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Action, Science-Fiction

Edge of Tomorrow (3D, 2014)

© Warner Bros.

Und täglich grüßt die Waffenlobby

Am 6. Juni 1944, der in die Geschichtsbücher unter dem Namen → „D-Day“ eingehen sollte, landeten die allierten Truppen in Frankreich um einen entscheidenden Schlag gegen Hitlers Truppen auszuführen. Auch im Kino gibt es aktuell einen Sturm auf die Normandie zu sehen. Hier gilt es aber keine deutschen Truppen zu bekämpfen, sondern Aliens, die sich in Europa verbreiten. Mittendrin ist der Major Bill Cage (Tom Cruise), der zwar ein brillianter Redner, aber ein schlechter Soldat ist. Von seinem Vorgesetzten wird er allerdings zum finalen Schlag an der französischen Küste verdonnert, obwohl er mehrfach versucht sich vor der Schlacht zu drücken. Am Strand angekommen, tötet er einen der sogenannten Mimics, mehr mit Glück als Verstand, stirbt aber kurz darauf. Der Tag beginnt von neuem. Verzweifelt versucht er seine Vorgesetzten davon abzuhalten, die Mimics anzugreifen, doch niemand schenkt seinem neu erlangtem Wissen Glauben. Dies ändert sich als er im Schlachtfeld Rita (Emily Blunt) das Leben rettet. Ihr wird klar, dass er die Wahrheit spricht, weil sie ebenfalls schon einmal die Gabe der Zeitschleife hatte. Sie trainiert den unerfahrenen Kämpfer, der zum Erstaunen aller Nichteingeweihten dank ständiger Zeitschleifen unglaublich schnell lernt. Zusammen versuchen sie das Omega, die Kraftquelle der Mimics zu zerstören.

© Warner Bros.

EDGE OF TOMORROW  basiert auf dem Roman „All you need is kill“ von Hiroshi Sakurazaka. Regie führte Doug Liman, der für Actionkino wie Mr. & Mrs. Smith verantwortlich ist. Im Nachhinein kann man sich schlecht vorstellen, dass unsprünglich Brad Pitt für die Hauptrolle vorgesehen war, denn Edge of Tomorrow ist ein typischer Tom-Cruise-Film. Es wird geballert, es gibt eine Mission und der obligatorische Wir-vergessen-den-Krieg-um-uns-Kuss. Der Film steckt voller historischer Anspielungen. Rita wird „Engel von Verdun“ genannt, der Angriff der Allierten findet im D-Day-Style an der französischen Küste statt und die Mimic-Invasion beginnt ausgerechnet in Deutschland und breitet sich dann über ganz Europa aus. Operation → Downfall soll sie stoppen. Und natürlich ein AMERIKANISCHER Major rettet die Welt. Na klar, wer auch sonst? Ja, wir haben es kapiert, die Aliens stehen stellvertretend für Nazi-Deutschland. Passend zum Ami-Patriotismus gibt’s noch pseudo-religiöse Stimmungsmache des Militärs: „Morgen werden sie getauft, wiedergeboren.“ Zudem wird dank Exo-Anzügen mal wieder gezeigt, wie toll und effizient die aktuelle und zukünftige Waffentechnik ist. Die Waffenlobby wird’s freuen. Blöd nur, wenn die Actionszenen so schnell geschnitten sind, dass man außer fliegender Erde und Metall nicht viel erkennt. Zugegeben, die Aliens machen → optisch wirklich was her und ja, auch Tom Cruise spielt seine Paraderolle überzeugend (böse Zungen könnten auch behaupten, dass er eben nichts anderes kann). Aber insgesamt kommt der Film auf keinen grünen Zweig, was neben einer schwachen Emily Blunt auch nicht zuletzt an zahlreichen Logiklöchern in der Handlung liegt. Einer der Offensichtlicheren ist, dass die Mimics sich komischerweise nur in Europa ausbreiten, Amerika, Asien und Afrika aber komplett verschonen, obwohl mehrfach darauf hingewiesen wird, dass die Alientechnologie der menschlichen überlegen ist. Sicherlich mag der ein oder andere argumentieren, dass Edge of Tomorrow kein anspruchsvolles Kopfkino, sondern eben zum Abschalten gedacht ist. Aber das ist Mr. und Mrs. Smith auch und da war die Handlung bei Weitem plausibler.

Schwacher Ami-rettet-die-Welt-Blockbuster (2/6)

Trailer: © Warner Bros. 

 

  1. Ich finde die Interpretation Aliens = Nazi-Deutschland schon etwas weit hergeholt, muss ich ja gestehen. Die historischen Anspielungen finde ich tatsächlich sogar gar nicht so unpassend. Aber nun ja, ich fröne dann für’s erste noch ein bisschen meinen Waffen-Lobby-Filmen 😉

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