Jasmine (Cate Blanchett)  hat einen reichen, gutaussehenden Ehemann (Alec Baldwin), keine Verantwortung und kann den ganzen Tag Faulenzen oder Shoppen. Doch nachdem ihr Mann wegen illegaler Geschäfte verhaftet wird, verliert sie alles. Ohne Ehemann und Geld nimmt sie von ihrem luxuriösen Leben in New York Abschied und reist nach San Francisco, wo Schwester Ginger (Sally Hawkins) ihr auf die Beine helfen soll. Die Upper-Class-Lady Jasmine kommt mit dem einfachen Leben ihrer Schwester nicht klar und möchte bereits bei ihrer Ankunft am liebsten wieder abreisen. Schlecht gelaunt, stets alkoholisiert und mit den Nerven am Ende, versucht sie ihr Leben wieder in den Griff zu kriegen. Ihre Ziele klingen simpel: Sie möchte den Abschluss nachholen und ihr Geld selber verdienen. Doch Jasmines Vorstellungen von einer Arbeit sind unangemessen und sie scheint nicht fähig zu sein, der Realität ins Auge zu blicken.

Wie ist es wohl reich zu sein? Sich alles kaufen zu können, was man will? Das fragen sich die 99 Prozent. Wie ist es wohl reich zu sein, aber dann alles zu verlieren? Das fragt sich Regisseur Woody Allen in seinem neuen Film Blue Jasmine. Allens Protagonistin Jasmine ist genau das passiert. Sie lebte zusammen mit Mann und Kind in Saus und Braus, erklärte auf Dinner-Parties zum x-ten Mal, wie sie ihren Mann kennengelernt hat, und organisierte Charity-Parties, weil es eben zum guten Ton gehört. Durch Flashbacks vergleicht Allen das Gestern und das Jetzt, was zu Beginn des Films noch etwas ruppig wirkt, aber nach einer Weile harmonisch ins Bild passt. Zudem ist der Zuschauer dadurch permanent gefordert, aufzupassen. Für einen weiteren Kontrast sorgt auch Sally Hawkins als quirrlige und lebensfrohe Schwester Ginger, die das genaue Gegenteil einer depressiven Society-Lady darstellt. Immer wieder machen sich die beiden Schwestern aus Verlegenheit Komplimente („Schöne Haare!“), weil sie sich nichts anderes zu sagen haben. Dies spricht auch für die Dynamik des Films. Erstaunlicherweise ist BLUE JASMINE mehr präzise Bestandsaufnahme einer Ausnahmesituation als humorvolle Komödie, unter der dieser Film vermarktet wird. Für einen Woody Allen-Film kommt erstaunlich wenig Humor vor, was allerdings die Laune nicht trübt. Cate Blanchett brilliert in diesem Film über alle Maßen. Sie beherrscht die hübsche Upper-Class-Lady genauso wie die abgewrackte Säuferin, die mit Alkohol und Pillen ihre Angstzustände zu bekämpfen versucht. Sie schafft es tatsächlich eine Sympathieträgerin zu sein, obwohl sie sich selten wie eine benimmt. Als sie von ihrem Boss angebaggert wird, empfindet man sogar Mitleid mit ihr. Woody Allens Film bietet keine universelle Lösung an, was man als Stärke oder als Makel des Films auslegen kann.

Cate Blanchett in Höchstform (5/6)

Trailer: © Warner Bros.