I Am Mother (OmU, 2019)

Szenenbild aus I AM MOTHER - Der Roboter "Mother" kümmert sich um das Baby. - © Concorde Filmverleih

I AM MOTHER lief letztes Jahr zwar in ausgewählten Kinos, aber nicht lang genug, damit ich es endlich auch mal sehen konnte. Jetzt ist der Sci-Fi-Thriller digital abrufbar. Die futuristische Geschichte spielt hauptsächlich in einem Bunker. Dort wächst ein Mädchen auf. Betreut und erzogen wird das Mädchen (Clara Rugaard) von einem humanoiden Roboter namens „Mutter“ (Stimme von Rose Byrne). „Mutter“ soll die Erde nach der Auslöschung der Menschheit neu besiedeln. Die besondere Beziehung zwischen Mensch und Maschine wird plötzlich auf die Probe gestellt als unerwartet eine blutüberströmte fremde Frau (Hilary Swank) vor der Luftschleuse des Bunkers auftaucht. Die bloße Existenz dieser Fremden stellt das komplette Weltbild der „Tochter“ auf den Kopf. Sie beginnt, ihr einziges Elternteil kritisch zu hinterfragen und als potenzielle Gefahr zu betrachten. 

Szenenbild aus I AM MOTHER - Tochter (Clara Rugaard) kann es kaum erwarten ein Geschwisterchen zu bekommen. - © Concorde Filmverleih
Tochter (Clara Rugaard) kann es kaum erwarten endlich ein Geschwisterchen zu bekommen. - © Concorde Filmverleih

Schicke Optik und beklemmende Atmosphäre

Man spürt hier die großen Fussstapfen, in die I AM MOTHER treten wollte. Ob die Origamifiguren aus BLADE RUNNER, eine künstliche Intelligenz mit nur einem Auge aus ODYSEE IM WELTRAUM oder weite Handlungsteile aus der TERMINATOR-Reihe: I AM MOTHER hat massig bei den besten der besten Genre-Vertreter geklaut. Das ist grundsätzlich nichts Schlimmes, man muss das Rad ja nicht komplett neu erfinden. Leider wiederholt der Film aber auch die gängigen Klischees wie z.B. mit einer Taschenlampe durch dunkle Bunkeranlagen schleichen ohne dabei entdeckt zu werden, die man bereits aus anderen Filmen kennt. Dennoch machen besonders das Setdesign und die Special Effects, die wieder einmal von den Meistern von Weta Digital kommen, dieses Kammerspiel äußerst sehenswert. Der Soundtrack von Dan Luscombe und Antony Partos schafft zudem eine beklemmende Atmosphäre.

Szenenbild aus I AM MOTHER - Eine fremde Frau (Hilary Swank) taucht vor dem Bunker auf. - © Concorde Filmverleih
Eine Frau (Hilary Swank) taucht vor dem Bunker auf. - © Concorde Filmverleih

Mensch und Maschine im Einklang

Wenn zu Beginn des Films der Roboter ein kleines Baby großzieht, wirkt das wahnsinnig befremdlich. Es ist schwierig diese symbiotische Einheit als etwas Normales zu verkaufen. Doch Regisseur Grant Sputore gelingt es ausgesprochen gut, da seine Mutterfigur nicht allzu perfekt ist. Als das Baby schreit, wedelt „sie“ mit einem Stofftier vor dem Kind herum, genau wie das auch eine menschliche Mutter tun würde. Und ja, das macht „sie“ sogar ein Stück weit sympathisch. Damit umgeht I AM MOTHER auch das Uncanny Valley und man nimmt den Roboter jederzeit als ernstzunehmende Figur wahr. Im letzten Drittel hat mich der Film leider etwa verloren, weil die Geschichte etwas konstruiert wirkt. Mir war nicht ganz klar, was hier „die Moral von der Geschicht'“ sein sollte. Ich habe mir im Anschluss noch ein paar Erklärvideos auf Youtube angeschaut, die auch die Rolle der Frau etwas stärker beleuchteten und mehr Licht in mein Dunkel brachten, aber so sollte das ja nicht sein. Der Film sollte auch für sich funktionieren und besonders das letzte Drittel war mir zu vage. 

4.5/6 bzw. 7.5/10

I AM MOTHER ist momentan im kostenlosen Streamingangebot von Amazon Prime enthalten. (Stand: Mai 2020)

Trailer: © Concorde Home Entertainment

Kommentar verfassen