So richtig ruhig wurde es um FANTASTIC BEASTS in den letzten zwei Jahren nicht. Zum einen sorgten die Besetzungen von Johnny Depp als Grindelwald und Jude Law als Dumbledore bei manchen Fans für Unverständnis. Zum anderen hatte die Homosexualität von Albus Dumbledore und der Auftritt von Nagini bei den Fans den Eindruck hinterlassen, Rowling wolle rückwirkend die Geschichte neu deuten. Nun kommt endlich FANTASTIC BEASTS: THE CRIMES OF GRINDELWALD in die Kinos. Dem gefangenen Zauberer Gellert Grindelwald (Johnny Depp) gelingt die Flucht. Newt Scamander (Eddie Redmayne), der maßgeblich zu dessen Verhaftung beigetragen hat, muss sich währenddessen mit dem Zaubereiministerium herumärgern. Er darf nämlich das Land nicht verlassen. Trotzdem schickt ihn Albus Dumbledore (Jude Law) nach Paris um den Obscurial Credence (Ezra Miller) zu finden. Dumbledore fürchtet, dass Grindelwald Credence für seine Zwecke missbrauchen könnte. Als Grindelwald seine Anhänger in Paris um sich schart, brechen auch Newts Freundin Tina (Katherine Waterston) sowie ihre Schwester Queenie (Alison Sudol) dorthin auf. Newt und sein Freund Jacob Kowalski (Dan Fogler) sind bald ebenfalls in Frankreich.

Szenenbild aus PHANTASTISCHE TIERWESEN: GRINDELWALDS VERBRECHEN - FANTASTIC BEASTS: THE CRIMES OF GRINDELWALD (2018) - Tina Goldstein (Katherine Waterston) und Newt (Eddie Redmayne) - © Warner Bros. Deutschland

Tina Goldstein (Katherine Waterston) und Newt (Eddie Redmayne) – © Warner Bros. Deutschland

Eingespieltes Team

Wie schon im Vorgänger führte auch hier wieder David Yates Regie und Joanne K. Rowling verfasste das Drehbuch. Jetzt könnte man ja annehmen, dass der zweite Teil deshalb genauso charmant und magisch werden würde wie der Vorgänger. Doch die Kombination aus Regie und Drehbuch, die im ersten Teil überzeugte, wirkt im zweiten Teil völlig überladen. Das liegt zum einen daran, dass Rowling viel zu viele Nebenhandlungen einführt. In einem Buch wäre das nicht das Problem, aber in einem abendfüllenden Spielfilm wirkt das völlig unstrukturiert. Newt gerät dadurch auch immer mehr in den Hintergrund. Dadurch bekommt auch Eddie Redmayne immer weniger zu tun. Natürlich gibt es wieder den obligatorischen Ich-verschwinde-in-meinem-Koffer-Trick. Dem Niffler wird auch wieder eine besondere Spezialaufgabe zuteil. Im Grunde hat man aber das Gefühl, dass hier ein lauwarmer Aufguss des ersten Teils versucht wurde.

Szenenbild aus PHANTASTISCHE TIERWESEN: GRINDELWALDS VERBRECHEN - FANTASTIC BEASTS: THE CRIMES OF GRINDELWALD (2018) - Newt (Eddie Redmayne) im Koffer - © Warner Bros. Deutschland

Newt (Eddie Redmayne) im Koffer – © Warner Bros. Deutschland

Zu viele Nebenspielplätze

Ich hätte nie gedacht, dass ich mich mal über “zu viel” Geschichte in einem Film beschweren würde, aber FANTASTIC BEASTS: THE CRIMES OF GRINDELWALD macht einfach so viele Handlungsstränge auf, dass man als Zuschauer ganz schön überfordert ist. Da ist zum einen Leta Lestrange (Zoë Kravitz), die ein Kindheitstrauma mit sich herumträgt. Newt Scamander, der mit seinem Bruder aneinander gerät. Albus Dumbledore kann Grindelwald nicht angreifen. Credence will herausfinden, wer seine Eltern sind. Nagini will nicht mehr als Jahrmarktsattraktion arbeiten und mit Credence zusammen sein. Grindelwald will gegen die Muggelwelt in den Krieg ziehen. Und auch wenn die letzten 10 Minuten des Films mit einem unerwarteten Wendepunkt aufwarten, ist es einfach zu viel des Guten.

Szenenbild aus PHANTASTISCHE TIERWESEN: GRINDELWALDS VERBRECHEN - FANTASTIC BEASTS: THE CRIMES OF GRINDELWALD (2018) - Albus Dumbledore (Jude Law) kann gegen Grindelwald (Johnny Depp) nichts unternehmen. - © Warner Bros. Deutschland

Albus Dumbledore (Jude Law) kann gegen Grindelwald (Johnny Depp) nichts unternehmen. – © Warner Bros. Deutschland

Schauspielerische Höhepunkte und fantastische Tierwesen

Ich hatte ja eigentlich erwartet, dass Johnny Depp das größte Problem des Films sein würde. Er ist einfach zu sehr Captain Jack und Captain Jack hat nichts in der Welt von Harry Potter zu tun. Erstaunlicherweise macht Depp seine Sache aber gut. Jetzt nicht überragend, aber solide. Auch Zoë Kravitz gelingt es gut ihrer Figur die nötige Tiefe zu geben. Mein Highlight war aber Jude Law. Die Güte und Weisheit von Albus Dumbledore, die Michael Gambon und Richard Harris  ausstrahlten, kann auch er zeigen. Er ist der Lehrer, den man selbst gerne in der Schule gehabt hätte. Von ihm wird man hoffentlich in den nächsten Teilen noch viel mehr sehen. Die fantastischen Tierwesen sind zwar optisch äußerst eindrucksvoll, aber häufig zu gewollt in die Handlung eingebaut. Insgesamt wirkt GINDELWALDS VERBRECHEN wie ein Füllwerk zwischen zwei richtig guten Filmen. Da passt es auch, dass das Ende mit einem Cliffhanger endet.

3.5/5 bzw. 6/10

Trailer: © Warner Bros. Deutschland