Nelson Mandela (Idris Elba) setzte sich schon immer für Gerechtigkeit ein. Das fing früh an, als er sich für eine Karriere als Anwalt entschied und dadurch die weißen Kläger im Gerichtssaal oftmals irritierte. Doch alles änderte sich, als ein Freund Mandelas ohne Grund verhaftet und im Gefängnis totgeprügelt wird. Das Gericht folgt dem Bericht der Polizei, der besagt, dass der junge Mann eines natürlichen Todes gestorben sei. Mandela gründet daraufhin mit ein paar Freunden die ANC Youth League und beginnt die Ungerechtigkeit in Südafrika anzuprangern. Als 1948 die Apartheid eingeführt wird, verschlechtert sich die Situation zunehmend. Mandela und seine Mitstreiter kämpfen aber weiterhin für Gerechtigkeit, bis sie 1962 festgenommen werden. Zwei Jahre später werden sie zur lebenslangen Haft verurteilt. So beginnt eine lange Leidenszeit, welche bis zum 11. Februar 1990 andauert. Doch Mandela ist keinesfalls gebrochen, sondern noch immer voller Tatendrang. Nach seiner Freilassung versucht er jedoch nicht mit Gewalt, sondern mit Worten ans Ziel zu kommen.

Bei der Londoner Premiere von Mandela am 5. Dezember 2013 standen während dem Abspann Produzent Anant Singh und Idris Elba auf der Bühne und gaben bekannt, dass Nelson Mandela gestorben ist. Der Mann, dessen Weg Regisseur Justin Chadwick in Bild und Ton auf die Leinwand gebracht hatte. Dabei steht Chadwick aber vor mehreren Problemen. Zum einen ist da die große Frage, wie man eine Biografie über den bekanntesten Mann Südafrikas erzählen will. Chadwick tut das in einer zerhakten Erzählweise. Erst der Ort, dann das Datum, dann ein kurzer Ausschnitt, was passiert. Der Regisseur klappert stichpunktartig die Eckdaten Mandelas ab ohne wirklich in die Tiefe zu gehen. Gerade am Anfang des Films werden die Motive Mandelas nicht ganz deutlich. Mandela ist im Kindesalter zu sehen, im Folgenden als erfolgreicher Anwalt und fünf Minuten später hat er sich schon dem bewaffneten Widerstand angeschlossen. Das geht einfach zu schnell und ist für den Zuschauer teilweise unverständlich.

© Senator

Idris Elba und Naomie Harris – © Senator

Auch farblich zerhakt er den Film in zwei Teile. Die orange-gelblichen Einstellungen stellen die Träume und glücklichen Erinnerungen da, die blau-grauen Szenen die grausame Realität. Zudem versucht Chadwick mit Ausschnitten echter Nachrichtenbeiträge aus der Zeit die Stimmung einzufangen. Die Frage ist, warum der Regisseur diese Szenen nicht mit den vielen hundert Statisten nachgedreht hat, die eh jeden Tag am Set waren. Die Nachrichtenbeiträge wirken häufig mehr wie eine Legitimation des eben Gesehenen und nicht zur Unterstützung der Narration. Und die hübschen Landschaftsbilder von Afrika sehen wirklich toll aus, scheinen aber ebenfalls keinen tieferen Sinn zu haben. Zudem hat sich die deutsche Sychnronisation (im Gegensatz zu Idris Elba im Original) keine Mühe gemacht, auch nur ansatzweise wie Mandela zu klingen. Hier würde es sich sicherlich lohnen, den Film nochmal im englischen Original zu sehen. Hauptdarsteller Idris Elba versucht dem hohen Anspruch gerecht zu werden. Dies gelingt ihm sogar recht gut. Elba sieht Mandela trotz Make-up nicht ansatzweise ähnlich, dies sollte den Zuschauer aber nicht stören, denn der Hauptdarsteller versucht sichtlich alles aus der Rolle zu holen was geht. Ein kleines Fünkchen besser spielt Naomie Harris als Mandelas Frau, die den Spagat zwischen treu sorgender Mutter und gewaltbereite Anführerin des Volkes glaubhaft verkörpern kann. Der mit afrikanischen Klängen angehauchte Soundtrack von Alex Heffes unterstützt die Narration. Teilweise sind aber auch traditionelle Hochzeits- oder Protestgesänge in accapella zu hören. Der Titelsong „Ordinary Love“ von U2 scheint dagegen überhaupt nicht zum Film zu passen. Insgesamt bleibt das Gefühl zurück, dass man mehr aus der Geschichte hätte machen können.

Biopic eines starken Mannes (4.5/6)

Trailer: © Wildbunch Germany