie für untalentiert. Als die erste Single von Hank zum Erfolg wird, belastet das die ohnehin schon angeknackste Ehe. Hank ist bald nur noch unterwegs. Er trinkt und verbringt die Nacht mit anderen Frauen. Nach zahlreichen Seitensprüngen zerbricht die Ehe schließlich endgültig. Hank versucht sich wieder zu fangen.

Lange Weile

I SAW THE LIGHT kommt zu Beginn schwer in die Gänge. Die ersten 15 Minuten ziehen sich doch sehr. Erst wenn man sich durch diese durchgequält hat, nimmt der Film etwas an Fahrt auf. Aus schauspielerischer Sicht lässt sich dem Film wenig vorwerfen. Die MCU-Kollgen Elizabeth Olsen und Tom Hiddleston sind ein überzeugendes Liebespaar und setzen die musikalischen Vorlagen gut um.

Audrey (Elizabeth Olsen) und Hank Williams (Tom Hiddleston) - © Sony Home Entertainment

Audrey (Elizabeth Olsen) und Hank Williams (Tom Hiddleston) – © Sony Home Entertainment

Der Brite Hiddleston überzeugt nicht nur musikalisch – Gitarre und Gesang kommen von ihm -, sondern auch mit diesem Südstaaten-Slang, den Hiddleston erstaunlich gut hinbekommt. Besonderes Highlight des Films ist eine langsame Variante von „I saw the light“, die Hank und Audrey ihrem Kind als Wiegenlied vorsingen. Leider hat es diese Version nicht auf den offiziellen Soundtrack geschafft, was schade ist. Der enthält auch nicht unbedingt Ohrwürmer, die jeder kennt. Regelmäßige Bayern 1-Zuhörer kennen vielleicht den Titelsong und vielleicht noch „Jambalaya“, dann hört’s auch schon auf.

Wohl nur für Hank-Williams-Fans

Ansonsten ist I SAW THE LIGHT ein konventionelles Biopic ohne große Überraschungen. Die erzählte Geschichte wirkt unnötig lang und ist somit nicht für jeden geeignet. Ich würde sogar soweit gehen und sagen, das dieser Film ausschließlich nur für Fans von Hank Williams gemacht ist. Immer wieder wird mehr erzählt als gezeigt. Um Zeitsprünge zu kaschieren oder narrative Übergänge zu schaffen, werden verzichtbare Pseudo-Interviews mit Williams’ Manager und Produzent Fred Rose (Bradley Whitford) eingestreut. Zudem werden andere Aspekte nur angedeutet und Handlungsstränge wie Hanks Alter Ego „Luke the drifter“ werden gar nicht weiter verfolgt. Es wirkt alles ein bißchen zerfahren. Ein bißchen zu viel von allem. Hätte man nicht Tom Hiddleston in der ersten Reihe gestellt, wäre ich wohl eingeschlafen.

3.5/6 bzw. 6/10

Trailer: © Sony Home Entertainment Germany