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Kritiken zu Filmen, Serien und Theater

Biografie, Drama

Tolkien (O, 2019)

Szenenbild aus TOLKIEN (2019) - J.R.R. Tolkien (Nicholas Hoult) und Edith (Lily Collins) - © 20th Century Fox

J.R.R. Tolkien (Nicholas Hoult) und Edith (Lily Collins) - © 20th Century Fox

Es sind inzwischen ein paar Wochen vergangen, seitdem ich TOLKIEN in der Sneak angesehen habe. Ein Totalausfall war es zwar nicht, aber auch nicht so recht das Gelbe vom Ei. Die Geschichte erzählt die jungen Jahre von John Ronald Reuel Tolkien (Nicholas Hoult), der Ende des 19. Jahrhunderts das Elite-College Exeter in Oxford besucht. Zusammen mit seinen Freunden Geoffrey (Anthony Boyle), Robert (Patrick Gibson) und Christopher (Tom Glynn-Carney) bildet er eine eingeschworene Gemeinschaft. Die Freunde motivieren sich gegenseitig ihre Talente weiter zu fördern. Tolkien möchte Schriftsteller werden, denn er hat seit jeher eine blühende Fantasie und fasziniert sich für Sprachen. Als der erste Weltkrieg ausbricht, muss Tolkien seine große Liebe Edith Bratt (Lily Collins) verlassen und zieht als Soldat in den Krieg. Seine Erfahrungen im Kriegsgebiet inspirieren ihn später zu seinen Romanen über Mittelerde.

Szenenbild aus TOLKIEN (2019) - Tolkien (Nicholas Hoult) findet im Kriegsgebiet Inspiration für seine Romane. - © 20th Century Fox
Tolkien (Nicholas Hoult) findet im Kriegsgebiet Inspiration für seine Romane. – © 20th Century Fox

Pathetisch und verträumt

Trotz einiger Parallelen ist inzwischen bekannt, dass Tolkien seine DER HERR DER RINGE-Romane nicht als Allegorie auf den ersten Weltkrieg verstanden wissen wollte. Genau diese Allegorie betont Regisseur Dome Karukoski aber ständig in seinem Film. In seiner Bildsprache wird der aufgeschleuderte Dreck auf dem Schlachtfeld zu einem überdimensionalen Gegenspieler aus Rauch und Feuer. Sauron ist geboren. Auch der Kontrast zwischen dem grauschwarzen Niemandsland und der grünen Landschaft, in der Tolkien zunächst aufwuchs, bevor die Familie in die Stadt zog, lässt den Zuschauer Assoziationen zu Mordor und dem Auenland bilden. Auch die enge Freundschaft der vier College-Kollegen erinnert stark an die vier Hobbits Sam, Frodo, Pippin und Merry. Zudem wurden einige → historischen Fakten aus erzählerischen Gründen etwas verändert. Durch diese fantasievolle Bildsprache wirkt der Film als Biopic etwas zu verträumt. Alles ist bis ins letzte Detail durchkomponiert, was TOLKIEN eine sehr verkrampfte Note gibt.

Szenenbild aus TOLKIEN (2019) - © 20th Century Fox
© 20th Century Fox

Ein Film für wen?

Ohne Zweifel ist die Biografie von Tolkien interessant. Dennoch muss man hier die Frage stellen, ob es dafür extra einen Kinofilm braucht um über dessen Leben aufzuklären. TOLKIEN ist wieder einer dieser Fälle, wo die Zielgruppe nicht klar ist. Wen soll dieses Biopic ansprechen? HERR DER RINGE-Fans werden da wohl lieber zu einem ordentlich recherchierten Sachbuch greifen. Und auch der Normalo-Kinobesucher wird sich wahrscheinlich nicht mit einem Autoren auseinandersetzen wollen. Da liegt die Vermutung nahe, dass man sich hier ausschließlich auf den DER HERR DER RINGE-Hype verlässt. Dieser wird sicherlich noch weiter aufflammen, sobald Amazon (wahrscheinlich 2021) eine Serie des Stoffes herausbringen wird. Zweifellos ist dieser Film nett gemacht, die Schauspieler sind sympathisch und die Effekte passend umgesetzt, aber letzten Endes ist es ein Film, auf den die Welt nicht gewartet hat und den die Welt auch nicht braucht.

3.5/6 bzw. 6.5/10

Trailer: © FoxKino


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