Filme über den Rennsport gibt es immer mal wieder. Da ich mit Autorennen gar nicht so viel anfangen kann, habe ich den Film auch nicht im Kino gesehen. Als Regisseur Joseph Kosinski mit F1 um die Ecke kam, war ich nicht wirklich begeistert, aber weil RUSH (2013) von Ron Howard bei mir einen guten Eindruck gemacht hat, gebe ich dem Genre gelegentlich dann doch mal eine Chance. Im Zentrum der Geschichte steht der ehemalige Rennfahrer Sonny Hayes (Brad Pitt). Er galt in den Neunzigern als großes Talent. Ein schwerer Unfall hat ihn aber aus der Bahn geworfen. Dreißig Jahre später tingelt er durch den Motorsport und fährt, wo man ihn bezahlt. Da taucht sein früherer Teamkollege Ruben Cervantes (Javier Bardem) auf. Ruben gehört der Rennstall APXGP, und der fährt seit Langem hinterher. Gewinnt das Team nicht bald ein Rennen, muss Ruben verkaufen. Also holt er Sonny zurück. Im zweiten Wagen sitzt Joshua Pearce (Damson Idris), ein ehrgeiziger Rookie, der vom Neuzugang im Team wenig hält. Die technische Direktorin Kate McKenna (Kerry Condon) versucht derweil, aus dem lahmen Rennwagen noch etwas herauszukitzeln. Neun Rennen bleiben für das Wunder.

Erfahrung vs. Überheblichkeit
Die Geschichte vom alten Hasen und dem Rookie ist natürlich überhaupt nicht neu. Das kennt man auch aus anderen Sportfilmen. Trotzdem finde ich die Entwicklung der beiden recht organisch. Am Anfang können sich Sonny und Joshua nicht ausstehen. Am Ende haben beide Respekt füreinander. Beste Freunde werden sie aber nicht, wie man das wahrscheinlich erwarten würde. Genau das ist eine der wenigen Stärken der Handlung. Brad Pitt hat mich überzeugt, auch wenn er ein bisschen zu wenig Charakterzeichnung vom Drehbuch abbekommen hat. Damson Idris nimmt man das ambitionierte Nachwuchstalent wirklich ab. Über Joshua und seine Familie wusste ich am Ende des Films mehr als über Sonny, was ich etwas merkwürdig finde. Javier Bardem spielt den Teamchef sympathisch. Kerry Condon ist als Kate zwar das Loveinterest. Sie hat aber genügend zu erzählen, um sich neben Brad Pitt zu behaupten. Die zarte Liebesbeziehung zwischen den beiden ist ganz süß.

Schwaches Drehbuch
Was F1 wirklich recht gut macht: Der Film dokumentiert die ganze Infrastruktur hinter der Formel-1-Welt. Da sind die Manager, die Geldgeber, die Presse und die Fahrer. Da sind die Techniker, die Boxencrew und die Fans entlang der Strecke. Ich habe keine Ahnung von dieser Welt. Trotzdem habe ich ein Bauchgefühl zu dieser Welt bekommen. Der Film betont immer wieder, dass die Formel 1 ein Teamsport ist. Nicht nur der Fahrer und der Rennwagen machen einen Gewinner, sondern die Infrastruktur dahinter. Gerade deshalb hätte ich gerne mehr über Sonny erfahren. So richtig dreidimensional ist die Figur nicht. Eher zweidimensional. Die größte Schwäche des Films ist wirklich das Drehbuch. Manche Eigenschaften etabliert das Drehbuch und führt sie dann nicht weiter. Sonny soll ein Womanizer sein, schon geschieden, verschuldet und spielsüchtig. So richtig merkt man ihm das aber nicht an. Es wird einfach nur behauptet, und danach passiert nichts mehr damit. Relativ spät erfahren wir, dass er schwere Verletzungen aus einem früheren Unfall vor seinem Team verheimlicht hat, um weiterfahren zu können. Auch das greift der Film nie mehr wieder auf. Da verläuft einiges im Leeren.
Technisch in der ersten Liga
Technisch spielt der Film dagegen ganz vorne mit. Kamera und Ton sind wirklich sehr packend. Gedreht hat das Team an echten Grand-Prix-Wochenenden, und die Academy hat den Film viermal für den Oscar nominiert. Für den besten Ton gab es auch einen Goldjungen. Die Kamera ist überall mit dabei, auch im Cockpit. Die Musik hat Hans Zimmer geschrieben. Ich habe darin tatsächlich kleinere Anleihen der FLUCH-DER-KARIBIK-Scores herausgehört. Das fand ich recht unterhaltsam, denn inhaltlich liegt dieser Sportfilm ziemlich weit weg von einem karibischen Piratenabenteuer. Gestört hat es mich aber nicht. Gerade zu heroischen Momenten wie dem Finale passt Zimmers Musik sehr gut.

Zu wenig Mensch
156 Minuten dauert der Film. Ich hätte mindestens 30 Minuten davon gekürzt. Vor allem das letzte Drittel ist unnötig lang. In den ersten beiden Dritteln geht das noch recht gut. Dann werden viele Rennen hintereinander geschnitten und es gibt zu wenig Verschnaufpausen dazwischen. Hier geht es um Schauwerte und ganz wenig um die Figuren. Und das Filmende? Recht erwartbar. Wer schon einmal einen Sportfilm gesehen hat, ahnt, wie das Finale in Abu Dhabi ausgeht. Bleibt die Frage, wozu man diesen Film gedreht hat. Der ganze Sinn und Zweck ist, Werbung für die Formel 1 zu machen. Ich halte das Ganze für eine überteuerte Materialschlacht. Ich mag Werbefilme generell nicht besonders. Das heißt nicht, dass mich ein Film wie BARBIE, der Werbung für Spielzeug machen sollte, nicht grundsätzlich unterhalten kann. F1 ist für Fans von Brad Pitt und für Motorsportfans gemacht, will aber auch die breite Masse abholen. Das gelingt über weite Strecken. Abzüge gibt es für die Länge und die dünne Figurenzeichnung. In jedem Fall braucht es ein Publikum mit Sitzfleisch, dem die Überlänge nichts ausmacht.
F1 ist aktuell im Abo von Apple TV+ enthalten (Stand: 03.10.2026) und auf DVD, Blu-ray und UHD-Blu-ray fürs Heimkino erhältlich.
8/10



