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Begeisterung für Filme, Serien und Theater

Komödie, Kriminalfilm

Inherent Vice (OmU, 2014)

© Warner Bros. Germany

Doc und Bigfoot suchen Wolfmann

1970. Was für eine verrückte Zeit. Hippies predigen die freie Liebe und Drogen gehören zum Stadtbild. Die Morde von Charles Manson, der vor einem Jahr inhaftiert wurde, sind noch immer Gesprächsthema. In der Verfilmung von Thomas Pynchons gleichnamigen Roman wird der zugedröhnte Hippie-Privatdetektiv Larry ‚Doc‘ Sportello (Joaquin Phoenix), der am → fiktiven Gordita Beach lebt, mit seiner Vergangenheit konfrontiert. Die taucht in Person seiner Exfreundin Shasta (Katherine Waterston) auf und bittet ihn um Hilfe. Sie habe eine Affäre mit dem reichen Immobilienhai Mickey Wolfmann (Eric Roberts), doch sie habe erfahren, dass seine Frau (Serena Scott Thomas) und ihr Liebhaber ihn in eine psychatrische Klinik stecken wollen um an das Geld ihres Mannes zu gelangen. Shasta soll sich an dem Plan beteiligen, hat aber Skrupel und beauftragt Doc den Fall zu untersuchen. Kurz darauf verschwinden Shasta und Wolfmann und Doc erwacht nach einem Schlag auf den Kopf neben einer Leiche. Aufgegriffen wird er von LAPD-Detektiv Christian „Bigfoot“ Bjornsen (Josh Brolin), der ihn dank Anwalt Sauncho Smilax (Benicio Del Toro) aberschnell wieder laufen lassen muss. Beim Wolfmann-Fall kommt er nicht weiter. Auch die Recherchen von District Attorney Penny Kimball (Reese Witherspoon) sorgen mehr für Verwirrung als für Klarheit. Da meldet sich Hope Harlingen (Jena Malone) und bittet um Hilfe auf der Suche nach ihrem verschwundenen Mann Coy (Owen Wilson). Doc erkennt schließlich, dass beide Fälle zusammenhängen.

Joaquin Phoenix als Privatdetektiv Doc – © Warner Bros. Germany

Die Schauspieler sind das Herzstück des Films, daher werden ihre Gesichter auch häufig in Nahaufnahmen eingefangen. Jeder verkörpert seine Rolle unglaublich gut. Reese Witherspoon, Benicio Del Toro und Owen Wilson absolvieren eher kurze Auftritte. Josh Brolin aber, der als „Bigfoot“ häufig mit einer Schokobanane in der Hand herumläuft oder sich sonst irgendwelche Lebensmittel in den Mund stopft, wenn er nicht → gerade Essen bestellt, weiß spätestens seit MEN IN BLACK 3 wie man im schwarzen Anzug lässig aussieht. Und dann wäre da noch Joaquin Phoenix. Sein „Doc“ ist permanent auf Droge und hat eine Zottelmähne; beides nicht besonders hilfreich beim Ermitteln und einen professionellen Eindruck macht das schon gar nicht. Aber dieser leicht zugedröhnte, aber doch irgendwie liebenswerte Dackelblick macht ihn zu einem fantastischen Protagonisten. Beide sorgen mit ihrer gegenseitigen Hassliebe für zahlreiche Lacher. Der Anfang der 70er wird überzeugend dargestellt. Das Setdesign und die (→ oscarnominierten) Kostüme fangen die Atmosphäre der Flower-Power-Bewegung gut ein. Passend dazu spricht Sortilege (Joanna Newsom), die ehemalige Angestellte von Doc, aus dem Off in kryptischen Bildern und verschachtelten Sätzen und fungiert als auktorialer Erzähler.

Doc (Joaquin Phoenix) und Penny (Reese Witherspoon) – © Warner Bros. Germany

Doch selbst die besten Schauspieler helfen nichts, wenn die Geschichte nicht flott erzählt wird. Bereits im der Vorgängerfilm von Regisseur Paul Thomas Anderson THE MASTER (ebenfalls mit Joaquin Phoenix) war das gleiche Problem zu beobachten. Die Story zieht und zieht sich. Hin und wieder erhält man Hinweise, die mit dem Fall zu tun haben, dann wieder welche, die völlig unnütz sind. Dann wird mit irgendwelchen Frauen herumgekuschelt und der Fall wird völlig aus den Augen verloren. Dann gibt es aus dem Nichts wieder einen Hinweis und die ganze Geschichte geht von vorne los. Der Fall an sich ist auch nicht so spannend, dass man wissen möchte, wie es denn ausgeht. Der Witz zwischen Bigfoot und Doc überbrückt zwar die Durchhänger im Mittelteil etwas, aber insgesamt ist der Film dann doch zäh.

Toller Cast, schwache Narration (3/6)

Trailer: © Warner Bros. Germany

  1. Ich hab die angesprochenen Hänger und Spuren ins nichts bzw. Hinweise aus dem nichts als Stilmittel interpretiert. Meiner Meinung nach sollte das den Einfluss der Drogen darstellen, in etlichen Szenen ist das Gesehene derart abstrus, dass man zweimal überlegen muss, ob Doc das grade wirklich erlebt oder eher eine Art Wahn ist.
    Hatte auch was zu Inherent Vice geschrieben, wenn du magst schau gerne mal rein 🙂
    Ansonsten geb ich dir leider recht, hat sich doch ganz schön gezogen über seine volle Laufzeit. Leider. Hatte mich auf den Film gefreut !

  2. Schwache Narration und Paul Thomas Anderson passt für mich nicht zusammen. Es gibt anscheinend auch jede Menge Leute die seine Filme nicht unterhaltsam finden.
    Seine Geschichte, seine Figuren und seine Regie sind so ineinander verbunden, das man sie auch nicht trennen kann und nur die Schauspieler herausheben.
    Die Figur des Doc beeinflusst die ganze Narration im Film.

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