Tuner (2025)

TUNER oder THE PIANO TUNER, so der „deutsche“ Titel, ist nicht unbedingt die Sorte Film, für die ich normalerweise extra ins Kino gehen würde. Aber da der Film im Rahmen des 43. Filmfests München lief, habe ich mir den Film dann doch angesehen. Daniel Roher hat hier einen Genre-Mix gebaut, der eine Mischung aus Krimi, Drama und Romanze ist. Wer kurzweilige Unterhaltung sucht, wird hier fündig. Niki White (Leo Woodall) besitzt ein absolutes Gehör. Er arbeitet als Klavierstimmer und verbringt die meiste Zeit zusammen mit seinem Mentor Harry Horowitz (Dustin Hoffman) in teuren Wohnungen von Privatpersonen, die das Klavier in erster Linie als Deko-Element im Zimmer stehen haben. Bei einem seiner Aufträge trifft er auf den Sicherheitsprofi Uri (Lior Raz). Der soll eigentlich die Häuser bewachen, hat aber beschlossen seine Klienten auszurauben, wenn sie nicht im Haus sind. Uri erkennt, dass sich Nikis Gehör für das Knacken von Tresoren eignet und verwickelt ihn in zwielichtige Geschäfte. Parallel dazu lernt er an einer Musikhochschule die Kompositionsstudentin Ruthie (Havana Rose Liu) kennen und lieben. Es wird immer schwieriger beide Seiten zufriedenzustellen. Immer besteht die Gefahr, dass Nikis Doppelleben auffliegt.

Szenenbild aus TUNER - THE PIANO TUNER - Harry (Dustin Hoffman) und Niki (Leo Woodall) - ©Black Bear / DCM
Harry (Dustin Hoffman) und Niki (Leo Woodall) – ©Black Bear / DCM

Der Film gehört auf die große Leinwand

Ich hatte ja schon gesagt, dass TUNER für mich kein Film ist, für den man ins Kino gehen muss. Und betrachtet man nur die Geschichte, dann wäre ein Heimkinostart durchaus ausreichend. Auf der anderen Seite muss man den Film aber unbedingt auf der großen Leinwand oder zumindest mit einer ordentlichen Soundanlage anschauen. Nur dann entfaltet sich die Wirkung so richtig. Auf dem heimischen Sofa, mit mittelmäßigen Lautsprechern, wird der Film nicht die Wirkung entfalten wie im Kino. Der Film lebt vom Sound. Man kann hier die komplette Tonabteilung einfach mal durch die Bank loben, weil sie enorm dabei helfen, Niki und seine Tonsensitivität zu verstehen. Stellvertretend dafür lobe ich einfach mal den Sounddesigner Johnnie Burn, der für THE ZONE OF INTEREST einen Oscar bekommen hat.

Weil Niki mit Lärm nicht klarkommt, kriegt auch das Publikum ordentlich eins auf die Ohren: Hupen, das Getöse eines landenden Flugzeugs, Alltagsgeräusche, die plötzlich wehtun. Diese akustische Attacke funktioniert erstaunlich gut. Man begreift sofort, warum Niki mit der Welt der Geräusche hadert.

Szenenbild aus TUNER - THE PIANO TUNER - Niki (Leo Woodall) - ©Black Bear / DCM
Niki (Leo Woodall) – ©Black Bear / DCM

Ein Protagonist mit Dackelblick

Auf der anderen Seite schlurft Hauptdarsteller Leo Woodall mit dem immergleichen, einen treudoofen Dackelblick durch den Film. Man weiß nie so genau: Ist der Hauptdarsteller unterfordert oder hat Regisseur Daniel Roher Niki einfach so angelegt. Das muss man wirklich mögen. Nach dem Abspann wurde ich das Gefühl nicht los, dass Woodall nicht so richtig viel schauspielerische Bandbreite zeigen konnte. Auf der anderen Seite gibt vielleicht auch die Rolle als Klavierstimmer auch nicht besonders viel her. Ein bißchen irreführend finde ich auch das Marketing zu diesem Film. Obwohl mit Dustin Hoffmann sogar auf dem Filmplakat geworben wird, muss man sagen, dass er nur ca. 10 Minuten im Film zu sehen ist und eine eher untergeordnete Rolle in TUNER spielt. Schade eigentlich, dass seine Figur nur zur Motivation, wieso Niki schnell Geld braucht.

Szenenbild aus TUNER - THE PIANO TUNER - Ruthie (Havana Rose Liu) und Niki (Leo Woodall) kommen sich näher. - ©Black Bear / DCM
Ruthie (Havana Rose Liu) und Niki (Leo Woodall) kommen sich näher. – ©Black Bear / DCM

Vorhersehbar, aber nicht öde

Einige Aspekte der Handlung, besonders die letzte Szene des Films, sieht man schon zehn Kilometer gegen den Wind kommen. Wer schon ein paar Genre-Vertreter dieser Art gesehen hat, wird also nicht überrascht. Roher hat im Presseheft zum Film erzählt, er habe genau den Film machen wollen, den er sich mit 15, 16, 17 Jahren gewünscht hätte: einen Krimi, bei dem wirklich etwas auf dem Spiel steht, garniert mit Musik und Romantik. Diese Mischung merkt man dem Film auch an, und sie erklärt vermutlich, warum manche Wendungen so vertraut wirken. Trotzdem wird es bis zum letzten Drittel eigentlich nie langweilig. Die Balance aus Spannung, Humor und Romantik hält bis zum Schluss. Man will dann doch wissen, wie Niki aus seiner misslichen Lage wieder herauskommt.

Die vorhersehbare Auflösung und Hoffmans knappe Screentime trüben den Gesamteindruck kaum. THE PIANO TUNER bleibt trotz kleiner Schwächen ein Film, der von der ersten bis zur letzten Minute unterhält, ohne dabei anstrengend oder überladen zu wirken. Wer kann, sollte sich den Film unbedingt im Kino gönnen. Die Ohren werden’s danken.

Seit dem 02 Juli 2026 läuft der Film in den deutschen Kinos. THE PIANO TURNER erscheint vorraussichtlich am 18. Oktober 2026 für’s Heimkino.

8.5/10

Bewertung: 8.5 von 10.

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