Die Filme von Guy Ritchie sind mal wahnsinnig unterhaltsam, mal wirklich schlecht. Während er früher mit cleveren Kriminalkomödien wie SNATCH oder Fantasy-Action wie KING ARTHUR überzeugte, versucht er sich nun an einem Abenteuerfilm im Stil von INDIANA JONES. Doch FOUNTAIN OF YOUTH wird seinem eigenen Anspruch nicht gerecht und schafft es nicht, die Magie der großen Schatzjäger-Filme zu entfachen. Charlotte Purdue (Natalie Portman) könnte sich wirklich bessere Familienangehörige wünschen. Ihr Bruder Luke (John Krasinski) taucht nach einem Jahr Funkstille wieder auf und bringt mal wieder nichts Gutes mit sich. Diesmal hat er sich nicht nur als Kunstdieb betätigt, sondern arbeitet auch noch für den steinreichen Owen Carver (Domhnall Gleeson), der ihn auf die Suche nach der legendären Quelle der ewigen Jugend geschickt hat. Charlotte wird gegen ihren Willen in das Abenteuer hineingezogen, das die Geschwister quer über den Globus führt. Von London geht es über Wien nach Rom, dann weiter nach Kairo und schließlich nach Bangkok. Unterwegs begegnen sie immer wieder der rätselhaften Esme (Eiza González), die ihre ganz eigenen Pläne mit dem Jungbrunnen verfolgt.

Ein Rad, das sich rückwärts dreht
James Vanderbilts Drehbuch erfindet das Rad mit seiner Geschichte definitiv nicht neu. Schlimmer noch: Es dreht es rückwärts. FOUNTAIN OF YOUTH präsentiert eine Geschichte, die so lieblos zusammengeschustert wirkt, als hätte jemand die größten Klischees des Abenteuergenres in einen Mixer geworfen und gehofft, dass dabei etwas Brauchbares herauskommt. Das geht schon los beim lahmen Wortspiel mit den Nachnamen der Protagonisten. „Purdue“ bedeutet auf Französisch „verloren“. Natürlich suchen die Figuren mit diesem Nachnamen nach verlorenen Schätzen. Der Vater der beiden Protagonisten heißt übrigens Harrison – eine nicht gerade subtile Anspielung auf Harrison Fords Indiana Jones. Die wenigen Wendepunkte riecht man schon Meilen gegen den Wind. Ein treuer Unterstützer wird plötzlich zum Verräter? Natürlich. Eine vermeintliche Gegnerin entpuppt sich als heimliche Verbündete? Kennt man. Man nimmt auch noch ein Kind mit auf die Suche und das Kind entdeckt einen geheimen Code, der beim Entschlüsseln hilft? Aber sicher doch.

Der Kampf gegen die lausige Geschichte
Natalie Portman und John Krasinski geben sich wirklich alle Mühe. Beide Schauspieler versuchen verzweifelt, aus dem dürftigen Material herauszuholen, was möglich ist. Doch selbst ihre Bemühungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Hauptfiguren erschreckend generisch geraten sind. Charlotte und Luke bleiben blasse Abziehbilder bekannter Archetypen, ohne eigene Persönlichkeit oder nachvollziehbare Motivation. Die Probleme der Figuren in FOUNTAIN OF YOUTH werden hauptsächlich durch zwei Dinge gelöst: Geld oder glückliche Zufälle. Komplizierte Rätsel? Ein kurzer Blick genügt, und schon hat man die Lösung. Gefährliche Situation? Keine Sorge, zufällig taucht gerade rechtzeitig Hilfe auf. Diese Herangehensweise macht den Film nicht nur unglaubwürdig, sondern raubt ihm auch jegliche Spannung. Die Nebenfiguren wirken so farblos, dass man schnell vergisst, wie sie heißen und welche Funktion sie überhaupt in der Gruppe haben. Domhnall Gleeson als reicher Auftraggeber Owen Carver ist da tatsächlich noch einer der besseren Darsteller. Eiza González als mysteriöse Esme hätte durchaus Potenzial gehabt, doch das Drehbuch lässt beide Figuren in Klischees ertrinken.

Dieser Jungbrunnen lässt dich alt aussehen
Immerhin bietet FOUNTAIN OF YOUTH noch einige optische Höhepunkte. Ritchie und sein Team haben tatsächlich an den verschiedenen echten Schauplätzen gedreht, und das merkt man. Das Leben in Bangkok pulsiert authentisch, der Wiener Prunk der Nationalbibliothek beeindruckt, und die ägyptischen Pyramiden von Gizeh sind optisch eine Wucht. Die Ausstattung stimmt, und die Actionszenen sind durchaus solide choreographiert. Doch schöne Bilder allein machen noch keinen guten Film. FOUNTAIN OF YOUTH krankt an seinem fundamental schwachen Fundament. Wo Filme wie NATIONAL TREASURE oder die INDIANA JONES-Reihe clevere Rätsel, charismatische Charaktere und eine mitreißende Erzählung boten, serviert Ritchies neuestes Werk nur aufgewärmte Versatzstücke.
FOUNTAIN OF YOUTH ist exklusiv über den Streamingdienst Apple TV+ zu sehen.
3.5/10



