Dekalog (2021)

Harte Kost hatte mir die Arbeitskollegin versprochen, die das Stück schon vor mir gesehen hatte. Und das war es auch. DEKALOG basiert auf dem 1989/1990 ausgestrahlten gleichnamigen Filmzyklus von Krzysztof Kieślowski und Krzysztof Piesiewicz. wurden Grob zusammengefasst: Die beiden haben sich im Rahmen einer 10-teiligen Mini-Serie gefragt, was die 10 Gebote in der Gegenwart, also Ende der 80er Jahre, noch bedeuten. Dafür haben sie mehrere Geschichten erzählt, die sich jeweils um ein bestimmtes Gebot drehen. Momente, in denen plötzlich Lebensentwürfe infrage und das Verhältnis zu den Mitmenschen radikal auf die Probe gestellt werden. Auch die Abwesenheit von Gottheiten und übergeordneten Entitäten, die den Menschen angesichts der großen Rätsel des Lebens beiseitestehen könnten, wird immer wieder verhandelt.

Szenenbild aus DEKALOG - Florian Jahr - © Birgit Hupfeld
© Birgit Hupfeld

Inszenatorische Fallstricke

Obwohl DEKALOG jetzt nicht per se sperrig ist, braucht es dann doch etwas um „reinzukommen“. Die einzelnen Episoden sind nämlich nicht immer so klar abgegrenzt. Auch die einzelnen Gebote kommen nicht in der gleichen Reihenfolge dran, wie man sie von den 10 Geboten her kennt. Die Szenen gehen nahtlos ineinander über und hier hätte man sich zumindest eine Zwischenüberschrift irgendwo gewünscht. Einige Darstellende spielen auch mehrere Rollen, was dann und wann zu Stirnrunzeln im Publikum führt, weil man nicht ganz versteht, ob das die gleiche Person von gerade eben war. Der spanische Opern- und Schauspielregisseur Calixto Bieito, der hier die Regie führte, hätte das Stück definitiv ein bißchen zuschauerfreundlicher gestalten können.

Szenenbild aus DEKALOG - © Birgit Hupfeld
© Birgit Hupfeld

Vor dem Leinwand-Altar

Die meisten Szenen spielen in einem großen Leinwand-Kubus, der entweder einen halboffenen Würfel bildet oder wie ein Flügelaltar aufgeklappt wird. Auf die Leinwand werden auch Bilder geworfen. Allerdings ist da nicht immer ganz klar, was die Leinwandbilder mit der gezeigten Szene zu tun haben. Überhaupt gibt es sehr wenige religiöse Zitate. Da mal ein Choral, da mal ein Kreuzigungsbild, aber das wirkt ohne übergeordnete Einordnung nicht stimmig. DEKALOG ist mir vorher noch nirgends untergekommen. Daher ging ich unvoreingenommen in den Abend. Ich fand aber nicht alle Geschichten, die da erzählt wurden, überzeugend. Manchmal habe ich mich auch gefragt, was das Gesehene mit den zehn Geboten zu tun hat.

Szenenbild aus DEKALOG - Residenztheater München - © Birgit Hupfeld
© Birgit Hupfeld

Schauspiel in Zeiten der Pandemie

Nicht alle Schauspielenden bleiben dabei im Gedächtnis. Linda Blümchen und Robert Dölle als Vielleicht-seine-Tochter und Vater, die romantische Gefühle für einander haben, waren mein persönliches Highlight. Die Chemie, die beide hatten, war umwerfend. Lisa Stiegler überzeugt ebenfalls als verzweifelte Mutter, die um ihr Kind kämpft. Das Ensemble ist wirklich groß. Auch Kinder wirkten als Statisten mit. Wenn beim großen Schlussapplaus die ganze Bühne auf ganzer Länge voller Menschen ist, wirkt das fast ein bißchen unwirklich.

6.5/10

Bewertung: 6.5 von 10.

Gesehen am 26. Juli 2021 im Residenztheater / Nächste Termine am 30. Oktober und 5. November 2021

Trailer: © Residenztheater

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