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Kritiken zu Filmen, Serien und NT Live-Übertragungen

Action, Komödie

Deadpool (2016)

© Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Die One-Man-Show des Ryan Reynolds

Eines kann man DEADPOOL sicherlich nicht vorwerfen: dass die Macher zu wenig auf sich aufmerksam gemacht haben. Aus marketingtechnischen Gründen ist der Film ein wahrer Meilenstein und unzählige Webseiten haben den Versuch unternommen das komplette Material zu sammeln (hier ein → Beitrag von „Wired“). Genauso MARVEL-untypisch beginnt auch der Film. Mitten in einer rasanten Verfolgungsjagd erklärt Deadpool (Ryan Reynolds) dem Zuschauer, wer er ist und was er da gerade macht. In einer Rückblende erklärt Wade Wilson, so Deadpools bürgerlicher Name, wie er als ehemaliges Ex-Specials-Forces-Mitglied sich mit Söldnerjobs über Wasser hält. Sein bester Freund Weasel (T.J. Miller) hat in seiner Bar, die zeitgleich ein Umschlagplatz für Söldner ist, einen sogenannten „Deadpool“ eröffnet, wo man auf den nächsten toten Söldner wetten kann. Dort trifft Wade schließlich auf die Escort-Dame Vanessa (Morena Baccarin), in die er sich verliebt und die er auch heiraten möchte. Alles könnte so schön sein, da bekommt Wade die Diagnose unheilbar an Krebs erkrankt zu sein. Um seiner Freundin den Anblick seiner Krankheit zu ersparen, verlässt er sie. In  Weasels Bar kommt er vorrübergehend unter. Dort trifft er auf einen zwielichtigen Mittelmann, der ihm Heilung verspricht. Von dort geht’s direkt in ein geheimes Forschungslabor, das von dem übermenschlich starken Arzt Francis (Ed Skrein) geleitet wird, der Wilsons Mutantengene aktivieren möchte. Dies gelingt. Wilson entwickelt besondere Selbstheilungskräfte, die zwar den Krebs besiegen, aber auch sein Aussehen entstellen. Zudem kommt heraus, dass Francis seine Patienten als hochentwickelte Sklaven an den Höchstbietenden verkaufen möchte. Wade gelingt es zu flüchten, bevor es dazu kommt. Aufgrund seines Aussehens traut er sich aber nicht wieder zurück zu Vanessa. Er gibt sich den Namen Deadpool und verfolgt fortan Francis und seine Hintermänner. Zeitgleich versuchen die X-Men Colossus (Stimme von Stefan Kapicic) und Negasonic Teenage Warhead (Brianna Hildebrand) Deadpool zu überzeugen, dass er sich den X-Men anschließt.

Vanessa (Morena Baccarin) und Wade (Ryan Reynolds) – © Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Die Parodie von Superheldenfilmen

Der Film ist eine andauernde Parodie seiner selbst. Hier nimmt sich weder die Hauptfigur noch das Filmteam hinter der Verfilmung wirklich ernst. Statt der üblichen Namen im Intro bekommt man hier eine ehrliche Einführung in den Film, die stark an die „Honest Trailers“ der Youtuber von Screenjunkies erinnert. Schauspieler und Filmemacher werden als überbezahlte Idioten verhöhnt – damit ist recht schnell klar, wohin die Reise geht. Es beginnt eine Aufzählung und Rezitierung von unzähligen Film- und popkulturellen Referenzen. Besonders Hugh Jackman und die X-Men werden durch den Kakao gezogen, was wohl hauptsächlich mit der grauenhaften Deadpool-Darstellung in X-MEN ORIGINS: WOLVERINE zu tun hat. Wie in der Comicvorlage weiß Deadpool, dass er nur eine Comicfigur ist und durchbricht die vierte Wand. Dabei spricht er nicht nur direkt in die Kamera, sondern verschiebt die Kamera auch, wenn der Zuschauer etwas Besonderes sehen oder nicht sehen soll. Auch die Eigenarten von Superheldenfilmen wie etwa die → „Superheldenlandung“ werden aufgegriffen und ins Lächerliche gezogen.

Diesem Doktor ist nicht zu trauen – © Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Alle Augen auf Reynolds

Es gibt zahlreiche Logiklöcher, über die auch der grandiose Soundtrack nicht hinwegtäuschen kann. Vieles bleibt einfach ungeklärt, obwohl zahlreiche Rückblenden, Ausblicke und Montagen genügend Zeit hierfür bieten.  Im Grunde verfolgt der Film aber trotz aller Innovation (wie innovativ das jetzt im Einzelnen ist, sei mal dahingestellt) dieselben Klischees wie alle anderen Superheldenfilme. Am Ende kriegt er das Mädchen, natürlich, muss er ja. Hat irgendjemand damit gerechnet, dass sie stirbt? Und genau das ist das Problem von Deadpool: alles ist eine gigantische One-Man-Show von Ryan Reynolds. Der überzeugt zwar, aber es bedeutet auch, dass sich ihm alles unterordnen muss, ja selbst die Handlung. Hauptsache der Held strahlt. Daher fallen anderen Charaktere wie Colossos oder Negasonic Teenage Warhead eindimensional aus und laufen wie Statisten ins Bild, wenn sie gerade „gebraucht“ werden. Um kurzweilig und gut unterhalten zu werden, reicht dies aber völlig aus.

(4.5/6)

Trailer: © Twentieth Century Fox of Germany GmbH

  1. playfuljoyful

    Dennoch bisher mein Favorit unter den Genre Kollegen 😀

  2. Deadpool war schon witzig. Der Film an sich war wirklich Mittelmaß, da es nicht über die übliche Origin-Story hinausging… aber Ryan Reynolds hat den Charakter Deadpool wirklich perfekt getroffen. Da bin ich jetzt schon sehr gespannt, wie die Fortsetzung wird.

  3. Ich muss zugeben: die erste Hälfte hat mich kalt gelassen. Die unerschütterliche „Jeder-bekommt-sein-Fett-ab“-Parade hat mich ziemlich ermattet. Zugute muss man dem Film halten, dass er dabei konsequent bleibt und nicht bricht. Außerdem ist erfrischend kurz und kurzweilig. Man muss keine drei Stunden dafür aufwenden. Ob die ständige Fluchserei auch im zweiten Teil trägt? Muss man sehen, aber Bud Spencer und Terence Hill kamen damit auch durch.

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