Und wieder war der Hype groß. Doch leider konnte die siebte Staffel nicht alle überzeugen. Nach dem Tod ihrer vielen Widersacher regiert Cersei (Lena Headey) mit eiserner Hand in King’s Landing. Arya (Maisie Williams) möchte nach dem Mord an Walder Frey (David Bradley) daher eigentlich in Richtung Süden reisen, doch dann erfährt sie, dass Winterfell zurückerobert wurde. In der Hoffnung Jon (Kit Harrington) dort zu sehen, reist sie gen Norden und trifft dort ihre Schwester Sansa (Sophie Turner) und ihren Bruder Bran (Isaac Hempstead Wright) wieder.

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Littlefinger (Aiden Gillen) und Sansa (Sophie Turner) – © HBO

Littlefinger (Aidan Gillen) sieht die Familienzusammenführung eher kritisch und versucht die Schwestern gegeneinander auszuspielen. Jon ist derweil auf dem Weg nach Dragonstone zu Daenerys (Emilia Clarke). In Dragonstone gibt es große Vorkommnisse von Drachenglas, das die White Walker töten kann. Jon versucht von Daenerys das Drachenglas zu bekommen, während sie von ihm einen Kniefall verlangt, den er nicht leisten möchte. Eine verfahrene Situation, in der Tyrion (Peter Dinklage) zu vermitteln versucht. Währenddessen schmiedet Olenna Tyrell (Diana Rigg) mit Varys (Conleth Hill) und Ellaria Martell (Indira Varma) einen Plan um Cersei zu besiegen. 

Die große Ernüchterung

So langsam macht sich bei mir die große Ernüchterung breit. Das hohe Niveau konnte die Serie zum ersten Mal in seiner Geschichte nicht halten. Die ersten beiden Folgen „Dragonstone“ und „Stormborn“ wirken recht zahn. Eher wie eine Einleitung, eine Wiederholung des bisher Gesehenen. Ab Folge 3 („The Queen’s Justice“) zieht die Staffel aber ordentlich an. Nicht nur, weil das Oberhaupt eines wichtigen Hauses ins Gras beißt, sondern auch, weil Daenarys zum ersten Mal einen ihrer Drachen gegen die Lannisterarmee einsetzt.

Game of Thrones_Staffel 7_Cersei und Jaime_HBO

Cersei (Lena Headey) und Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) – © HBO

Optisch sind die Drachen definitiv ein Hingucker, aber sie tauchen inzwischen immer dann auf, wenn man sie storytechnisch gerade braucht. Im Grunde sind die Drachen für Westeros, was die Adler für HERR DER RINGE waren. Die innerdiegetische Logik bröckelt so langsam auseinander. Zeit- und Ortswechsel sind plötzlich binnen Stunden möglich, was unmöglich sein kann. Ich habe sowieso seit einiger Zeit die Theorie, dass in dem Jahr, in dem ein Spin-off einer Hauptserie in Planung ist, die Hauptserie zwangsläufig schwängelt. Und bei GAME OF THRONES waren zwischenzeitlich fünf Ableger in der Mache, was meine These nur unterstützt. Bei einem Fantasy-Abenteuer dieser Größenordnung erwartet niemand lückenlose Nachvollziehbarkeit. Selbst die größten GoT-Nerds werden der Serie den ein oder anderen Fehler verzeihen, aber inzwischen sind es klaffende Logiklöcher, die erstmal wieder gestopft werden müssen. Ja, die Folgen sind teuer, aber Einsparmaßnahmen sollten niemals auf Kosten der Geschichte gehen.

Das große Wiedersehen

Die Finalfolge („The Dragon and the Wolf“) wirkt wie ein großes Familientreffen, wo man all die Verwandte wieder trifft, die man das ganze Jahr nicht sieht. Auffällig oft werden Blicke gewechselt. Erleichterte, wie die zwischen Brienne und Jaime, oder angeekelte, wie die zwischen Cersai und Tyrion. Zudem macht „das Google von Westeros“ (Bran) endlich mal den Mund auf und teilt mit Sam, der zwischenzeitlich in Winterfell eingetroffen ist, die Wahrheit über Jons Herkunft. Aber man fragt sich, warum er das nicht schon viel früher gemacht hat. Überhaupt verhalten sich einige Figuren ungewöhnlich. Auch die Grundprämisse der Serie, jeder Charakter – egal, ob Neben- oder Hauptfigur könne sterben – scheint in dieser Staffel nicht mehr zu gelten. Diejenigen, die das Zeitliche segnen müssen, tun das freiwillig oder sterben durch die eigene Dummheit. Am ehesten überrascht noch der „Tod“ eines Lebewesens, das bis dato als unbezwingbar galt. Aber es gibt nicht die großen unerwarteten Tode, die den Zuschauer fassungslos vor dem Fernseher oder Laptop zurücklassen. Die Staffel endet – wenig überraschend – mit dem Durchbrechen der Mauer durch die White Walker. Die Optik dieser Szene kann noch so überzeugend sein, wenn es aber an der Substanz fehlt, bleibt ein schales Gefühl zurück.

4.5/6 bzw. 7.5/10

Trailer: © HBO/Game of Thrones