Im letzten Jahr habe ich unglaublich viel über meine Zeit in Berlin und der Berlinale geschrieben. Dieses Jahr lasse ich es ruhiger angehen. Es wird nur zwei Posts geben, einen für die Filmsichtungen und einen, den ich „Abseits der Leinwand“ getauft habe. Dort werde ich Anekdoten und Fotos abseits des üblichen Sichtungsmarathons veröffentlichen. Viel Spaß beim Lesen und Kommentieren. Dieser Post wurde bis zum Ende der Berlinale permanent aktualisiert.

15. Februar 2015

Heute war der letzte Tag. Zwei Filme to go, beide allerdings erst mittags. Vormittags war ich spazieren. Die Ruhe war herrlich. Erst war ich am Hackeschen Markt, dann in der Gegend rund um die Museumsinsel, da war es aber aufgrund endlos scheinender Baustellen nicht so schön. Unterwegs wurde ich dann noch von einem Mädchen angequatscht, dass meine Unterschrift und eine Spende in Höhe von 20 Euro wollte. Sie hielt mir ein Klemmbrett unter die Nase. Angeblich wurde für ein geplantes Förderzentrum für Blinde und Gehörlose gesammelt. Der Text war in fehlerhaftem Deutsch geschrieben. Als ich sagte, ich wäre Studentin und hätte kein Geld, nein, auch keinen Euro, ist sie ohne ein Tschüss zum nächsten Passanten. Dreister geht es nicht. Ich hätte mir mit CINDERELLA keinen besseren Abschlussfilm aussuchen können, denn der war – wie erwartet – einfach nur schön. Danach wurde ich von Berlinale-Palast-Mitarbeiterinnen vor die Tür gesetzt und das ist hier wörtlich zu verstehen. Ich wollte noch ein paar Fotos von den Filmemacher-Portraits machen, die im Berlinale-Palast hängen und von denen ich manche noch gar nicht kenne. Aber weil Sonntag Publikumstag ist, sind die Filme anscheinend so getaktet, dass man nicht noch länger dort bleiben darf. Ich konnte trotzdem noch ein paar Fotos machen. Wer weiß, wann ich nochmal in den Berlinale-Palast komme und wie das nächstes Jahr überhaupt so läuft. Ich kam pünktlich zum Sonnenuntergang aus dem Kino. Es war wunderschön und für Februar ist es ja auch extrem mild im Moment (7 Grad). Auf dem Heimweg mit dem Bus habe ich mich dann von Benedict Cumberbatch und dem Rest der CABIN PRESSURE-CREW bespaßen lassen. Hab erfahren, dass er gestern geheiratet hat. (Herzlichen Glückwünsch by the way.) Wahrscheinlich ist das Internet wieder voller Selbstmitleids- und Trauerbekundungen. Ich schau schnell mal. „Mein Valentinstag ist ruiniert.“ hat jemand auf Twitter geschrieben. 🙂 Als gäb’s keine anderen Probleme auf der Welt… Aber gut, sei’s drum, ich schlafe jetzt erstmal ne Runde. Gute Nacht!

Berlinale-Palast-Galerie: LOVE & MERCY: Paul Dano, Elizabeth Banks und Musiker Brian Wilson, auf dessen Biografie der Film basiert

Berlinale-Palast-Galerie: LOVE & MERCY: Paul Dano, Elizabeth Banks und Musiker Brian Wilson, auf dessen Biografie der Film basiert

Berlinale-Palast-Galerie: CINDERELLA: Richard Madden, Lily James und Stellan Skarsgård

Berlinale-Palast-Galerie: CINDERELLA: Richard Madden, Lily James und Stellan Skarsgård

14. Februar 2015

MISFITS – das war mein erster Film heute und der Filmtitel ist Programm. Heute läuft alles irgendwie nicht so gut. Deshalb habe ich den Wim Wenders-Film ausfallen lassen und PINA Bausch alleine tanzen lassen. Stattdessen gibt’s hübsche Fotos von der CINDERELLA-Ausstellung, die ich heute vormittag besucht habe. Natürlich war alles nur Werbung für den neuen Film und die Eltern samt nörgelnder Kinder kamen in Scharen. Für 15 Minuten Ausstellung musste ich 30 Minuten anstehen. Die Ausstellung an sich war sehr schön gemacht. Es gab auch einen Guide, der einem die Ausstellungsstücke erklärte („So und jetzt gehen wir weiter durch den Zauberkürbis…“). War mal ganz nett. [Nachtrag: Abends habe ich dann noch zwei Filme gesehen, die beide gut waren und die Laune dann doch noch etwas gehoben haben.]

Gleich geht's rein...

Gleich geht’s rein…

Durch den Zauberkürbis

Durch den Zauberkürbis

Wunderschöne Kostüme

Wunderschöne Kostüme

(Weitere Fotos gibt’s in meinem Facebook-Album.)

13. Februar 2015

Ich bin noch müder als gestern. Zudem haben sich meine Halsschmerzen, die ich seit gestern mit mir herumtrage, in einen Schnupfen verwandelt. Ich sage mir halt permanent: „Sind nur noch 5 oder 6 Filme, dann darfst du nachhause und dich auskurieren.“ Hab heute mittag ELSER im Haus der Berliner Festspiele gesehen und den restlichen Nachmittag und Abend habe ich mit Retrospektive-Filmen verbracht, die alle nicht so prickelnd waren. Morgen muss ich wahrscheinlich nochmal früh raus, aber am Sonntag mache ich mir dann echt einen völlig ruhigen und entspannten Tag. Ohne Hektik und von Kino zu Kino rennen und in der Kälte stehen und so. Gute Nacht!

12. Februar 2015

Ich bin müde. Alles tut weh. Ich glaub, ich werd‘ krank. Heute ist mein absoluter Tiefpunkt. Ich hab mich dann doch noch zur Dolby Atmos-Masterclass im Cinestar geschleppt. Mich haut der Sound jetzt nicht sonderlich um, obwohl ich zugeben muss, dass Atmos natürlich mehr „Wumms“ hat. Würde man Atmos jetzt noch mit 3D-Kino kombinieren, dann wird das nur noch vom Geruchskino zu toppen sein. Nach der Vorführung ging es dann wieder ins Höfekino zu zwei Screenings. Im Anschluss ging’s dann direkt zum Haus der Berliner Festspiele. Die Schlange war ewig lang. Der Film sollte um 19 Uhr anfangen, aber da standen wir immer noch draußen in der Kälte. Der Film von Andreas Dresen war nicht so der Knüller. Ich bin danach ins Hostel, weil ich heute einfach nur schlafen will und die nächsten Tage mache ich sowieso ganz entspannt. Auf meiner To-watch-Liste steht nur noch CINDERELLA und der Rest ist dann Bonus. Gute Nacht! plakatausstellung berlinale 2015
Ausstellung mit Plakaten der Illustratoren Margit und Peter Sickert, gesehen im Haus der Berliner Festspiele

11. Februar 2015

Der Morgen begann mit einem Scheißfilm: KNIGHT OF CUPS. Ich will gar nicht darauf eingehen, der war einfach nur schlimm und nichtssagend. Mittags ging’s dann zu EVERY THING IS FINE, den gab’s sogar in 3D und der war auch viel viel besser. Auf Einladung eines Verbandsmitglieds war ich heute am frühen Abend bei der Mitgliederversammlung des Verbandes der deutschen Filmkritik. Es wurden leider nur Interna besprochen und nicht sonderlich Inhaltliches. Es gab ein paar kritische, aber auch positive Stimmen zur „Woche der Kritik“. Eigentlich wollte ich länger bleiben und noch ein bißchen networken, aber ich musste noch was zu Abend essen und dann zur Weltpremiere von FIFTY SHADES OF GREY. Ich war zwar viel zu früh dran, aber vor dem Zoopalast war schon die Hölle los. Kamerateams überall, Interviews mit Fans,  ein großes Tohuwabohu. Ein Kameramann hat mein Ticket abgefilmt. *augenroll* (Wenn mich wer in einem Fernsehbeitrag sieht, bitte melden.) Der Saal war komplett ausverkauft. In der Schlange vor mir stand eine Frau, die hat für ein Ticket, dass im regelären Verkauf 14,50 € gekostet hat, nach eigener Aussage 200 € bezahlt. Die spinnen doch echt alle miteinander. So ein Hype um nix, dachte ich mir. Der Film begann dann auch mit 35 Minuten Verspätung (mein persönlicher Berlinale-Rekord), die Filmcrew hat sich dann auch wieder aus dem Kinosaal verduftet (ich hasse sowas ja), aber zu meiner Überraschung war der Film dann doch ganz sehenswert. Vor lauter Gedanken über den Film hab ich dann noch „meine“ U-Bahn-Station verpasst, aber ich bin dann doch noch sicher in meinem Bett gelandet.

10. Februar 2015

Gestern bin ich innerhalb meiner Unterkunft umgezogen. Jetzt teile ich mir ein Fünftbettzimmer mit Michelle, die in Jena studiert, auch die Berlinale besucht und Filme und Theater samt gute Schauspieler genauso zu schätzen weiß wie ich. Wir sind heute unglaublich früh aufgestanden, damit wir im Warmen auf das Öffnen der Ticketschalter warten konnten. Dort stellte sich heraus, dass es anscheinend nur ein einziges Ticket für Studenten für FIFTY SHADES OF GREY gab, der morgen sozusagen als Sneak Preview (Kinostart 14.02.) gezeigt wird. Mit Fachbesucher-Akkreditierung war es kein Problem. Danach ging’s nach ausgiebiger Frühstückspause zu meinem zweiten AG-Kino-Screening im Höfekino zu Tim Burtons BIG EYES. Der Vertreter von Studiocanal hat offenbar Humor: Er erklärt, dass in diesem Tim Burton-Film kein Johnny Depp mitspielt und dass „wir alle sehr froh darüber“ sind, weil MORTECAI „finanziell geschmerzt“ hat. BIG EYES war toll. Mittags gab es dann ein Treffen mit Juliane und Claus Löser im Filmhaus. Konnte leider nicht lange bleiben. Mittags kam dann I AM MICHAEL und ich bin überrascht wie gut James Franco spielen kann, wenn er mal wirklich will. 😉 Nach einer kurzen Pause und nervigen Handyausfällen (mein Handy geht einfach aus ohne Grund, scheiß Technik!) ging es dann zu NEUN LEBEN HAT DIE KATZE, den ich mir durchaus hätte sparen können. Irre langweilig. Der Vertreter von Studiocanal hatte heute vormittag auch Schleichwerbung für SELMA gemacht und Verleiher können ja viel bewerben, wenn der Tag lang ist, aber in diesem Fall, hatte er Recht: SELMA ist ein ganz toller Film. Ich bin unglaublich begeistert und kann jetzt auch glücklich einschlafen.

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SELMA: Colman Domingo, Ava DuVernay und David Oyelowo

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Berlinale Classics: NEUN LEBEN HAT DIE KATZE von Ula Stöckl

9. Februar 2015
Regisseur Simon Curtis, Daniel Brühl, Dame Helen Mirren und Ryan Reynolds

Regisseur Simon Curtis, Daniel Brühl, Dame Helen Mirren und Ryan Reynolds im Friedrichstadt-Palast zur Weltpremiere von WOMAN IN GOLD

8. Februar 2015

Zum ersten Mal scheint ein bißchen die Sonne, aber leider habe ich davon nicht viel, weil es immer noch kalt ist, die Schulter extrem schmerzt und die Computer an den Ticket Countern eine technische Störung hatten. Manche Filme waren nicht zur Verfügung. Glücklicherweise hatte ich erst um 12 Uhr den ersten Film und damit Zeit. Mittags gings es dann wieder in den Berlinale-Palast. Ian McKellen ist einfach ein Schatz. Der muss nur einmal winken und sofort winken ihm alle zurück. 🙂 Abends war ich dann wieder im Friedrichsstadt-Palast (die Stühle sind immer noch eine Zumutung) und Elizabeth Banks und Paul Deno waren auch da sowie der echte Brian Wilson, auf dessen Leben der Film basiert. Standing ovations gab’s.

Fotobeweis 1: Die Sonne scheint tatsächlich!

Fotobeweis 1: Die Sonne scheint tatsächlich!

Fotobeweis 2: Elizabeth Banks sieht auch noch erschreckend gut aus, wenn sie einen zweifelhaften Zebralook trägt.

Fotobeweis 2: Elizabeth Banks sieht auch in solch zweifelhaftem Zebralook erschreckend gut aus.

7. Februar 2015

Jetzt nieselt es auch manchmal noch. Wer kam nochmal auf die glorreiche Idee die Berlinale in den Februar zu legen, damit die Filme hier vor Cannes laufen? Naja, egal, hab meine drei Filme abgearbeitet und die Warterei in der Warteschlange zu früher Stunde hat sich definitiv gelohnt. Ich bin völlig begeistert von VICTORIA. Hinten raus hat er seine Längen, aber es ist eine tolle Geschichte mit tollen… Ach ja, ich wollte ja nicht mehr Privates mit Sichtungen vermischen. Egal. Heute habe ich meine Kommilitonin Mathilde und ihre Freundin Aurelie kennengelernt. Mathilde hat dann auch gleich ein Fotoshooting mit mir gemacht. Außerdem  bin ich auch zum ersten Mal im Berlinale-Palast gewesen und habe fleißig Fotos geknipst.

Zum ersten Mal im Berlinale-Palast...

Zum ersten Mal im Berlinale-Palast…

Von drinnen nach draußen...

Von drinnen nach draußen…

6. Februar 2015

Nach unruhiger Nacht bin ich heute um halb 8 an der Warteschlange aufgetaucht, wo noch nicht viel los war. Allerdings mussten wir auch noch über eineinhalb Stunden warten, bis wir eingelassen wurden. Hab auch alle drei Filme bekommen, die ich wollte, sogar auch die „richtigen“ Uhrzeiten. Hab das starke Gefühl, dass mir irgendwelche Gliedmaßen in den nächsten Tagen beim Warten abfallen vor Frost. In Cannes ist es bestimmt schöner. Meine Schulter zickt auch schon rum, weil ich heute einen 5,3 cm Stapel Fachliteratur (Variety, The Hollywood Reporter usw.) vom Martin-Gropius-Bau zu meiner Unterkunft transportiert habe. Abends habe ich dann noch zwei Filme gesehen. Das war’s auch schon.

Im Martin-Gropius Bau

Im Martin-Gropius Bau

Achtung: es gibt freilaufende Leitern in Berlin! :)

Achtung: es gibt freilaufende Leitern in Berlin! 🙂

5. Februar 2015

Bin wohlbehalten angekommen. In der U2-Linie der Berliner U-Bahn haben mich prominente Stimmen begrüßt. War zum ersten Mal im Höfekino. Ist wie das Lichthauskino in Weimar, nur noch verwinkelter. 🙂 Ich mag’s.

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So viele Möglichkeiten…

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Ein kleiner Schnappschuss im Vorbeigehen